Mia Hofmann erblickt um 0.37 Uhr im Robert-Bosch-Krankenhaus das Licht der Welt. An diesem Neujahrstag folgen noch weitere Geburten – mit einer Besonderheit.
Stuttgart - Im Jahr 2020 lief vieles anders als geplant – auch die Geburt von Katharina Hofmanns Tochter. Der Entbindungstermin ist für Silvester festgesetzt. Die 34-Jährige meldet sich an diesem Tag im Robert-Bosch-Krankenhaus und klagt über Schnupfen. Der daraufhin durchgeführte Corona-Schnelltest fällt positiv aus. Sie wird isoliert, ihr Ehemann Juri nach Hause in Quarantäne geschickt. Sofort ist klar: Er wird bei der Geburt nicht dabei sein können. Katharina Hofmann hat Angst um ihre noch ungeborene Tochter. Im Mutterleib kann sich das Kind nicht mit Corona infizieren. Daher hoffen alle, dass sich die Kleine noch Zeit lässt. „Das wollte sie aber nicht“, sagt Hofmann. Um 0.37 Uhr an Neujahr kommt Mia zur Welt.
51 Zentimeter groß und 3660 Gramm schwer ist das erste Kind, das im Jahr 2021 in Stuttgart geboren wird. Mutter und Kind sind unter den gegebenen Umständen wohlauf. Die kleine Mia wurde bereits auf Corona getestet. Katharina Hofmanns zweiter Test, der ein genaueres Ergebnis liefert, steht noch aus. Auch die Schwangerschaft stand im Zeichen von Corona. Weil Katharina Hofmann bis zur 30. Schwangerschaftswoche unter starker Übelkeit litt, war das Tragen der Schutzmaske unangenehm. Besonders die teils langen Wartezeiten beim Arzt machten ihr damit zu schaffen.
Mias Brüder freuen sich
Doch die Strapazen sind seit dem 1. Januar 2021 um 0.37 Uhr vergessen. „Jetzt wird eben viel telefoniert“, sagt Katharina Hofmann. Zum Glück geht das auch per Video. Besonders nutzen werden diese Möglichkeit Mias Brüder. Die beiden sind drei und sechs Jahre alt und freuen sich riesig über die Geburt ihrer kleinen Schwester.
Auch die anderen Stuttgarter Kliniken melden erfreuliche Nachrichten in Sachen Nachwuchs. Um kurz vor 7 Uhr kommt in der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart per Kaiserschnitt Sophie Rea Baltes zur Welt. Eigentlich war eine natürliche Geburt geplant, aber ihre Mutter Daphne litt unter starken Wehen und der Herzschlag der Kleinen war zu niedrig.
Für die 40-Jährige ist es das erste Kind. Sie lebt seit fünf Jahren in Deutschland und arbeitet in Stuttgart als Landschaftsarchitektin. „Leider kann meine Familie aus Taiwan momentan nicht herkommen, um die Kleine zu sehen“, sagt Baltes. Voraussichtlich bleibt sie mit Sophie Rea, die 3125 Gramm schwer und 51 Zentimeter groß ist, noch drei Tage im städtischen Krankenhaus.
Babyboom in der St.-Anna-Klinik
Das Neujahrsbaby in der St.-Anna-Klinik in Bad Cannstatt ist ebenfalls ein Mädchen. Um 10.37 Uhr wird Dila Yasin geboren. Sie wiegt 3730 Gramm und ist 52 Zentimeter groß. Vater Mecnun Yasin darf seiner Frau Elif bei der Geburt zur Seite stehen, nachdem er einen Corona-Test gemacht hat. Die Hebammen in der St.-Anna-Klinik spüren zum Glück nicht nur die negativen Seiten der Epidemie wie das häufige Testen, das einen höheren Arbeitsaufwand bedeutet. „Wir sprechen mittlerweile durchaus von einem Babyboom“, sagt Hebamme Hannelore „Hanni“ Schaarschmidt.
Im Jahr 2020 verzeichnete die Klinik rund 100 Geburten mehr als im Vorjahr. 1024 Geburten sind es genau. Die vielen Anmeldungen für anstehende Entbindungen versprechen auch für 2021 einen hohen Kindersegen.
Zoe Lina Golowanow ist seit dem Neujahrstag um 12.08 Uhr der ganze Stolz ihrer Mutter Nadine. Das vierte Neujahrsbaby im Bunde wiegt 51 Zentimeter und ist 3455 Gramm schwer. Ihre Mutter berichtet von einer anstrengenden Geburt im Marienhospital. Dabei verlief ihre Schwangerschaft entspannt. „Ich wurde früh von der Arbeit freigestellt und hatte genug Zeit, mich auf alles vorzubereiten“, sagt die 27-Jährige. Für ihren Mann und sie ist es das erste Kind. Sie hoffen, dass Zoe Lina „Corona-frei aufwachsen kann“.