Ein entnervter Beitrag über die problematische T-Kreuzung am Ortsausgang von Dätzingen geht auf Facebook viral. Jetzt kommt anscheinend Bewegung in die Sache.
Neun Minuten – so lange stand Roland Maigler zuletzt an der T-Kreuzung am Ende der Döffinger Straße, bis er mit seinem Auto endlich abbiegen konnte. „Wie lange soll das noch so weitergehen? Warum passiert hier nichts? Warum wird hier nicht endlich eine Ampelanlage installiert?“, macht er seinem Unmut auf Facebook Luft. Unter dem Beitrag sammeln sich in kurzer Zeit dutzende Kommentare, darunter auch von Grafenaus Bürgermeister Martin Thüringer.
Hat man seine Klagerufe auch an zuständiger Stelle im Regierungspräsidium in Stuttgart vernommen? Man könnte es fast meinen, denn wie Recherchen dieser Zeitung ergeben, wollen RP und Landratsamt sich jetzt endlich daran machen, den problematischen Verkehrsknoten zu lösen. Dafür ist wohl zunächst ein Provisorium mit einer Ampelschaltung vorgesehen.
Abbieger brauchen Geduld – oder ein gewisses Gottvertrauen
Die Kreuzung, an der der Verkehr aus Richtung Calw auf den Pendlerstrom aus Richtung Böblingen beziehungsweise Weil der Stadt trifft, ist schon lange ein echter Flaschenhals: Wer während der Rushhour aus Dätzingen kommend links in Richtung Schafhausen abbiegen will, braucht entweder viel Geduld oder ein gewisses Gottvertrauen, um mit kräftigem Tritt aufs Gaspedal eine Lücke im dichten Verkehr zu erwischen. Wenn dann neben der übermäßig breiten Verkehrsinsel auch noch ein Auto oder ein breiter Lastwagen zu weit in der Mitte steht, hängen auch die Rechtsabbieger fest.
Erschwerend hinzu kommt, dass viele das 50-Stundenkilometer-Schild vor der Kreuzung offenbar nur dann wahrnehmen, wenn mal wieder ein mobiler Blitzer sie an das Tempolimit erinnert. Die Entscheidung, dort einen stationären Blitzer zu installieren, müsste das Landratsamt treffen. Allerdings würde dies aus Behördensicht hohe Kosten verursachen und das Grundproblem der verkehrlichen Überlastung auch nicht lösen.
Ortskundige wichen bei Stau bisher gerne mal über die Zufahrt zum Wertstoffhof bei der Stegmühle aus. Dieser Schleichweg ist wegen der Bauarbeiten rund um die Würm-Renaturierung jedoch derzeit gesperrt. Dadurch verschärft sich die Situation an der T-Kreuzung während der Stoßzeiten noch mehr.
„Es besteht kein Zweifel daran, dass der Knoten überlastet ist“, sagt Lukas Walter, Pressesprecher beim Regierungspräsidium in Stuttgart. Deshalb sei der Landkreis Böblingen – obwohl die bauliche Zuständigkeit beim Land liegt – bereits seit einiger Zeit daran, eine Lösung zu suchen. Anstelle einer kostspieligen Ampelanlage wollte der Landkreis mit einer Verkehrszählung im Jahr 2019 zunächst die Leistungsfähigkeit eines Kreisverkehrs ausloten – mit dem Ergebnis, dass dieser zur morgendlichen Hauptverkehrszeit „überstaut“ wäre.
Geplant ist der „testweise Betrieb einer Ampel“
Auch Überlegungen, mit zusätzliche Fahr- und Beschleunigungsstreifen zu arbeiten, führten nicht weiter. Aus diesem Grund sei jetzt auf der Fläche des Knotenpunkts der „testweise Betrieb einer Ampelanlage“ geplant. Wann diese Testphase beginnt, konnte der RP-Sprecher allerdings noch nicht sagen.
Grafenaus Bürgermeister Martin Thüringer hält eine Verbesserung der Verkehrssituation an dieser Stelle für „sehr dringend und erforderlich“ – zumal in nicht allzu ferner Zukunft die Feuerwehr bei Einsätzen vom geplanten Neubau der zentralen Feuerwache ein Stück hinter der Kreuzung über eine Alarmabfahrt auf die Landstraße auffahren soll. „Bereits in den vergangenen Jahren haben wir als Gemeinde immer wieder die Einrichtung eines Kreisverkehrs oder einer Ampelanlage angesprochen und gefordert“, sagt Thüringer und verweist auf andere Kreuzungen entlang der Landesstraße, wo bereits Ampelanlagen zuverlässig den Verkehr regeln – zum Beispiel an der Ortseinfahrt Döffingen oder in Schafhausen.