Nach vielen Jahren Erfahrung in der Gastronomie haben sich Fabian und Jonas Zikofsky als Blutsbrüder selbstständig gemacht. Große Portionen, viel Geschmack – unser Gastrokritiker hat an der deutsch-internationalen Küche nur wenig zu mäkeln.
Wenn man es mit Mitte dreißig auf über dreißig Jahre Berufserfahrung in der Gastronomie bringt, dann ist das schon eine Leistung – auch wenn es wie im Falle der Blutsbrüder auf das Wort „zusammen“ ankommt. Fabian und Jonas Zikofsky also haben schon viel gemacht, der eine als Koch, der andere im Service, auch schon zusammen als Küchenchef und Restaurantleiter im Plenum am Landtag etwa. In Ludwigsburg haben sich die Brüder im Stadtteil Oßweil selbstständig gemacht an einer Adresse, die mal ein Wirtshaus war, aber auch längere Zeit leer stand. Nun lebt der alte Gasthauscharme mit seinem gefliesten Boden und präsentem Geräuschpegel wieder hoch. An der Akustik werde noch gearbeitet, heißt es.
Bei unserem Besuch genießen wir noch ein letztes Mal den Sommer
Aus der Küche sieht man gelegentlich Fabian Zikofsky am Pass unter Wärmelampen die Gerichte finishen, die mal gutbürgerlich, mal mediterran oder auch mit asiatischen Einflüssen sind. Vorneweg gibt es Mini-Ciabatta mit Basilikum- und Tomatencreme. Schon beim Bestellen ist uns klar, dass wir einen der letzten Tage der mehr sommerlich geprägten Karte genießen können. Zum Beispiel mit Grillpfirsich (14 Euro), der mit Mozzarellabällchen, Serrano-Schinken und Pesto eine wunderbar mediterrane Liaison eingeht. Auch der zarte Oktopus (17 Euro), klein geschnitten und kurz gebraten, hat mit gelber Paprika, roh mariniertem Fenchel und Chimichurri tolle Begleiter, wenngleich in der sanften Würze und Schärfe der argentinischen Kräutersoße der Knoblauch einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Ein bisschen viel ähnlicher Crunch auf den Tellern
Zu den Tagliarini (25 Euro) gibt es Steinpilze, dazu eine nicht übertrieben rahmige Soße mit Grana Padano. Beim zweiten Hauptgericht überzeugt eine fruchtige Currysoße zu auf der Haut gebratenen Filets vom Eismeersaibling (26 Euro), Ringelbete und außen knusprigen, innen fluffigen Kartoffelkrapfen. Allerdings sind beide Gerichte recht üppig konzipiert: mit zwei aufgerollten Portionen dünner Bandnudeln und drei großen Krapfen zu den drei Fischfilets, weil die Blutsbrüder nicht wollen, dass die Schwaben über zu kleine Portionen meckern. Ein kleiner Kritikpunkt: dass auf allen unseren Gerichten frittierte Petersilie oder Rucola sowie Karotten- oder Betechips zum Einsatz kommen. Zum Dessert bringt Karamell-Crisp den Crunch-Effekt auf dem San Sebastian Cheesecake (9 Euro), der also ohne Boden, aber mit viel Schokosoße daherkommt.
Der Service ist aufmerksam, auch in 0,1-l-Portionen werden die Weine stilvoll in der Karaffe serviert. Neben größeren Genossenschaften werden unter anderem auch besondere Weine von Exnicrum und Bernhard Ellwanger präsentiert. Die werden wir dann mal weiter durchprobieren – vielleicht zu Winterstrudel, Knödel-Trio oder Rostbraten.
Blutsbrüder, Hanseatenstraße 54, Ludwigsburg-Oßweil, Tel. 0 71 41 / 9 74 29 47, Mo bis Fr 11.30 bis 23 Uhr (Küche 12 bis 14.30 und 16 bis 21.30 Uhr), Sa 16 bis 23 Uhr, So 11.30 bis 22 Uhr, Di Ruhetag. www.restaurant-blutsbrueder.de
Bewertung
Essen 4
Service 4
Atmosphäre 3
Legende: ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern