Niklas Hoss tischt modernes Wirtshaus-Essen auf: schwäbische Tapas. Foto: /Simon Granville

Von wegen schwäbische Restaurants werden Mangelware: Bei der jungen Generation steht die heimische Küche hoch im Kurs – als Tapas. Mit Maultaschen und Zwiebelrostbraten im Kleinformat wurde der Nürtinger Hof wieder zum Wirtshaus.

Manchmal macht die Gelegenheit auch Gastronomen: Als Nürtingen seinen Stadtbalkon bekam, eine Flaniermeile am Neckar, wurden Niklas Hoss und Daniele Castro zu Wirten. Erst eröffneten sie dort die Vagabundbar, dann das Restaurant Now. „Wir wollten etwas für die Stadt machen, wir sind hier aufgewachsen“, sagt Niklas Hoss. Der 27-Jährige studierte Betriebswirtschaft, die Gastronomie sollte ein Nebenprojekt sein. „Es machte Spaß und lief gut“, begründet er den nächsten Schritt: Vor rund einem Jahr übernahmen die beiden noch den Nürtinger Hof. Mit viel Holz, einem Stühle-Sammelsurium, Fässern an der Wand, alten Bildern und einer Säge aus Opas Werkstatt sowie gemusterten Tellern wie aus Omas Geschirrschrank haben sie eine gemütliche Vintage-Atmosphäre geschaffen.

 

Tapas für die junge Generation

„Zurück zu den Wurzeln“ lautet das Konzept der Junggastronomen für das klassische Gasthaus in der Altstadt. Wo zuletzt griechisch und davor italienisch gekocht wurde, sollte es wieder schwäbisches Essen geben. Und das nimmt diese Generation bevorzugt als Tapas zu sich: Das Gasthaus Bären gilt in Stuttgart als der Trendsetter, dem weitere Lokale folgten. „Das Gesellige“ gefällt Niklas Hoss daran, dass die Gerichte geteilt werden können und zur Kommunikation anregen. „Social food“, nennt er es deswegen.

Knackig, fruchtig und erfrischend ist der Rotkraut-Apfel-Salat (5,90 Euro). Der Wurstsalat (8,50 Euro) wäre eine Alternative. Die zwei Maultaschen mit Bratensoße (7,90 Euro) stammen vom Metzger, denn ihre Herstellung erforderte zu viel Arbeitszeit. Der Nudelteig ist fein, die Füllung mit hohem Fleischanteil und viel Petersilie gelungen. Die Spätzle zu den Linsen sind selbst gemacht, die Linsen etwas zu zahm, die Saitenwurst wieder würzig (8,90 Euro). Die Hauptzutat kommt im Brezelknödel gut zur Geltung, die Rahmsoße dazu ist cremig, die Champignons darin frisch gebraten, nur der Knödel ist zu teigig geraten. Wem es zu lästig ist, sich aus 37 Tapas die besten herauszusuchen, wählt die Platte „Für Zwoi“ mit Fleisch für 41,90 Euro oder in vegan (39,90 Euro).

Traumhafte Heiße Liebe

Auf die Heiße Liebe (4,90 Euro) muss länger gewartet werden aufgrund eines Schichtwechsels beim ansonsten freundlichen Personal. Der Nachtisch wirkt wie ein Gruß aus der Kindheit, die Eiskugeln in der Kristallschale, die sehr himbeerige Soße im Kännchen. Die Apfelküchle mit Vanilleeis (6,50 Euro) sind ebenfalls ein schöner Abschluss. Bier von der Brauerei Kaiser passt am besten zur Wirtshaus-Küche – oder ein Wein von der Remstalkellerei. Cocktails wie ein Quitten Sour (10,90 Euro) stehen außerdem auf der Karte. Gelbes Vögele heißt die alkoholfreie, süß-säuerliche Mischung aus Saft von Zitrusfrüchten mit Holunder und Maracuja.

Wirtshaus Nürtinger Hof, Brunnsteige 9, Nürtingen, 0 70 22 / 9 92 71 70. Geöffnet dienstags bis donnerstags 17.30 bis 23 Uhr, freitags und samstags bis 1 Uhr, sonntags bis 22 Uhr. wirtshaus-nuertinger-hof.de

Bewertung

Essen 3 Service 4Atmosphäre 4 Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern