Neujahrsempfang Christopher Street Day Skudelny will Regenbogen-Familien stärken

Von Caroline Holowiecki 

Die Abgeordnete Judith Skudelny ist neue Schirmherrin des CSD. Foto: Martin Stollberg
Die Abgeordnete Judith Skudelny ist neue Schirmherrin des CSD. Foto: Martin Stollberg

Beim CSD-Neujahrsempfang sind das Motto des diesjährigen Kulturfestivals in Stuttgart und die neue Schirmherrin vorgestellt worden. Gefeiert wurde im besonderen Maße aber die scheidende Schirmherrin.

Stuttgart - Feuerrote Lack-High-Heels. Gabriele Arnold, 57 Jahre alt und Stuttgarter Prälatin der Württembergischen Landeskirche, ist stets für ein Aha gut. Beim Neujahrsempfang des CSD-Vereins in Stuttgart und ihrem gleichzeitig letzten Auftritt als Regenbogen-Schirmherrin glänzte die Pfarrerin mit extrovertiertem Schuhwerk. Aber nicht nur für ihr modisches Statement wurde sie gefeiert. Natürlich wartete jeder am Samstagabend auf eine politische Aussage. Zu turbulent geht es in der Landeskirche zu nach dem Nein der Herbstsynode zum Kompromiss in Sachen Homo-Ehe und dem jetzigen Aufbegehren der mittleren Führungsebene. 80 Prozent der Dekane und 90 Prozent der Schuldekane wollen sich mit dem Votum nicht abfinden und fordern eine kirchliche Amtshandlung zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. 41 Kirchengemeinden hierzulande haben sich zudem bereits der Regenbogen-Initiative angeschlossen, die ihre Offenheit gegenüber Schwulen und Lesben betont. „Noch nie wurde so breit und so offen diskutiert und gestritten“, stellte Arnold klar, für Resignation gebe es daher keinen Grund. Sie sprach von Hoffnung, von einem „Perspektivwechsel“ (CSD-Motto 2017) an der Basis und bat Betroffene, sich gerade jetzt nicht von der Kirche abzuwenden, sondern stattdessen einzutreten und sich zu zeigen. „Aus Gottes Perspektive gibt es keinen Ausschluss und keine Diskriminierung.“

Abgeordnete will für Normalität werben

Mit frenetischem Applaus und einer herzlichen Umarmung von Christoph Michl, dem Geschäftsführer der IG CSD Stuttgart, wurde „die richtige Frau zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle“ verabschiedet. Als neue Schirmherrin für die CSD-Kulturtage, die vom 13. bis zum 29. Juli stattfinden werden, wurde die FDP-Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny vorgestellt. Auch die ist eine, die etwas durchkämpfen kann, wurde sie doch 2009 als erste Abgeordnete mit Baby im Plenarsaal bundesweit bekannt. Tatsächlich überzeugte die Juristin aus Leinfelden-Echterdingen auch am Samstag schnell mit ebenso launigen wie markigen Worten. Sie habe die Schirmherrschaft nicht übernommen, um ihr „Parteiprogramm herunterzubeten“, sondern um die Anliegen der Community in die Politik hineinzutragen und für Normalität zu werben. Es gehe ebenso um die Erweiterung des Artikels 3 des Grundgesetzes, um die Stärkung von Regenbogen-Familien wie um die vollständige Rehabilitierung jener, die unter dem früheren Paragrafen 175 des Strafgesetzbuchs gelitten hatten, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe gestellt hatte. Und ums Flaggezeigen im Parlament, „Es wächst etwas, was kein Mensch mit Anstand in Deutschland wieder haben will“, betonte Skudelny.

Errungenschaften sollen verstetigt werden

Das Motto des CSD 2018 lautet „Expedition Wir“. Ausdrücken will man laut Michl damit zum einen, dass „nach der Ehe-Öffnung noch lange nicht das Ende der Reise“ erreicht ist. Ächtung und Repressionen seien weltweit nach wie vor an der Tagesordnung, auch in Deutschland würden wieder mehr Übergriffe registriert. Gleichzeitig soll „Expedition Wir“ ausdrücken, dass eine Gegenbewegung als Geist schon greifbar ist, und als Einladung mitzugehen wirken. Michl: „Es geht nicht um die Weltherrschaft, sondern um Normalität. Es geht um die Verstetigung von lange, lange erkämpften Errungenschaften und die konsequente Weiterführung.“

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