Die Ludwigsburger Klinik muss immer wieder saniert werden – lohnt sich das auf Dauer? Foto: Werner Kuhnle

Die Regionale Kliniken Holding (RKH) prüft die Möglichkeit eines zentralen Krankenhauses im Kreis Ludwigsburg. Matthias Knecht und weitere Lokalpolitiker können und wollen sich das noch nicht vorstellen.

Zwar stecken die Überlegung noch in den Kinderschuhen, dennoch könnte die aktuelle Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Regionalen Kliniken Holding (RKH) der Beginn eines riesigen Reformprozesses der Gesundheitsversorgung im Kreis Ludwigsburg sein. Die zentrale Idee: Ein neues Krankenhaus im Landkreis, das die beiden Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim ersetzen könnte.

 

Oberbürgermeister Matthias Knecht ist skeptisch und kündigt an, für ein Krankenhaus auf Ludwigsburger Gemarkung zu kämpfen. Auch weitere Lokalpolitiker äußern Zweifel an einer Zukunft mit einem Klinik-Neubau. Die Kosten wären riesig, die Auswahl an Standort-Optionen ist klein.

„Da braucht man eigentlich gar nicht diskutieren“

Die Klinik habe eine herausragende Bedeutung für die Stadt, sagt Matthias Knecht zu Beginn des Gesprächs mit dieser Zeitung: „Als Einrichtung der Gesundheitsversorgung und als Arbeitgeberin.“ Er habe Verständnis, dass die RKH-Führung langfristig plant und untersucht, wie die Kliniken rentabel werden können. Knecht will laut eigener Aussage offen für diesen Prozess sein, dennoch habe er skeptisch reagiert, als er von den Plänen der RKH-Leitung hörte. Für ihn steht fest, dass es in Ludwigsburg ein Krankenhaus braucht.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Stadt mit fast 95 000 Einwohnern keine eigene Klinik hat – da braucht man eigentlich gar nicht zu diskutieren.“ Ähnliche Töne schlug Bietigheim-Bissingens Oberbürgermeister Jürgen Kessing Anfang des Jahres an: „Wir haben ein Krankenhaus, und das trägt uns auch niemand so schnell weg.“

Beide betonen in Gesprächen mehrfach, dass sie eine ergebnisoffene und transparente Prüfung aller Optionen fordern – also auch der altbewährte Option mit zwei Krankenhäusern. Vielleicht finde sich durch die Machbarkeitsstudie sogar ein Weg, die bestehende Struktur wirtschaftlicher zu machen, gibt sich Knecht hoffnungsvoll.

Der OB verweist auf das Geld und die Anstrengungen, die in den vergangenen Jahren in das Ludwigsburger Krankenhaus geflossen sind. Sechs Millionen Euro für die hochpreisige „Wahlleistungsstation“, fünf Millionen Euro für die Station mit Allgemein- und Viszeralchirurgie und noch einmal fünf Millionen für die Kinderstation. Zudem ein Rahmenplan für eine Weiterentwicklung des Klinikstandortes. Diese Fortschritte sollte die RKH bei ihrer Entscheidung einbeziehen.

Es wird deutlich: Ludwigsburg und Bietigheim wollen ihre eigene Klinik und kein Hauen und Stechen um einen Neubau-Standort.

Lokalpolitiker sind skeptisch

Neben Matthias Knecht und Jürgen Kessing positionieren sich auch einige Lokalpolitiker. Ein Neubau könnte rund 1,5 Milliarden Euro kosten, „ob sich das wirklich lohnt“, bezweifelt der Ludwigsburger SPD-Gemeinderat Daniel O’Sullivan. Ähnlich sieht das der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Florian Sorg: „Mit der Flächenknappheit im Kreis und den Baupreisen sehe ich das Projekt in einem Land der Visionen.“ Er könne sich den Wegfall der Bietigheimer Klinik aktuell nicht vorstellen, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Tayfun Tok. Grund seien die längeren Fahrtzeiten und die vorbildliche Geburtenstation.

Klaus Herrmann, der CDU-Fraktionsvorsitzender im Ludwigsburger Gemeinderat und im Kreistag, will die Machbarkeitsstudie abwarten. Falls sich die Idee Neubau konkretisiere, müsste der Standort gut erreichbar sei. So sieht das auch Claus-Dieter Meyer, CDU-Rat und Mitglied des RKH-Aufsichtsrates. Falls es soweit kommt, sei die Anbindung, auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wichtig – Patienten, Angehörige und Mitarbeiter stehen dabei im Fokus.

Doch welche Standorte würden überhaupt in Frage kommen? Laut mehreren Quellen gibt es im Ludwigsburger Süden gleich zwei Optionen. Zum einen könnte rund um den neuen W&W-Hauptsitz eine Fläche gefunden werden, zum anderen auf der Karlshöhe südlich der evangelischen Hochschule. In beiden Fällen würde es wohl Kritik wegen der ungünstigen Lage hageln. Der Neubau würde näher zu den Stuttgarter Kliniken liegen, ein Großteil der Kreisbewohner hätte zudem eine weitere Anfahrt.

Schanzacker ist auch ein Thema

Deutlich zentraler wäre das zweite mögliche Gebiet für einen Neubau: Der B 27-Abschnitt zwischen Ludwigsburg und Bietigheim, beispielsweise rund um das Tammer Feld. Die verkehrliche Anbindung wäre optimal, öffentliche Verbindungen bereits vorhanden. Hier stünde jedoch wohl der Platzmangel im Weg. Einige Projekte scheiterten bereits daran, auf dem beliebten Korridor ein Fleckchen zu finden. Auch der bereits umstrittene Schanzacker soll auf der Liste der möglichen Standorte stehen.

„Ich sehe das aktuell noch nicht“, sagt Matthias Knecht abschließend. Ludwigsburg und Bietigheim hätten großes Interesse, ihre Standorte zu halten. „Eine Neubau-Lösung müsste wirklich für alle überzeugend sein.“