Sophia Bauer (links) und Steffen Lehmitz tauchen in außerirdischen Sphären ein. Foto: WLB/T. Metz

Die Junge WLB Esslingen spielt Cornelia Funkes „Das Monster vom blauen Planeten“. Das Stück eignet sich für Kinder im Alter ab fünf Jahren. Bei der Premiere blieb der Spannungsbogen indes noch nicht durchweg straff.

Die Sonne ist ein gelber Sitzball, der Mars landet als Clownsnase im Gesicht, Pluto ist ein Hörncheneis und die Erde eine blaue Murmel. Und der Hula-Hoop-Reifen? Gehört natürlich Saturn. Mit witzigen Requisiten wird in dem neuen Kinderstück der Jungen WLB in Esslingen nicht gegeizt. Gespielt wird – als Zwei-Personenstück – Cornelia Funkes Kindererzählung „Das Monster vom blauen Planeten“.

 

Spielerische Erklärung des Sonnensystems

Weil das Buch kurz und knapp gefasst ist, hat das Team um Laura Tetzlaff – Leiterin der Jungen WLB und Regisseurin der Produktion – eine Rahmenhandlung in Gestalt eines Kinderwissensmagazins drumherum gestrickt. Darin erklären der Forscher X und die Forscherin Y spielerisch unser Sonnensystem. Per hyperaltmodischem Festnetztelefon werden die Planeten sogar in die Show eingeladen, wo sie sich im Rap-Style kurz vorstellen dürfen. Auch die Venus natürlich, die wegen ihrer schwefelgasreichen Atmosphäre fürchterlich „nach Pups stinkt“. „Pups“ ist so ein Wort im Kindertheater, das sofort zündet. Bei jedem „Pups“ wird gekichert.

Und dann ist von einem geheimnisvollen Planeten namens Galabrazolus die Rede. Zeit für Funkes Fantasy Fun. Die kahle, metallische Puppenbühne, die bis dahin vor allem zur Aufhängung all des Requisiten-Krimskrams’ gedient hatte, wird nun zum Cockpit eines Raumschiffs (Ausstattung: Katharina Müller). Die Rakete spuckt das Forscherduo nach einer Zitterpartie auf Galabrazolus aus, wo die beiden in Zeitlupe einen respektablen Schwerelostanz aufführen. Für Funkes Fabel legen sie nun ihre weißen Schutzanzüge ab, schlüpfen in neue Outfits: Sophia Bauer ist – igittigitt – das zweiäugige, zweiarmige, felllose, bleiche Erdenmonster. Steffen Lehmitz trägt nun bläuliche Wollhaut, einen Riesenkopf mit drei Augen und darf drei Arme sein Eigen nennen. Er ist der außerirdische Junge Gobo, der sich zum 200. Geburtstag nichts sehnlicher wünscht als ein Haustier – unter besonderer Bevorzugung eines Monsters vom blauen Planeten. Der Wunsch soll ihm erfüllt werden, das Publikum singt lautstark „Happy Birthday“.

Der Ufo-Flug zur Erde wird zur herben Enttäuschung

Der Ufo-Flug zur Erde wird für Gobo allerdings eine herbe Enttäuschung: Statt Blumen und Wiesen findet er dort bloß „eklig stinkende Blechkäfer und graue Steinwüsten“ vor, und das erwünschte Erdenmonster, das von Gobo nun nach Galabrazolus entführt wird, verhält sich extrem widerspenstig, unfreundlich und versteht kein Wort. Doch Gobos Übersetzungstrichter räumt Sprachprobleme schnell beiseite.

„Das Monster vom blauen Planeten“ ist ein nettes Stück (für Kinder ab 5) zum Thema Toleranz und zur Einsicht, dass auch Monster nur Menschen sind – oder umgekehrt. Allerdings bricht die Story sehr plötzlich ab, wirkt von Funke nicht zu Ende erzählt. Bei der Premiere blieb der Spannungsbogen zudem noch nicht durchweg straff. Etwas mehr Tempo und mehr Spaß an der Übertreibung würden dem 40-Minüter guttun.

Nächste Vorstellungen: 21. Oktober, 12. November, 14. Januar, 10. Februar, 3. März.