Braumeister Gustavo Tresselt (v. l.) sowie Tina Gatty und Werner Dinkelaker von der Geschäftsleitung testen das neue Bier. Foto: Stolte

Die Schönbuch Braumanufaktur hat am Dienstag eine neue Biersorte auf den Markt gebracht. Das Jäger-Bier gib es jetzt auch ohne Alkohol.

Bis zuletzt hatten Tina Gatty und Werner Dinkelaker von der Schönbuch Braumanufaktur die Spannung hochgehalten. Eine neue Biersorte hatten sie angekündigt, am Dienstagabend wurde sie präsentiert. Man wollte eigentlich im Lagerkeller feiern, aber der Andrang war dermaßen groß gewesen, dass die Geschäftsleitung in den Partyraum der Brauerei umstieg. Denn es waren mehr als 100 Gäste aus Gastronomie und Getränkehandel gekommen, die bei der Geburtsstunde des neuen Bieres dabei sein wollten.

 

Zuvor gab es das Bier zu kosten, nur war auf den Flaschen kein Etikett, nur der Geschmack sollte überzeugen. Die 0,3-Flasche lag gut in der Hand, aber die meisten Gäste waren mit dem Konsum zu der Zeit noch zurückhaltend, denn viele der Kunden von Stuttgart bis Kirchheim/Teck waren mit dem Auto gekommen. Sie hätten sich die Vorsicht sparen können. Gegen 20 Uhr zogen Tina Gatty und Werner Dinkelaker die Vorhänge weg, und die neue Marke kam zum Vorschein: Jäger alkoholfrei heißt das neue Bier. Kleine Flasche mit hellblauem Etikett, die exakte Komplementärfarbe zum bereits bekannten Jäger Spezial mit seinem kultigen orangenen Design. „Jäger bleifrei“ könnte man sagen.

Trend geht zum alkoholfreien Bier

Das war ungefähr der Zeitpunkt, als die meisten Anwesenden zum nächsten alkoholfreien Bier griffen. Die neue Marke spiegelt einen Trend, der seit einigen Jahren spürbar ist. Während die Bierproduktion in Deutschland in den letzten zehn Jahren insgesamt um 14 Prozent zurückgegangen ist, hat sich die Menge an alkoholfreiem Bier im selben Zeitraum verdoppelt.

Der Braumeister Gustavo Tresselt war es, der diesen Trend in der Produktpalette von Schönbuch besser abbilden wollte. Zumal die Brauerei mit ihrem alkoholfreien Hefeweizen gute Zahlen schreibt und die Kultmarke Jäger Spezial inzwischen wesentlich zum Umsatz beiträgt.

Die Geschäftsleitung stellt sich hinter das Produkt

Zunächst habe die Geschäftsleitung wenig davon wissen wollen, berichtete Tresselt. Doch wenn die Geschäftsleitung stur war, dann konnte er es auch sein. Er warf die Versuchsanlage an und begann zu experimentieren. Mit sieben Prozent Stammwürze und einer ausgewogenen Hopfengabe hatte er nach einigen Versuchen den richtigen Geschmack gefunden. Das fand dann auch die Geschäftsleitung, die sich sofort begeistert hinter das Produkt stellte. „Seit August tüftelten wir an dem Etikett herum“, berichtete die Geschäftsführerin Tina Gatty, „ich fürchte, wir haben unsere Grafiker beinahe in den Wahnsinn getrieben“. Doch bei einem guten Schluck haben sich dann alle wieder zusammen gefunden und eine Farbe gewählt, die exakt auf die Urmarke Jäger Spezial abgestimmt ist.

Der Brauereichef Werner Dinkelaker hatte vor einigen Jahren die Marke Jäger Spezial kreieren helfen, die wiederum eine ganz eigene Geschichte hat. Bei der Renovierung des Böblinger Bären-Kinos war eine Flasche Schönbuch-Bräu aus den sechziger Jahren zutage gekommen. Weil man sich kennt in Böblingen, hat sie der Besitzer des Bärenkinos dem Brauereichef vorbei gebracht, und der hatte die Flasche erst mal auf den Schreibtisch gestellt. Werner fragte seinen Vater nach dem Bier aus seinem Geburtsjahrzehnt und der erklärte lachend, das sei ein Bier ohne Ecken und Kanten gewesen, das die Verwaltung zum Vesper getrunken habe.

Und weil das Büro einer mittelständischen Familienbrauerei am allerwenigsten Sitzplatz des Brauereichefs ist, sondern hauptsächlich Spielplatz für die Kinder, Tummelplatz für die Kunden und Nachrichtenbörse für die Mitarbeiter, kamen alle, um die historische Flasche zu bestaunen mit ihrem leuchtend orangenen Etikett und dem minimalistischen Werbespruch: „Ein vortreffliches Bier“.

Nachdem alle die historische Flasche für supercool erklärten, beschloss die Geschäftsleitung, das Jäger Spezial wieder aufleben zulassen. Es lief vortrefflich – und nachdem die Arco Brauerei mit ihrer 0,3- Liter-Euroflasche sensationelle Erfolge erzielt hatte, bekam Jäger Spezial zur halben Literflasche auch einen 0,3-Zwilling.

Getränk hat wenig Zucker

Nun hat der Zwilling also auch noch einen Komplementär. Im Grunde gibt es zwei Arten, alkoholfreies Bier herzustellen. Man stoppt die Gärung und lässt den Alkohol erst gar nicht entstehen, oder man zieht den Alkohol nachträglich heraus. Letzteres Verfahren benutzt die Schönbuch-Brauerei, was den Vorteil hat, dass im Getränk nicht so viel Zucker enthalten ist.

Doch technische Details sind nicht alles. Wenig später erklärte Werner Dinkelaker die Party und das Büffet für eröffnet und die Band Super-Smacz begann, mit Gitarre und Akkordeon prächtige Cover-Hits zu spielen. Das war ungefähr der Zeitpunkt, als der eine oder andere Anwesende zum normalen Jäger Spezial griff. Nur zum Vergleich natürlich.

Bier aus Böblingen

Schönbuchbräu
 Die Brauerei in Böblingen ist mit mehr als 200 Jahren nicht nur das älteste Unternehmen in der Stadt, sie ist auch immer noch in Familienbesitz. Der Brauereichef Werner Dinkelaker ist sehr, sehr weitläufig verwandt mit der Stuttgarter Dinkelacker-Dynastie, die sich allerdings mit „c“ schreibt.

Produkte
 Die Manufaktur stellt unter anderem das „Jäger Spezial“ her, das Pilsner Bier „Helles Ur-Edel“, das Lagerbier „Horst Hell“, das Naturpark Radler, Weizenbier und das Craftbeer „Lucky Experience.“