In einer Woche beginnt der Bau des Regenüberlaufbeckens Murkenbach im Park an der Achalmstraße in Böblingen. Es soll die Kanalisation bei Starkregenereignissen entlasten.
Als Ende Juli 2013 heftige Gewittergüsse über Böblingen niedergingen, liefen im Wohngebiet Murkenbach innerhalb von 48 Stunden zweimal die Keller voll. „Über den Gehweg schoss das Wasser durch die Fenster und Türen“, berichtete damals Heinz Wagner aus der Reußensteinstraße unserer Zeitung.
Im Jahr 2018 folgte Tief Wilma, das in der Nacht vom 30. Mai auf den 1. Juni die Wassermassen brachte. Wieder liefen Keller voll, waren Straßen überschwemmt. Es dauerte teils Wochen, bis die Schäden in den Häusern behoben waren.
Bau beginnt Ende September
Das Gebiet am Murkenbach rund um Reußenstein-, Achalm- und Boslerstraße war in der Vergangenheit immer wieder Überschwemmungen ausgesetzt. Ein Grund liegt in der Topographie. Dort fließt das Wasser vom Tannenberg und aus Richtung Keilbergstraße in einer Senke zusammen. Die Zunahme von Starkregenereignissen und von versiegelten Flächen, verstärkt das Problem.
Die Stadt reagierte zwar, vergrößerte Kanäle und brachte Gitter gegen die Verstopfung von Kanaleinläufen an. Doch der große Wurf fehlte – bis jetzt. In einer Woche, am 29. September, beginnt der Bau eines großen Regenüberlaufbeckens (RÜB) am Murkenbach, auf einer Wiese im Park zwischen Achalm- und Schönaicher Straße. Kostenpunkt: rund acht Millionen Euro. Fassungsvermögen: 6000 Kubikmeter.
So viel Wasser kann das Becken fassen
Das entspreche 2,5 olympischen Schwimmbecken oder zehn mit Wasser gefüllten Einfamilienhäusern, zog Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) jetzt beim symbolischen Spatenstich als Vergleiche heran. Er erinnere sich noch gut an das Starkregenereignis am 30. Mai 2018, das er als Anwohner des Gebiets direkt miterlebt habe. „Da war ich frisch im Amt und habe mitbekommen, wie in der Nachbarschaft die Keller vollliefen.“
Danach sei zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern diskutiert worden, was man für einen besseren Hochwasserschutz tun könne – darunter auch private Maßnahmen. Belz bedankte sich bei den Anwohnern, die bereits viel davon umgesetzt hätten.
Becken wird komplett unterirdisch gebaut
Nun kommt bald das neue Regenüberlaufbecken hinzu, das Sigrid Müller von der Böblinger Stadtentwässerung als „großes Herzstück des Hochwasserschutzes“ in Böblingen“ bezeichnete. Das Becken ist als unterirdisches Behältnis aus Beton geplant. „Hier verläuft eine wichtige Kaltluftschneise in die Stadt“, lieferte Belz als Erklärung für die Entscheidung komplett unterirdisch zu bauen. Selbst die erforderliche Schalt- und Steueranlage wird unter der Erde am Rand des Rad- und Gehwegs positioniert.
Das Becken soll die Böblinger Kanalisation bei „seltenen und außergewöhnlichen Regenereignissen“ entlasten und wird nur genutzt, wenn der Hauptkanal einen bestimmten Füllstand erreicht hat. Dann werden die Wassermassen in das Becken hineingeleitet und später nach und nach mit Pumpen in die Kanalisation befördert. Damit sich keine Sedimente ablagern, wird das Becken nach jedem Einsatz gereinigt.
Spielplatz bleibt offen
In voraussichtlich zwei Jahren soll das Becken fertig sein. Allein das Baggern der Grube dauert zwischen einem halben und dreiviertel Jahr. Ganz unbemerkt wird das nicht vonstatten gehen. „Wir sind eine Baustelle und machen auch mal Dreck und Lärm“, bat Frank Bechle von der ausführenden Baufirma F.K. Systembau um Verständnis.
Der benachbarte Spielplatz bleibt während der Bauarbeiten offen, die Grube soll mit Bauzäunen abgesichert werden. „Und in zwei Jahren sieht es dann wieder so aus wie jetzt“, sagte Müller. Außer den Einstiegen ins Becken und zum Betriebshäuschen dürfte von dem Regenüberlaufbecken dann nichts mehr zu sehen sein.
Denkmal bekommt neuen Platz
Schäferdenkmal
Für den Bau des Regenüberlaufbeckens Murkenbach musste das Denkmal Schäfergruppe des Künstlers Rudolf Christian Baisch versetzt werden. Es steht nun näher am Spielplatz und wird dort auch nach Abschluss der Arbeiten bleiben.
Retentionsfläche Bussardstraße
Nicht weit vom RÜB Murkenbach rüstet die Stadt derzeit den Bolzplatz in der Sport- und Freizeitanlage Bussardstraße als Regenrückhaltefläche auf.
Planer
Geplant haben das RÜB das Ingenieurbüro für Wasserwirtschaft und Ressourcenmanagement GmbH und die Konstruktionsgruppe Bauen AG