Das Büro an der Schopenhauerstraße 39 hat seit April geöffnet. Foto: Alexandra Kratz

Seit April hilft das Sozialunternehmen GJB Langzeitarbeitslosen im Stadtbezirk.

Dürrlewang - Gerade heute kann Karin Walter wieder einen Erfolg verbuchen. Das Liegenschaftsamt hat einer ihrer Kundinnen eine Sozialwohnung angeboten. Ob die junge Frau diese bekommt, ist freilich noch ungewiss. Aber sie hat gute Chancen, denn sie hat einen sogenannten Wohnberechtigungsschein A. Das bedeutet, dass sie dringend eine neue Wohnung braucht. „Derzeit lebt sie mit ihren Kindern in einer sehr kleinen Wohnung, in der es zudem überall Schimmel gibt“, sagt Walter. Dass die junge Frau den Wohnberechtigungsschein hat, ist vor allem auch ihr Verdienst. Walter ist Sozialpädagogin und eine von drei Kollegen im Vair-Büro an der Schopenhauer-straße 39.

Die Abkürzung „Vair“ steht für „Vaihingen Arbeit Integration Rat“. Das Projekt und die dazugehörigen Räume gibt es seit April. Dahinter steht die Gesellschaft für Jugendsozialarbeit und Bildungsförderung (GJB). Das Sozialunternehmen will arbeitslosen Menschen helfen.

Das Jobcenter hatte das Projekt ausgeschrieben

Bei Vair geht es speziell um Langzeitarbeitslose. Das Projekt war vom Jobcenter Vaihingen ausgeschrieben. Dort hatte man festgestellt, dass es im Stadtbezirk einen Bedarf für eine spezielle Betreuung von Menschen gibt, die aus unterschiedlichen Gründen partout keinen Job finden. „Wir haben uns auf dieses Projekt beworben und den Zuschlag bekommen“, sagt Volker Kraft. Er ist der pädagogische Geschäftsführer bei der GJB. Diese hat bereits einige Erfahrungen auf dem Gebiet. Denn vor mehreren Jahren rief das Sozialunternehmen das Projekt „Fair“ auf dem Fasanenhof ins Leben. Dieses sei durchaus ein Erfolg, sagt Kraft.

Beiden Initiativen gemeinsam ist, dass sie sich speziell an Menschen aus dem Stadtbezirk Vaihingen beziehungsweise dem Stadtteil Fasanenhof richten. „Die räumliche Nähe ist wichtig“, sagt Kraft. Die Menschen finden Hilfe um die Ecke und müssen dafür nicht extra in die Innenstadt oder das andere Ende Stuttgarts reisen. Außerdem betrachten die Vair- beziehungsweise Fair-Mitarbeiter nicht nur den einzelnen Menschen, sondern auch deren Familien. Die Mitarbeiter des Jobcenters vermitteln der GJB Menschen, für die das Projekt passend sein könnten. „Die Zusammenarbeit funktioniert ausgezeichnet“, lobt Walter.

Den Menschen etwas Extra-Zeit schenken

Die GJB-Mitarbeiter können den Menschen ohne Job etwas Extra-Zeit schenken. Denn der Arbeitsalltag der Angestellten im Jobcenter ist durchgetaktet, sie können oft nicht auf individuelle Probleme eingehen. Und das Jobcenter ist letztlich auch die Einrichtung, von der die arbeitslosen Menschen ihr Geld bekommen. „Wir hingegen begegnen den Menschen auf Augenhöhe“, sagt Karin Walter. Sie und ihre Kollegen helfen beim Zusammenstellen von Bewerbungsunterlagen, beim Navigieren durch den Behördendschungel und auch bei privaten Problemen wie zum Beispiel Krankheit oder Schulden.

„Für uns hat es nicht immer die höchste Priorität, die Menschen im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren“, sagt Volker Kraft. Und seine Kollegin Walter ergänzt: „Oft sind es auf die kleinen Dinge. Die Menschen sollen wieder neuen Mut bekommen und auf einen Job hoffen können.“ Und immer wieder gebe es positive Beispiele. Erst vor Kurzem habe eine gelernte Floristin zumindest eine Teilzeitstelle gefunden. Und ein Fahrer hat einen befristeten Arbeitsvertrag unterzeichnet.

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