Die Griechin Eleni Piperoudi ist im hohen Norden Deutschlands aufgewachsen, um dann im pittoresken Chania zu studieren. Dort findet sie nicht nur ihr privates Glück, sondern auch das Ziel, ein eigenes Restaurant zu führen.
Die Wege zum Ziel sind zumeist verschlungen. So wussten Eleni Piperoudi und Michailis Psaridis im Dezember noch nicht, dass sie Ende März ein Traditionslokal in der Leonberger Altstadt übernehmen würden. In dieser Woche hat das junge Paar ihr Restaurant MiLeNo am Marktplatz 5 eröffnet. Doch es sind nicht nur die beiden, die an historischer Stätte griechische Spezialitäten der besonderen Art anbieten. Sein Vater und ihre Mutter helfen kräftig mit.
Ein Haus mit viel Geschichte
Eine große Krone prangt über dem Eingang des historischen Hauses am Marktbrunnen. So hieß das Gebäudes auch lange Zeit. Seit 350 Jahren werden hier Gäste bewirtet. Heinrich Essig, der Züchter der Leonberger Hunde, war vier Jahre Wirt in der Krone, Friedrich Schiller soll von der Solitude aus so manchen feucht-fröhlichen Abstecher nach Leonberg gemacht haben.
In der heutigen Zeit war die Krone als Fontana die Trevi, der Marktbrunnen, in den frühen Achtzigern eine beliebte Anlaufstelle für Freunde der italienischen Küche. Der kreative Koch Peter Knöpfle und seine Frau Bettina machten später die Krone zum kulinarischen Treffpunkt. Als sich „der Piet“ gesundheitsbedingt zurückgezogen hatte, lief es nicht mehr so gut im historischen Haus. Zuletzt hatte das ambitioniert gestartete M 5 sang- und klanglos geschlossen.
Eleni Piperoudi und ihren Mann Michailis ficht das nicht an. „Wir haben hier wunderschöne Räume und einen tollen Marktplatz, der uns vom ersten Moment an verzaubert hat“, sagt die 28-Jährige. „Hier können die Menschen entspannen und fröhlich sein, und wir möchten dazu beitragen.“
Jung und verliebt auf Kreta
Für die junge Griechin ist auch Deutschland ihre Heimat. Hier ist sie groß geworden, hier fühlt sie sich wohl. Zumindest genauso wohl wie in Griechenland. Zum Studieren war sie nach Kreta gegangen, dort wo ihre Mutter geboren wurde. In Chania, für viele die schönste Stadt der sagenumwobenen Insel, hat Eleni Tourismusmanagement studiert. In einem der vielen Cafés der Stadt hat sie ihren späteren Mann kennengelernt.
Jung, verliebt, Kreta – eine verlockende Kombination. „Doch für ein gutes Auskommen war es schwierig“, erzählt Eleni Piperoudi. „Es gibt zwar viele Jobs in der Tourismusbranche. Aber die werden nicht gut bezahlt. Und unser Ziel war immer, etwas Eigenes zu haben.“ Das nötige Geld zusammenzubekommen, das hat die gebürtige Hamburgerin in ihrer Jugend gelernt, geht in Deutschland besser. „Also habe ich Michailis überredet, von Kreta wegzugehen.“
Der Vater ist gelernter Metzger
Im November 2015 kommt das junge Paar im kalten Deutschland an. Beide arbeiten hart, sie an der Kasse eines Baumarkts, er in Restaurantküchen. Zwei Jahre später haben sie einen finanziellen Grundstock und übernehmen ihr erstes Restaurant in Dornstetten im Kreis Freudenstadt. Michailis’ Vater Manolis kommt aus dem nordostgriechischen Alexandroupolis in den Schwarzwald, um die Küche zu führen. Als gelernter Metzger und Koch hat er eine besondere Beziehung zu hochwertigen Lebensmitteln.
Der griechischen Familie gelingt es, im beschaulichen Schwarzwald-Ort ein mediterranes Restaurant aufzubauen, das Gäste aus der ganzen Region anlockt. Doch nach fünf Jahren ist es dem Paar, das mittlerweile einen kleinen Sohn hat, zu beschaulich. „Wir wollten noch mal etwas Neues machen“, erzählt der 39-jährige Michailis. Fündig werden sie in Leonberg, auch mit Hilfe des örtlichen Maklers Bernd Bannasch.
Schrittweise Eröffnung
Das Haus der alten Krone besteht aus mehreren Etagen, und so geht die Eröffnung des MiLeNo – eine Kombination aus Namensteilen der Familie – schrittweise voran. Das Bistro im Erdgeschoss hat schon offen. Dort gibt es eine kleine Karte mit ausgesuchten Spezialitäten. Das große Restaurant im ersten Stock geht am kommenden Dienstag in Betrieb. Bei schönem Wetter wird auch auf dem Marktplatz bedient.
„Wir machen keine riesige Karte mit allen möglichen Platten“, sagt Michailis Psaridis. „Es gibt besondere Gerichte, und die sind alle frisch.“ Die kretische Küche, in der Gemüse eine große Rolle spielt, fließt in das Speiseangebot mit ein, genau wie Lammhaxe und andere Fleischgerichte aus dem Backofen – je nach Saison immer wieder etwas anderes.