Kolumnist KNITZ über einen Spaziergang durch Streuobstwiesen. Und eine Begegnung der unglaublichen Art.
In einem nicht mehr ganz taufrischen Witz treffen sich im Himalaya zwei Yetis. Sagt der eine: „Du, ich habe gerade den Messner gesehen.“ – „Echt?“, sagt der andere. „Gibt’s den wirklich?“
Neulich, es war das Wochenende, bevor mitten im April für einige Tage die Kälte über uns hereinbrach, spazierte KNITZ durch Streuobstwiesen im Gäu südlich von Stuttgart. Das Wetter war geradezu hochsommerlich. Dass dem so ist, müssen neben KNITZ auch noch ein paar andere Menschen spitz gekriegt haben. Vermutlich, weil sie dieselbe Wetter-App haben wie er.
Vielleicht gibt es eine App für selbst gebackenen Kuchen
Entsprechend bevölkert waren die Spazier- und Wanderwege. Unter blühenden Obstbäumen hatten Landfrauen Tische aufgestellt und verkauften selbst gebackenen Kuchen. Ein verlockendes Angebot. Aber die Schlange der wartenden Menschen war gewaltig. Bis KNITZ drankäme, wäre der Markt verlaufen. Also spazierte er weiter, ist eh besser für die Linie.
Vielleicht, überlegte er, gibt es inzwischen sogar eine App, die verrät, wo es selbst gebackenen Kuchen von Landfrauen gibt.
Wenig später begegnete KNITZ einem Herrn und einer Frau. Der Weg war schmal, KNITZ machte einen Schritt zur Seite, um die beiden vorbeizulassen. Der Mann, ein älterer Herr mit grauem Vollbart, ging etwas gebeugt und nickte kurz beim Vorbeigehen.
„Hast Du den Mann gesehen?“, fragte KNITZ seine Begleitung. „Der sieht aus wie der Messner.“ Seine Begleitung drehte sich um und sagte: „Stimmt.“
Genauso gut könnte einem der Yeti über den Weg laufen
Nun ist es so, dass man an einem sonnigen Sonntag in den Streuobstwiesen im Gäu südlich von Stuttgart nicht gerade mit dem berühmtesten Alpinisten Europas rechnet. Genauso gut könnte einem der Yeti über den Weg laufen. Also ging man weiter, wobei KNITZ natürlich nicht umhinkam zu erwähnen, dass er mal bei einem Lichtbildervortrag von Reinhold Messner war und das Ganze eine höchst kurzweilige und amüsante Veranstaltung gewesen sei. Doch damit war das Thema Messner gegessen.
Vielleicht sollte KNITZ noch erwähnen, dass er von Haus aus kein sonderlich schweigsamer Typ ist. Aber beim Spazierengehen und beim Wandern überkommt ihn manchmal eine regelrechte Erzähllust. Also begann er über eine seiner läuferischen Höchstleitungen zu referieren, einen 24-Stunden-Marsch rund um Stuttgart. KNITZ hatte die Strapaze komplett unterschätzt. Völlig zu Unrecht findet sich das Unternehmen in keinem Rekordbuch für Heldinnen und Helden wieder.
Sein Fressesprecher, der KNITZ dabei begleitet hatte, schrieb später in einem Zeitungsartikel über die 80 Kilometer lange Gewalttour: „Am Ende brennen die Sohlen wie Kohlen. Die blauen Stellen unter zwei Zehen wird der Wanderer erst in ein paar Tagen begutachten können, wenn er sich wieder bücken kann. Aber bis dahin hat er längst begriffen, wie wunderbar alles war.“
Es war wohl zwei, drei Tage nach der Wanderung durchs sonnige Gäu, als KNITZ mit dem Rad unterwegs war und auf ein Plakat stieß, von dem herunter ihn ein bekanntes Gesicht anstarrte. Offenbar war Reinhold Messner in der Stadt gewesen, um einen Vortrag zu halten, der mit „Über Leben“ überschrieben war.