Zweimal in der Woche kochen Ehrenamtliche für den Mittagstisch. Foto: Gottfried Stoppel

Das Zentrum für internationale Begegnungen in Schorndorf war und ist Anlaufstelle für geflüchtete Menschen. Ein neues Projekt will die Nachbarschaft des ZiB beleben. Als erstes soll auf kreative Art und Weise herausfinden, welchen Bedarf die Menschen im Viertel haben.

Schorndorf - Essen gibt es eigentlich erst um 12.30 Uhr, aber schon eine halbe Stunde vorher sind die ersten Stammgäste des Mittagstischs da und nehmen Platz. Aus der Küche wabern die Gerüche orientalischer Gewürze, Hähnchenschlegel mit Zitronenkartoffeln und Reis stehen auf dem Speiseplan. Gekocht wird von Menschen, für die das ZiB, das Zentrum für internationale Begegnungen, in den Hochzeiten der Flüchtlingskrise eine erste Anlaufstelle war.

Das ZiB wurde als Anlaufstelle für Geflüchtete gegründet

Im November 2015 war die Begegnungsstätte in der ehemaligen Schorndorfer Schlachthofgaststätte vom Kreisdiakonieverband sowie der Stadt eröffnet worden, „weil es in den Unterkünften in der Nähe keine Aufenthaltsräume gab“, berichtet die ZiB-Leiterin Magdalena Lingel. Die Geflüchteten kamen am Anfang, um ein bisschen Ruhe zu genießen, um einen Kaffee zu trinken, das Internet zu nutzen, aber auch, um sich beraten zu lassen. Eine Psychologin des Kreisdiakonieverbands ist nach wie vor da, um Menschen mit traumatischen Erfahrungen zu helfen. Zu diesem Angebot sind im Laufe der Jahre viele weitere hinzugekommen: „Wir schauen regelmäßig, was der aktuelle Bedarf ist“, sagt Magdalena Lingel.

Angebot in der ehemaligen Schlachthofgaststätte ist stetig gewachsen

Die Bandbreite reicht derzeit von dem Mittagstisch am Dienstag und Donnerstag, über ein monatliches Frauenfrühstück, Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung, Spielenachmittag, Sprachcafé bis zum Kochkurs. Oft treffen sich nachmittags ehrenamtliche Begleiter und Geflüchtete, um für den Integrationskurs zu lernen. Viele enge und freundschaftliche Beziehungen sind entstanden. Und es gelingt offensichtlich bereits ganz gut, die Idee hinter dem ZiB umzusetzen – nämlich Menschen aus verschiedenen Nationen und Generationen zusammenzubringen.

„Nun wollen wir einen Schritt weitergehen“, sagt Christian Bergmann, der Leiter des Fachbereichs Familie und Soziales der Stadt. Am 1. Juli fällt der offizielle Startschuss für das Projekt „L(i)ebenswertes Schorndorf“, das vom Land über das Sonderprogramm Quartier mit 70 000 Euro gefördert wird. Ausgehend vom ZiB soll die Nachbarschaft belebt werden.

Das neue Quartiersprojekt wird mit 70 000 Euro vom Land gefördert

Etwa 800 Menschen leben in dem nördlichen Teil von Schorndorf, den die Stadtverwaltung dafür ins Auge gefasst hat. „Wir denken gerade intensiv darüber nach, wie wir vor allem mit den stillen Gruppen in Kontakt kommen können“, sagt Bergmann. Er könnte sich vorstellen, dass zum Beispiel Angebote für pflegende Angehörige ein Thema sein könnten: „Immerhin sind 24 Prozent der Bewohner im Quartier älter als 60 Jahre.“

Man wolle aber nicht einfach einen Flyer in den Briefkasten werfen, „so etwas bringt nichts.“ Christian Bergmann denkt eher an kreative Beteiligungsformen wie „Salz und Suppe“ in Stuttgart, wo Menschen beim Kochen und Essen zusammen kommen, um sich über Ideen für das Leben in der Stadt auszutauschen. Am 6. Juli ist ein Nachbarschaftsfest geplant, im Herbst soll es im ZiB einen Nachbarschaftsdialog geben.

Die Angebote im ZiB sind für alle offen

Ein weiteres Ziel des Projekts ist, noch mehr Nachbarn ins ZiB zu bringen: „Viele denken, dass die Angebote nur etwas für Geflüchtete sind, dabei sind sie für alle offen“, sagt die Integrationsbeauftragte Lena Böhnlein. Zudem kann der große Saal von Vereinen und Gruppen gemietet werden. Erst vor kurzem gab es eine Veranstaltung im ZiB, bei der junge Griechen über das deutsche Ausbildungssystem informiert wurden.

Das Projekt „L(i)ebenswertes Schorndorf“ ist bis Ende kommendes Jahres angesetzt. „Im besten Fall können wir danach Erkenntnisse aus dem Projekt auf andere Teile der Stadt anwenden“, sagt Christian Bergmann.

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