Mit viel Geduld führt Egon Meyer aus Neuhausen ältere Menschen in die digitale Gesundheitsvorsorge ein. In Ostfildern bietet der Gesundheitsbotschafter drei Workshops ab.
Gesundheit ist für Egon Meyer ein zentrales Thema. Deshalb hält sich der 65-jährige selbst fit. Radfahren macht ihm Spaß. Ebenso wichtig aber ist es ihm, Seniorinnen und Senioren fit zu machen für den Umgang mit der E-Medizin. Deshalb bietet er ab Dienstag, 17. September, im Bürgertreff im Scharnhauser Park Workshops an, in denen ältere Menschen den Umgang mit E-Rezepten und Telemedizin lernen. Das soll möglichst „barrierefrei“ sein, sagt der Kursleiter.
„Gerade beim Umgang mit digitalen Medien in der Medizin dürfen wir die älteren Menschen nicht abhängen“, sagt der IT-Experte. Im Berufsleben hat er sich mit Computertechnik beschäftigt. Im Ruhestand will er sein Wissen nun weitergeben. Für die kommunale Altenhilfe in Ostfildern bietet er die niederschwelligen Kurse an. Eine gemeinsame Sprache mit den Teilnehmern zu finden, das fällt dem Experten leicht. Bevor der erste Workshop an diesem Dienstag beginnt, radelt Meyer mit dem Pedelec zwischen Bremen und Bremerhaven durch Norddeutschland. Ein Höhepunkt seiner Tour sei in Niedersachsen der Weserstein in Hann. Münden gewesen, sagt der begeisterte Radfahrer. Auf dem Pedelec könne man die Natur viel entspannter entdecken als mit dem Auto. Und man bleibe länger gesund und leistungsfähig, ist er überzeugt.
Beim Schwäbischen Albverein in Neuhausen veranstaltet er nicht nur Radtouren. Er hat auch das Sicherheitstraining der Kreisverkehrswacht und der Polizei für ältere Pedelec-Fahrer in die Fildergemeinde geholt. „So lassen sich viele Unfälle vermeiden“, sagt Meyer. Dass sich auch die Seniorinnen und Senioren trauen, bis ins hohe Alter aufs Rad zu steigen, findet er wichtig. Da will er Vorbild sein. Wenn er von seinen Abenteuern auf dem Fahrrad schwärmt, strahlt er. „Man kann auch im hohen Alter viel Spaß haben“, findet der Freizeitsportler, der seit Kurzem selbst in Rente ist. Allerdings müsse da die Gesundheit mitspielen: „Das hat man letztlich aber selbst in der Hand.“ Neben Sport und gesunder Ernährung siedelt er da auch die geistige Fitness hoch an.
Offen sein für den digitalen Wandel
Dazu gehört es für Meyer auch, sich dem digitalen Wandel nicht zu verschließen. Immer wieder habe er in den vergangenen Jahren erlebt, „dass sich ältere Menschen im Umgang mit digitalen Medien schwer tun“. Sie fühlten sich vom rasanten Wandel schlicht überfahren. „Und nicht jede und jeder hat Familienmitglieder, die da helfen und einspringen.“ Das fängt schon mit dem E-Rezept an. Da will der Computerexperte Brücken bauen. Um einen besseren Draht zu den Seniorinnen und Senioren zu finden, hat er sich beim baden-württembergischen Landesmedienzentrum (LMZ) als Gesundheitsbotschafter fortbilden lassen. „Sie sollen die Chancen der Digitalisierung von Medizin und Pflege für andere ältere Menschen verständlich machen, Berührungsängste nehmen und eine Teilhabemöglichkeit schaffen“, schreibt das LMZ auf seiner Homepage. Mit seiner einfühlsamen, unkomplizierten Art schafft es Meyer leicht, gerade Älteren die Angst vor der Digitalisierung zu nehmen.
Teilnehmer sollen ins Gespräch kommen
Telemedizin, digitale Gesundheitsrecherche und der Umgang mit der elektronischen Patientenakte sind Themen, die der Gesundheitsbotschafter in den drei Workshops im Bürgertreff im Scharnhauser Park anpacken möchte. „Viele wissen auch nicht, dass es digitale Gesundheitsanwendungen gibt“, sagt der Experte. Das sind sogenannte Apps auf Rezept, die zum Beispiel bei Diabetes, kardiologischen Problemen oder Ernährungsproblemen helfen. Da möchte Meyer „Türöffner“ sein. In den Workshops am 17. September, 22. Oktober und 19. November will er mit den Seniorinnen und Senioren „ganz ohne Druck“ ausprobieren, wie sie sich die Digitalisierung des Gesundheitswesens zunutze machen können. Wichtig ist dem Leiter der Workshops auch, „dass sich die Menschen austauschen und miteinander ins Gespräch kommen.“
Das Angebot ist ein weiterer Baustein im Programm der Kommunalen Altenhilfe in Ostfildern. Der Arbeitskreis Pflege wurde im vergangenen Jahr vom Land Baden-Württemberg erneut für seine vorbildliche Pflegekampagne ausgezeichnet. Die Expertinnen der Stadt haben schon viele Projekte angestoßen. Barbara Mächtle-Braun, die Leiterin der Tagespflege, weiß aus Gesprächen mit Seniorinnen und Senioren in der Stadt, „wie wichtig es ist, den Anschluss an die digitalen Möglichkeiten nicht zu verpassen“. Daher ist sie froh, mit Egon Meyer einen Gesundheitsbotschafter im Boot zu haben, „der das auf Augenhöhe vermitteln kann“.
Die Workshops können unabhängig voneinander besucht werden und finden jeweils von 16 bis 17.30 Uhr im Bürgertreff im Scharnhauser Park statt. Anmeldung per E-Mail an vanessa.heck@gdv-ostfildern.de oder unter Telefon 01 57/3076 51 52.
Die Workshops für Senioren im Überblick
Grundlagen
Der erste Workshop am 17. September richtet sich an alle, die mehr über die Grundlagen der digitalen Gesundheitsversorgung erfahren möchten. Neben der Gesundheitskarte und Notfalldaten werden die erweiterten Möglichkeiten des E-Rezeptes thematisiert. Egon Meyer geht auch auf digitale Gesundheitsanwendungen (Diga) ein.
Telemedizin
Am Dienstag, 22. Oktober, steht die Telemedizin im Mittelpunkt. Dieser Workshop bietet einen Einblick in die noch wenig genutzten Möglichkeiten, medizinische Hilfe schneller und einfacher in Anspruch zu nehmen. Die Teilnehmenden erfahren, wie sie von zuhause aus Arzt- und Untersuchungstermine vereinbaren und durchführen können.
Elektronische Patientenakte
Der dritte und letzte Workshop am Dienstag, 19. November, widmet sich der bald verpflichtenden elektronischen Patientenakte (Epa). Egon Meyer wird den Stand der Einführung erläutern und Hinweise zur Nutzung der Epa geben. Mit der provokanten Frage „Machen Google und Co. krank?“ wird er Tipps für die Gesundheitsrecherche im Internet teilen.