Pia und Alexander Neuberth bringen Pfiff in das Marbacher Stadthallen-Restaurant: Klassiker der schwäbischen Küche werden von ihnen kreativ inszeniert.
Der Blick ins Neckartal: herrlich. Das Denkmal: imposant. Die Museen: einen Besuch wert. Das Restaurant in der Marbacher Stadthalle auf der Schillerhöhe war seit der Corona-Pandemie trotzdem kein Selbstläufer mehr. Mit Alexander und Pia Neuberth als Pächter setzte die Stadt im vergangenen Herbst dann auf viel Erfahrung: Der Koch und seine Frau betreiben seit 2015 das Stadthallen-Restaurant in Freiberg am Neckar. Im Sterne-Lokal auf Burg Staufeneck absolvierte der 35-Jährige seine Ausbildung, im Alter von 25 Jahren machte er sich schon selbstständig und mit dem Stand Schillers Mitte ist er auf dem Stuttgarter Weindorf vertreten. Sehr professionell geht das Gastronomen-Paar also das Geschäft an, was sich auch an den teilweise identischen Speisekarten ihrer beiden Restaurants zeigt.
Mit einem Instagram-Spot möbeln die Neuberths das typische Stadthallenambiente gleich im Foyer auf: Eine Schaukel hängt vor einer Graswand und dem in Pink leuchtenden Lokalnamen Schillers Blick. Das Werk des Dichters interpretieren sie auf eine humorvolle Art. Eine Räuber-Platte gibt es zum Beispiel als Vorspeise mit Aufschnitt und Dips (10,50 Euro). Für den gebeizten Lachs mit Spargel-Erdbeer-Kräuter-Salat passt der Titel „Schauspiel auf dem Teller“ (14,80 Euro) wahrlich, so hübsch angerichtet ist er. Auch geschmacklich lässt sich das Ensemble aus dem salzigen Fisch mit knackig-warmem Spargel, Erdbeeren und einer zitronigen Mayonnaise als Spektakel bezeichnen. „Kabale und Rind“ lautet die Überschrift zum Zwiebelrostbraten (29,80 Euro).
Don Carlos Genuss ist ein Dreierlei aus Maultasche, Fleischküchle und Schweinefilet (23,80 Euro). Tells Lieblingsgericht (26,80 Euro) besteht aus geschmortem Ochsenbäckle, mit dem die sämige Rotwein-Cranberry-Soße hervorragend korrespondiert. Das Gemüse ist frisch und auf den Punkt gegart, die Kartoffelkrapfen sind außen knusprig, innen weich und taugen perfekt zum Aufsaugen von Soße und dem deftigen Fleischaroma. Als „poetisches Pfännchen“ servieren die Neuberths Käsespätzle (14,80 Euro), „Freiheit auf dem Teller“ nennen sie ihr Curry aus roten Linsen (17,80 Euro). Das gebratene Zanderfilet hat durchaus das Zeug zu „Schillers Lieblingsfang“ (26,80 Euro), die Handlung drumherum weniger. Die angedickte Beurre blanc wird durch Bärlauch-Öl aufgepäppelt, die Rote Bete-Gnocchi stechen vor allem optisch heraus. Dass der in der Speisekarte genannte wilde Brokkoli ohne Hinweis durch ebenfalls erdiges Pastinakenpüree ersetzt wird, bringt dem ansonsten sehr sympathischen Kellner einen Minuspunkt ein.
Die eiskalte Verführung – ein Eiskaffee mit Schokoladenschaum (6,50 Euro) rundet den Ausflug auf die Schillerhöhe wunderbar ab. Mit einem schwäbischen Martinicocktail (9,50 Euro) und ein wunderbar regionalen Weinauswahl wie der Cuvée Cabernet vom Weingut Hirschmüller (0,2 Liter für 9 Euro) lässt sich die Atmosphäre des besonderen Areals ebenfalls genießen.
Schillers Blick, Schillerhöhe 12, Marbach am Neckar, 071 44 / 998 95 09. Geöffnet: Montag und Mittwoch bis Freitag von 12 bis 14 und 18 bis 22 Uhr, samstags 12 bis 22 Uhr, Sonn- und Feiertage 12 bis 20 Uhr. www.schillers-blick.de
Die Bewertung
Küche ****
Service ****
Ambiente ***
***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern
Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.