Lammert lobt – vor allem die ehrenamtlichen Helfer im ganzen Land. Foto: factum/Bach

Volles Haus beim Neujahrsempfang der Stadt Remseck: 600 Besucher wollen die Rede des Bundstagspräsidenten Norbert Lammert hören – und erleben zudem einen kämpferischen Oberbürgermeister Dirk Schönberger.

Remseck - Ein erstes Fazit lässt sich bereits vor Beginn der Veranstaltung ziehen: Namen wirken. Mehr als eine halbe Stunde, bevor der Neujahrsempfang der Stadt Remseck am Sonntagnachmittag beginnt, ist die Bürgerhalle im Ortsteil Hochberg bis auf den letzten Stuhl besetzt. Prall gefüllt ist auch die erste Reihe, in der politische Vertreter jeder Couleur und jeden Ranges Platz nehmen: Neben dem CDU-Bundestagsabgeordneten aus Ludwigsburg, Steffen Bilger (durch dessen Zutun der namhafte Besuch aus der Bundeshauptstadt wohl maßgeblich zustande gekommen ist), sitzen dort zum Beispiel auch der Vize-Chef des EU-Parlaments, Rainer Wieland, der SPD-Fraktionschef im Land, Claus Schmiedel, und der Abgeordnete Klaus Herrmann (CDU). Wir wollen nicht vergessen: 2016 ist ja Wahlkampf in Baden-Württemberg.

Die Zeit, um die sich der prominente Gastredner verspätet, nutzen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, um noch ein paar Stühle aufzustellen. Rund 600 werden es am Ende wohl sein. Als Norbert Lammert den Saal betritt, müssen einige Zuhörer trotzdem stehen.

Lammert spricht von Begrenzung der Flüchtlingszahlen

Norbert Lammert gilt als ausgezeichneter Rhetoriker, er hat dem Amt des Bundestagspräsidenten mehr Gewicht gegeben als die meisten seiner Vorgänger. Ein Best-of-Video seiner Sprüche und Scharmützel im Bundestags­plenum haben auf Youtube inzwischen mehr als eine Viertelmillion Menschen geklickt.

In der Hochberger Halle ist seine 45-minütige Rede ein Galopp durch das vergangene Jahr und entlang der großen Themen, die die Bundespolitik gerade beschäftigen: Ukra­ine-Krise, Flüchtlingspolitik, Euro-Rettung, Terror. Allesamt Themen, die nicht hausgemacht seien, sagt Lammert – vor denen man sich aber auch nicht wegducken dürfe. „Die Haltung, damit haben wir nichts tun, gilt nicht“, findet er. Am meisten Applaus erntet der 67-Jährige für seine klaren Positionen in der Flüchtlingsfrage. Den Menschen, die vor Krieg und Terror fliehen, müsse eine Zuflucht gewährt werden, sagt Lammert. Aber auch: „Wer die Zuflucht nicht braucht, dem muss der Zugang verwehrt werden.“ Ausdrücklich lobt Lammert den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer, die bei der Integration und Betreuung mitwirkten. Er sei sich sicher, dass dieser Haltung einmal ein besonderer Stellenwert in der deutschen Geschichte zukommen werde: „Das ist ein stilles Ruhmesblatt.“

Dem Lob für die ehrenamtlichen Helfer schließt sich auch der Remsecker Oberbürgermeister Dirk Schönberger in seiner Ansprache an. Gerade nach dem Feuer neben der Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Neckargröningen im Oktober habe seine Stadt ein Zeichen gegen Fremdenhass und für Toleranz gesetzt: „In Remseck ist es hell.“

Beinahe kämpferisch zeigt sich das Stadtoberhaupt bei einem anderen Thema aus dem vergangenen Jahr: dem Bauvorhaben „Neue Mitte“. Auf die Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung Bezug nehmend, meint Schönberger: „Man hat mir die Verschwendung von Steuergeldern vorgeworfen. Diesen Vorwurf muss und werde ich aushalten.“ Die Entscheidung, sich von den Architekten des neuen Rathauses und der Stadthalle zu trennen, sei schmerzlich gewesen. Doch man habe die Reißleine gezogen, als sich eine Steigerung der Baukosten abgezeichnet habe. „Dann heißt es: mutig Augen zu und durch.“


Lammert lobt – vor allem die ehrenamtlichen Helfer im ganzen Land. Foto: factum/Bach

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