Tim Striegel macht seine Gäste im neuen Restaurant „Das Philippin“ glücklich. Foto: Simon Granville

Bei Tim Striegel ist jedes Gericht ein großer Genuss. Der 24-Jährige hat der Konditorei seiner Familie ein Restaurant hinzugefügt – und überzeugt mit seiner Gourmetküche.

Diesen Satz hört Sonja Striegel vermutlich oft: „Auf Ihren Sohn können Sie stolz sein“, sagen die Gäste, wenn sie im Restaurant ihre Runde dreht und sich als Mutter des Kochs vorstellt. Die Begeisterung für sein Handwerk zeigt sich schließlich auf jedem Teller, der aus seiner offenen Küche kommt. Tim Striegel hat dem Rutesheimer Familienbetrieb am Abend ein Gourmetrestaurant hinzugefügt. „Das Philippin“ heißt die alteingesessene Konditorei seit vergangenen November nach einem Umbau und dem Generationenwechsel. Dass er die Tradition bewahren will, beweist der 24-Jährige mit seiner Ausbildung zum Konditor. Welche Ambitionen er hat, macht seine Konzentration auf Sterne-Küchen deutlich: Nach der Lehre beim Adler in Asperg (ein Stern) ging er zu Alexander Herrmann (zwei Sterne) und danach zu Claus-Peter Lumpp (drei Sterne).

 
Erster Gang: Balfego Thunfisch mit Kaviar, Kohlrabi, Wasabi und noch viel mehr. Foto: Simon Granville

Modern und unprätentiös wirkt das neue Philippin – mit Holztischen, der langen Eckbank, warmen, erdigen Tönen. Der Service ist alte Schule, beschürzt, stets um den Gast bemüht, gleichzeitig fröhlich am Plaudern und beschwingt in Turnschuhen unterwegs. Trotz Haute Cuisine bleibt es familiär und unkompliziert. Der Gast kann zwischen drei (99 Euro), vier (119 Euro) und fünf Gängen (149 Euro) wählen, die Weinbegleitung zum Menü kostet pro Gang elf Euro. Schöne Klassiker wie ein Riesling von Robert Weil zählen ebenso dazu wie ein ungewöhnlicher Sauvignon Blanc vom Bio-Weingut Höfflin.

Sein aktuelles Menü startet – nach kunstvollen Küchengrüßen – frühsommerlich mit rohem Thunfisch, Kohlrabisalat und Kaviar. Wasabi-Mayonnaise, Schnittlauch-Öl, angemachte Buttermilch und ein Sud von Gurke und Dill liefern vielschichtige Aromenkicks. Auch wenn nur drei Zutaten auf der Speisekarte stehen, ist die Liste bei jedem Gericht dreimal so lang. Auf sein frittiertes, innen weiches Ei setzt Tim Striegel Kerbelsalat, Spargel dienen als Grundlage, eine feine Hollandaise, Miso-Mayonnaise und grüne Soße als abwechslungsreiche Begleiter. Beim kross angebratenen Zander verleihen die Beurre Blanc mit Apfel-Sauerkraut-Sud und angeschwitzter Spinat erdig-fruchtige Noten. Der zarte Lammrücken wird von einer Krokette, Auberginencreme und einer herrlich kräftigen Jus ergänzt, Lammragout und Ratatouille gibt es dazu. Seine Liebe für Tupfen aus allerlei Mayonnaisen und Gels ist etwas überschwänglich, die Kompositionen sind aber auch ein großer Augenschmaus.

Drei Nachtische machen die Gäste noch glücklicher

Der Nachtisch ist fast zu schön, um angerührt zu werden, würde er nicht so betörend nach Erdbeere, Rhabarber, Vanille und Basilikum duften, die in ein buntes Bild aus Eis, Mousse, Gebäck und Soße verwandelt wurden. Mit einem Topfenknödel, einer Minitorte, Pralinen und Küchlein macht Tim Striegel seine Gäste immer noch glücklicher – als wären sie es nicht schon längst.

Das Philippin, Seestraße 7, Rutesheim, 0 71 52 / 5 30 63. Geöffnet mittwochs bis samstags 18.30 bis 22.30 Uhr. das-philippin.de

Bewertung

Essen: 5 Sterne

Service: 5 Sterne

Atmosphäre: 4 Sterne

Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern