Die Ermittlungen der Kriminalpolizei zum Ablauf des Vorfalls und zu möglichen Motiven dauern derzeit an (Symbolbild). Foto: dpa/Patrick Seeger

In Neuffen (Kreis Esslingen) sind am Montagnachmittag zwei Menschen in ihrem Haus tot aufgefunden worden. Es handelt sich um eine 75-jährige Frau und ihren 67-jährigen Ehemann.

Neuffen - Tragischer Vorfall in Neuffen im Kreis Esslingen: Eine 75 Jahre alte Frau und ihr 67-jähriger Ehemann sind dort am späten Montagnachmittag in ihrem Wohnhaus tot aufgefunden worden. Wie die Polizei berichtet, entdeckte ein Bekannter des Ehepaars die beiden gegen 17.30 Uhr in den Wohnräumen.

Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen geht die Kriminalpolizei davon aus, dass der Ehemann in den vergangenen Tagen offenbar zunächst seine Frau tötete und anschließend Suizid beging.

Hinweise auf die Beteiligung anderer Personen am Geschehenen liegen  nicht vor. Die Ermittlungen sind weitgehend abgeschlossen. 

Ein erweiterter Suizid sei selten, sagt Sina Müller, Psychologin und Geschäftsführerin des Arbeitskreises Leben. Laut einer vom Verein „Arbeitskreis Leben“ veröffentlichten Statistik  ist jeder dritte Mensch, der sich selbst tötet, über 65 Jahre alt. „Ein höheres Alter gehört zu den Risiko­faktoren“, erklärt Müller, die  Menschen in Krisensituationen berät. Der Verein unterhält zwei  Beratungsstellen in Nürtingen und Kirchheim.  „Wir sind  für Menschen in jeder Art von Krisensituationen da“, so Müller. „Wir wollen deutlich machen, dass man über Suizid sprechen soll, dass es kein Tabuthema ist.“

Einem Jahresbericht des Arbeitskreises zufolge nahmen sich  2019 im Landkreis ­Esslingen 52 Menschen das Leben, davon 42 Männer und zehn Frauen. Deutschlandweit sterben laut der Statistik mehr als doppelt so viele Menschen durch Suizid als bei Verkehrsunfällen. Die Be­ratungsstellen bieten Hilfe an. „Wir wollen das Thema enttabuisieren, damit Menschen spüren, wenn sie in so einer ­Lage sind, dass es Hilfe gibt, dass es Menschen gibt, die sie unterstützen wollen“, sagt die Psychologin. Oft läuft es so ab: Nach einem Telefongespräch gebe es ­zeitnah ein persönliches Beratungsgespräch. „Wir wollen es unkompliziert gestalten, bei uns gibt es sehr zügig einen Termin“, so Müller. 


Der Arbeitskreis Leben ist unter der folgenden Telefonnummer und E-Mail-Adresse erreichbar: Beratungsstelle Nür­tingen: 0 70 22/192­ 98, akl-nuertingen@ak-leben.de; Beratungsstelle Kirchheim: 0 70 21/7 50­ 02, akl-kirchheim@ak-leben.de

Hilfe bei Suizid-Gedanken:

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit Hilfsangeboten findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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