Die Pläne für die Neubebauung des Oberaicher Gebiets Bergäcker erregen die Gemüter. Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Wie geht es jetzt weiter?
Hämisches Lachen, Unmutsbekundungen und Applaus für kritische Worte gab es im jüngsten Technischen Ausschuss der Stadt Leinfelden-Echterdingen. Rund 30 Zuhörer waren gekommen, um sich die Präsentation der Pläne für die Zukunft des Gebiets Bergäcker am Rande von Oberaichen anzuhören. Die Liste der Kritikpunkte ist lang. Der Alternativentwurf der Bürgerinitiative soll in den kommenden Monaten von einer Jury näher betrachtet werden. Noch vor der Sommerpause soll es einen Realisierungscheck geben.
Von vielen Anwohnern wird bei jenem Entwurf, der aus einem städtischen Wettbewerb als Siegerentwurf hervorging, vor allem eine Zunahme des Verkehrs befürchtet. Mehr fahrende oder parkende Autos könnten die kleinen Wohnstraßen, etwa die Hans-Holbein- und die Eichendorffstraße, kaum verkraften, befürchten sie. Die Sorgen der Nachbarschaft, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengefunden hat, ist der Stadtverwaltung nicht entgangen. Der stellvertretende Planungsamtsleiter Benjamin Irschik gab zu, dass sich der Verkehr durch das Neubaugebiet verdoppeln könnte. Ein Verkehrsgutachten habe aber ergeben, dass die prognostizierte Verkehrszunahme verkraftbar sei.
Mehr Autos in Oberaichen: Bis zu 379 Fahrten in 24 Stunden
Laut dem Gutachten gehe es um 322 bis 379 Fahrten mehr in 24 Stunden, erklärte Irschik. Damit könnten die Fahrten auf 674 pro Tag ansteigen. Allerdings verkrafte beispielsweise die Hans-Holbein-Straße theoretisch bis zu 1500 Fahrten pro Tag, sagte Irschik. In den Spitzenstunden, wenn die Menschen morgens zur Arbeit fahren und wenn sie abends wieder nach Hause kommen, könnten laut dem Gutachten nach der Aufsiedelung des Neubaugebiets 67 Autos in der Hans-Holbein-Straße fahren.
Ein weiterer Kritikpunkt aus den Reihen der Bürgerinitiative ist ein geplantes Parkhaus mit einer noch unbestimmten Anzahl an Stellplätzen mitten im Wohngebiet. Die Idee dahinter erläuterte die Architektin Miriam Stümpfl. Das neue Wohngebiet solle „autoarm“ sein. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge der Anwohner nicht vor den Häusern, sondern im Parkhaus abgestellt werden. Zum Be- und Entladen könne aber an die neuen Häuser herangefahren werden. Auch Feuerwehr und Notarzt können mit ihren Autos bis vor die neuen Häuser gelangen. Darüber hinaus sollen die neuen Wohnungen aber möglichst vom rollenden und stehenden Verkehr verschont bleiben.
In anderen Neubaugebieten gibt es große Tiefgaragen. Darauf wurde aus mehreren Gründen verzichtet. Einerseits ist für das Parkhaus kein massiver Eingriff in den Hang notwendig. Das Parkhaus ist damit günstiger. Ein weiterer Vorteil ist laut Planern, dass das Parkhaus im Gegensatz zur Tiefgarage umgenutzt oder gar zurückgebaut werden kann, sollten einmal weniger Stellplätze nötig sein.
Parken in Oberaichen: Was passiert mit den Anwohnerfahrzeugen
Nicht gelöst ist die Frage, was mit jenen Anwohnerfahrzeugen passiert, die keinen Platz im Parkhaus haben. Dass alle neuen Anwohner ihre Wagen im Parkhaus abstellen werden, dahinter machen viele Nachbarn ein großes Fragezeichen. Derzeit wird mit einem Parkplatzschlüssel von einem Parkplatz pro Wohneinheit gerechnet. Doch in den bestehenden Wohnstraßen ist der Parkdruck bereits heute hoch. Ein neues Wohngebiet nahezu ohne öffentliche Parkplätze könnte die Parksituation in den bestehenden Straßen verschärfen.
Die Bürgerinitiative hat bereits früh Kritik am Siegerentwurf der Stadt geübt und einen weiteren Vorschlag für die Bebauung erarbeitet. Die Bebauung der Felder solle nicht verhindert werden, betont die Bürgerinitiative. Doch statt des Siegerentwurfs würden sie sich eine Fortführung der bestehenden Bebauung wünschen. Ein wichtiger Aspekt des Alternativvorschlags ist es, die Hans-Holbein-Straße und die Carl-Spitzweg-Straße zu verlängern und den Verkehr bis ans Ende des Gebiets durchfahren zu lassen. Parkplätze sollen den Anwohner vor ihren Häusern angeboten werden.
Bis zu 160 neue Wohnungen
Streuobst
Insgesamt sollen die neuen Häuser, Straßen, Wege und das Parkhaus auf einer Fläche von rund zwei Hektar gebaut werden. Rund 400 Quadratmeter des Gebiets gehören zu einer geschützten Streuobstwiese. Die Stadtverwaltung hofft aber, dass die Streuobstwiese nicht erhalten werden muss.
Wohnungen
Wie viele Wohnungen einmal tatsächlich gebaut werden, ist noch ungewiss und davon abhängig, ob weniger und dafür größere oder mehr und dafür kleinere Wohnungen gebaut werden sollen. Die Spannbreite liegt ganz grob zwischen 96 und 160 Wohneinheiten. Die Hoffnung der Planer ist es, dass viele Menschen in dem Neubaugebiet den ÖPNV oder ein Car-Sharing-Angebot nutzen und deswegen zurückhaltend mit privaten und öffentlichen Parkplätzen kalkuliert werden kann.