Das Neues Schloss. Foto: Entwurf: Milla und Partner

Fraktionen im Gemeinderat nehmen Millas Vorschlag positiv auf – Doch viele sehen Finanzierung als Problem.

Stuttgart - Bei Vertretern des Gemeinderats und der Stadtverwaltung hat der Vorschlag eines Bürgerschlosses ein überwiegend positives Echo gefunden. „Millas Vorschlag ist ein kreativer und witziger Anstoß, mehr aus dem Neuen Schloss zu machen“, sagt Peter Pätzold, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Gemeinderat. So lasse sich der Ehrenhof besser nutzen und der Auftakt von Schlossgarten und Grünem U beim Eckensee besser gestalten. „Gerade der Bereich beim Eckensee ist bisher schlecht genutzt. Ein Café im Erdgeschoss beim Rosengarten würde sich wirklich anbieten. Das Schloss ist bisher doch nur unzugängliche Kulisse für den Schlossplatz.“

Für Alexander Kotz, Fraktionschef der CDU, hat „Herr Milla viele spannende Ideen gesammelt, deren Umsetzung unbestritten eine Bereicherung für die Stadt sein kann“. Er wolle aber als Stadtrat nicht der Landesregierung sagen, was sie mit ihren Gebäuden zu tun hat. „Im umgekehrten Fall will ich das auch nicht.“ Kotz ist gespannt, wie das Land reagiert. „Ein Problem könnte der Denkmalschutz sein.“

Roswitha Blind, Fraktionsvorsitzende der SPD, hält den Vorschlag für „sehr kreativ und interessant“. Es lohne sich, einen anderen Blick auf das Schloss zu werfen. „Das Restaurant Carl Eugen im Ehrenhof wäre sicher eine Bereicherung, und Kutschfahrten wären schöner als parkende Autos im Ehrenhof.“ Allerdings sei die Ideenskizze als Ganzes „schon aus finanziellen Gründen nicht realistisch“. So viele Beamtenarbeitsplätze seien nicht einfach zu verlagern.

Für Landesbeamte allein zu schade

Die Freien Wähler haben laut Fraktionschef Jürgen Zeeb „schon vor vielen Jahren darüber nachgedacht, wie dieses wunderschöne Gebäude anders genutzt werden könnte“. Für Landesbeamte allein sei es zu schade. Man begrüße es, wenn die Ideen weiter verfolgt würden. „Ich bin gespannt, ob die Landesregierung das angesichts der schlechten Umbau-Erfahrungen, die sie eben mit dem Staatstheater sammelt, auch tut.“ Die Rotunde und der Weiße Saal im Schloss seien ­„wunderschön und zeigten das Potenzial“.

Bernd Klingler, Fraktionschef der FDP im Gemeinderat, meint: „Für die Stadt wäre das positiv, man denke allein an die Möglichkeiten, die der Schlosshof als Veranstaltungsstätte bietet. Die Bürger, aber auch Touristen können nicht verstehen, warum das Gebäude für sie geschlossen ist.“ Stuttgart besitze leider nicht mehr viele historische Gebäude. Allerdings müsse man sehen, was die neue Nutzung kosten würde. Genauere Untersuchungen seien nötig. „Herr Milla ist dank seiner weltweiten Erfahrungen der richtige Mann dafür.“

Auch Hannes Rockenbauch, Fraktionsvorsitzender SÖS/Linke, spendet Lob: „Die Idee, die Herrschaftssitze von Monarchen für Bürger und Bürgerinnen zu öffnen, ist toll, reizvoll und spannend.“ Das könne das Niemandsland des Ehrenhofs, auf den bisher die Beamten runterschauen, beleben. „Ich hatte die gleiche Idee auch schon, jedoch in Bezug auf die Absolutisten der heutigen Zeit. Ich würde gern Tempel des Konsums in der Königstraße anders nutzen und die Wirkung dieser Kolosse durch Künstlerwerkstätten und dergleichen brechen. Beim Neuen Schloss geht es leichter – wir nehmen daher auch das.“

Matthias Hahn, Bürgermeister für Städtebau und Umwelt (SPD), findet, dass mehr Leben in dieser Ecke des Schlossplatzes schon gut wäre. „So würde ich mir unbedingt ein Café/Restaurant mit üppigen Öffnungszeiten in und vor dem Schlossflügel beim Kunstvereinsgebäude wünschen, wo es viel Abendsonne gibt – vielleicht wäre auch in Richtung Durchgänge etwas machbar, aber die müssten ja einen Zielpunkt haben.“ Millas Vorschlag gehe freilich sehr weit. Etwas mehr Öffnung für Besucher findet Hahn wünschenswert, aber es sei nicht wichtig, „jeden Winkel des Schlosses so zu bespielen“. Das Land mit seiner Verwaltung müsse sich auch noch organisieren können – sonst gehe der Ministerpräsident mit seinem Hofstaat am Ende nach Ludwigsburg.

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