Harry (Frank Habeck), Anna von Reich (Michaela Schubert), Kevin (Jeremias Mayer) Foto: Abelein

Um das turbulente Leben in einem Mehrgenerationenhaus geht es im neuen Stück des Theaters in der Baracke (TiB) in Böblingen ab dem 16. Januar.

Anna von Reich ist Besitzerin der Villa Waldburg und an sich eine lebenslustige Person, wenn auch etwas schwerhörig. Die Behörden würden sie aber gern im Altersheim sehen, und um diesem Schicksal zu entgehen, nimmt Anna Obdachsuchende bei sich auf. Und nun müssen sich mehrere nicht immer einfache Charaktere auf gemeinsame Regeln des Zusammenlebens einigen. Dass das bald zu Problemen führt, ist klar, zumal auch noch die Dame vom Ordnungsamt (Claudia Neugebauer: hinterlistig) Intrigen spinnt, die sich gerne das Grundstück unter den Nagel reißen würde.

 

Wieder junge Schauspieler mit dabei

Die Vorlage für die Inszenierung des Theaters in der Baracke stammt von Brigitte Wiese und Patrick Siebler. Es ist eine oft gespielte Komödie, die zum Teil in Bezug auf die Geschlechter flexibel ist und unterschiedliche Generationen vereint – ideal für das Theater in der Baracke, das neben älteren Mitspielerinnen und -spielern nun auch wieder zwei junge Ensemble-Mitglieder an Bord hat: Jeremias Mayer und Jasmin Altrichter. Als Kulisse für das soziale Experiment des Mehrgenerationenhauses haben die Akteurinnen und Akteure liebevoll ein Oma-Wohnzimmer mit altmodischen Stühlen, Fransenlampen und Blümchenvorhängen zusammengestellt. Das Stück enthält die eine oder andere „Anspielung auf Böblingen“, so Frank Schubert vom TiB.

Die Rolle der resoluten Anna spielt Michaela Schubert. In ihr Haus zieht das traditionelle Ehepaar Mayer mit einer unterdrückten Ehefrau (Sabine Gerritsen: verhuscht und unterwürfig) und ihrem Gatten ein (Frank Clarius: so herrisch wie putzfaul), das aufgrund eines Wasserschadens nicht in ihrem Haus bleiben kann. Die beiden bringen außerdem einen italienischen Monteur mit (Jörg Hundsdörfer), der den Wasserschaden reparieren soll und sich dann auch tatkräftig in die Beziehung der beiden einmischt. Ferner gibt es eine frisch getrennte Ökotante (Dominique Herschberger), die auf biologisch-dynamisches Essen schwört. Und dann sind da noch zwei Problemkandidaten, nämlich der alkoholsüchtige Obdachlose Harry (Frank Habeck) und der antriebslose Teenager Kevin (Jeremias Mayer: dauernd am Zocken). Diese zwei Vögel wurden Anna von Reich von der Dame des Ordnungsamts ins Nest gesetzt, die das Projekt scheitern sehen will, während sich die Bürgermeisterin (Hülya Yurttas: machtbewusst) mit Hilfe des Projekts bei der Wahl profilieren will. Die unterschiedlichen Charaktere zusammenhalten soll der Sozialarbeiter Lars Laber (Frank Schubert: alternativ), der eigentlich selbst etwas hilfsbedürftig wirkt. Neben ihnen kreuzen noch eine Journalistin (Jasmin Altrichter) und Kevins Mutter (Claudia Neugebauer: überfürsorglich und überfordert) in der WG auf.

Das Stück kennt keine Hauptrolle

Nach kurzer Zeit versinkt die Wohngemeinschaft im Chaos – mit Müll auf dem Boden, unklarer Ernährungslage und Putzplan und Zoff zwischen den Bewohnern. Bekommt das Ordnungsamt die Lage in den Griff (und wenn ja, in was für einen)? Gelingt es Lars Laber, Einigkeit zwischen den unterschiedlichen Gemütern zu stiften? Oder reißen sich am Ende gar alle selbst am Riemen? Wer bleibt, wer geht? Verraten sei schon einmal, was das Ensemble und die Regisseurin Sabine Gerritsen am Stück gereizt haben: „Jede Figur entwickelt sich weiter, das ist das Schöne.“ Auch dass „es keine Hauptrolle gibt“ sprach für das Stück.

Premiere ist am 16.1. um 20 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am 17., 18., 23., 24., 25., 30. und 31. Januar und am 1. Februar. Freitags und samstags startet das Stück ab 20 Uhr, sonntags ab 18 Uhr. Karten gibt es über das Kartentelefon (0 70 31 / 27 78 01) oder über E-Mail (tib-theater@t-online.de).