Bei Andreas Blum im Fässle schmeckt man die Ambitionen. Foto: /Ines Rudel

Die schwäbischen Klassiker stehen bei Blums Goldenem Fässle logischerweise auf der Karte, man schmeckt und sieht aber die Ambitionen des Chefs. Mit vielen Details hebt sich die Gaststätte durchaus ab, findet unser Restaurantkritiker Matthias Ring.

Der Rostbraten ist und bleibt ein Referenzgericht in der schwäbischen Wirtschaft, für das man allerdings vielerorts inzwischen weit über 30 Euro investieren muss, auch für Massenware aus Übersee. In Blums Goldenem Fässle bekommt man ihn für 27,80 Euro vom Simmentaler Rind. Das zarte Fleisch mit geschmelzten Zwiebeln obenauf und Wurzelgemüse an der Seite ist gut gewürzt, der Garpunkt medium perfekt getroffen. Da nehmen wir den Aufpreis für „Beilagenänderungen“ von 2,50 Euro für Spätzle statt Bratkartoffeln gerne in Kauf, denn wie auch die saubere Soße sind sie hausgemacht, also handgeschabt.

 

Der Name Blum ist in Esslingen kein unbekannter, zumal er meist vor der Location steht: früher bei Blums Öxle am Marktplatz, dann sechs Jahre lang im Vereinsheim Blums RSK Gaststätte. Mit seinem Anspruch, alles frisch zu machen, wollte sich Andreas Blum verkleinern und ist nun in das leer stehende Goldene Fässle in der Altstadt gezogen. Die 50 Plätze sind etwas eng beieinander und der Geräuschpegel kann recht hoch sein. Bei unserem Besuch hockt eine große Gruppe im hinteren Raum, was zum Warten auf die Vorspeisen führt. Aber Andreas Blum steht eben meist allein in der Küche, und so überbrücken wir die Zeit mit einem weiteren Viertele (zwischen 5,80 und 9 Euro) von der noch ausbaufähigen Weinkarte.

Die Speisekarte ist klein, wird aber täglich ergänzt

Auch die Speisekarte ist klein, wird aber von einer großen Tafel ergänzt, auf der bis zu zehn Tagesempfehlungen stehen. Wir wählen die Spargelsuppe (8 Euro), die zwar nicht schaumig, dafür aber auch nicht sämig angedickt ist und neben ordentlich Spargelstücken Bärlauchpesto und Croûtons zu bieten hat. „Der Salat“ (6,90 Euro) von der Standardkarte ist ein klassisch bunter Mix mit Karottendressing. Das Red-Snapper-Filet (26,50 Euro) von der Tafel ist schön kross gebraten, aber nicht trocken und liegt auf einem Spinatbett in einer schmackhaft-sahnigen Soße. Die angeschmorten Kirschtomaten sind wie  das größere  Exemplar im Salat saisonbedingt etwas blass auch im Geschmack, die „Fleur-de-Sel-Kartoffeln“ aber haben ein feines Aroma.

Zum Abschluss lassen wir uns den Zwetschgentopfenknödel (9,30 Euro) empfehlen, der schick auf einer Schieferplatte angerichtet ist mit Schmelze, Früchten, Bauernrahm und Zimteis. Man sieht und schmeckt in Blums Goldenem Fässle durchaus die Ambitionen, über schwäbische Standards hinauszugehen, und auch das Eis ist hausgemacht. Schon zum Gruß beeindruckte uns eine Butter mit Schabzigerklee. Dies als kleine Aufmerksamkeit zu etwas Brot und einer zweiten Butter anzubieten, ist in einer einfachen schwäbischen Wirtschaft nun wirklich keine Selbstverständlichkeit.

Service

Blums Goldenes Fässle, Heugasse 27, Esslingen, Telefon 07 11 / 60 16 11 22. Mi bis Fr 17 bis 22.30 Uhr, Sa 11.30 bis 14.30 und 17 bis 22.30 Uhr, So 11.30 bis 14.30 und 17 bis 20.30 Uhr, www.blums-goldenesfaessle.de

Bewertung

Essen 4  Service 5  Atmosphäre 5 Legende ***** = herausragend, ****= überdurchschnittlich, *** = gut, **= Luft nach oben, * = viel zu verbessern