Foto: Milla und Partner

Ministerpräsident Kretschmann lässt die Ideen prüfen, findet selbst aber ein anderes Domizil.

Stuttgart - Noch muss der Hausmeister nicht anrücken und die Schilder „Finanzministerium“ und „Kultusministerium“ am Neuen Schloss in Stuttgart abschrauben. Aber die Idee von Kommunikationsgestalter Johannes Milla, die Politik und die Beamten aus dem Neuen Schloss zu vertreiben und stattdessen daraus ein Bürgerschloss mit vielen Attraktionen zu machen, hat am Mittwoch zahlreiche Reaktionen in der Landespolitik hervorgerufen.

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Das Neue Schloss wird zum Neuen Bürgerschloss auf einer größeren Karte anzeigen

In der Villa Reitzenstein ist Millas „interessante Ideenskizze positiv zur Kenntnis genommen worden“, sagt Arne Braun, Sprecher der Landesregierung. Der Umzug des Staatsministeriums selbst in den Planieflügel des Neuen Schlosses sei allerdings wegen der Sicherheitsanforderungen nicht finanzierbar. Anfang Mai werde Milla zum Staatssekretär im Staatsministerium, Klaus-Peter Murawski (Grüne), kommen und seinen Vorschlag vorstellen. „Wir prüfen, was von den Elementen dieser Ideenskizze im Neuen Schloss oder unter Umständen in anderen Liegenschaften realisierbar wäre“, sagte Braun. Bisher sei geplant, im Planieflügel das Wirtschaftsministerium einzuquartieren.

Kretschmann zieht nicht ins Neue Schloss

Einen Umzug des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne) von der Villa Reitzenstein ins Neue Schloss, wie Milla ihn sich wünscht, wird es allerdings zumindest vorerst nicht geben. Nach Informationen unserer Zeitung wird das Staatsministerium noch in dieser Woche den Vertrag für ein anderes Domizil unterschreiben. Weil der bisherige Regierungssitz energetisch saniert werden muss, werden Kretschmann und seine Mitarbeiter im Frühjahr 2013 in die unmittelbare Nachbarschaft umziehen. Das sogenannte Clay-Haus ist bis vor kurzem von der US-Armee genutzt worden. Das nach dem Militärgouverneur Lucius D. Clay benannte Anwesen wurde zuletzt von General William E. Ward bewohnt und ist unlängst an die Bundesrepublik zurückgegeben worden.

Ob dort alle Mitarbeiter unterkommen, ist noch offen. Deshalb wird offenbar an zusätzliche Container gedacht. Auch die Sanierung der Villa Reitzenstein gilt als kompliziert. Ein asbestverseuchtes Nebengebäude soll abgerissen werden. Dort braucht man danach eine andere Lösung. Ob die sich so einfach durch einen Neubau finden lässt, ist offen, weil in dem Gebiet auch für Regierungssitze strenge Bauvorschriften gelten.

Doch auch ohne Kretschmann findet das Bürgerschloss Zustimmung. Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) sagt, er fühle sich durch die Idee von Milla bestätigt, denn die Politik müsse näher zu den Bürgern kommen. Auch wenn der Milla-Entwurf in absehbarer Zeit „finanziell nicht machbar“ sei, habe das Projekt einen großen Charme. Damit könne man „einem Regierungsviertel ein Bürgerviertel gegenüberstellen“, sagte Wolf und bekräftigte seinen Plan, unabhängig von einer möglichen anderen Nutzung des Neuen Schlosses zwischen Landtag und Oper schon bald ein Besucher- und Medienzentrum des Parlaments bauen zu lassen.

Gute Idee, aber ...

Etwas zurückhaltender äußert sich Landtags-Vizepräsident Wolfgang Drexler (SPD). Angesichts der bevorstehenden Umbauarbeiten im Landtag müsse das Neue Schloss in den nächsten Jahren erst einmal vom Parlament genutzt werden. „Vor 2015 kann man also nicht über eine ganz andere Nutzung des Neuen Schlosses nachdenken“, so Drexler. Bei einer möglichen Umsetzung der Milla-Ideen sei nun die Stadt gefordert. „Bis 2015 gibt es dafür einige Zeit zur Diskussion.“

CDU-Landtags-Fraktionschef Peter Hauk sagt, er finde die Ideen des Planers „grundsätzlich gut“, die CDU sei schon bisher stets „für bürgernahe Politik“ gewesen. Da aber sogar Ministerpräsident Kretschmann seine „Pläne verworfen hat, in die Stadt zu ziehen und Superminister Schmid noch nicht mal gewillt ist, das Schloss ganz dem Parlament zu überlassen, nehmen wir mal an, dass es bei den guten und interessanten Plänen des Architekten bleiben wird“.

Muhterem Aras von den Landtags-Grünen ist voll des Lobes über Millas Visionen: „Ich finde die Idee sehr gut, das ist einer der schönsten Plätze in der Stadt.“ Es sei schade, dass das Areal bisher den Bürgern nicht zur Verfügung stehe und die Autos im Innenhof parken dürften. Sie unterstütze deshalb die Suche nach einer neuen Nutzung. Ingo Rust (SPD), Staatssekretär im Wirtschafts- und Finanzministerium, zeigt sich hingegen skeptisch: „Unser Schloss sieht von außen schöner aus als von innen – das meiste ist Stahlbetonbau. Das alles umzubauen, würde sehr teuer.“ FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich-Rülke bekräftigt, seine Priorität sei es, „dass der Landtag in das Schloss kommt. Das will der Finanzminister aber nicht, weil er selber Schlossherr bleiben will. Da wäre mir die Bürgerschaft doch lieber.“

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