Am Anfang des Schuljahres steht für die eine Gruppe malen auf dem Programm, später dürfen sie tonen und ein Flugobjekt bauen. Die Fünftklässler des musischen Zugs bekommen Instrumente vorgestellt und entscheiden dann, welches sie erlernen wollen. Foto: Stahlberg

An der Robert-Koch-Realschule in Vaihingen gibt es neben dem musischen nun auch ein technisch-künstlerisches Profil. Die Schüler haben die Wahl: Sie erlernen ein Instrument oder eignen sich Arbeitsweisen der Bildenden Kunst und des Handwerks an.

Vaihingen - Gekonnt drischt Philipp mit rhythmisch präzisen Bewegungen seine Sticks auf die Trommeln und Becken des Schlagzeugs. Ein lauter, durchdringender Sound ertönt. Danach zeigt er, dass es auch anders geht: langsam, leise, dezent. Der Schüler der 8b führt den neuen Fünftklässlern der Robert-Koch-Realschule (RKR) sein Instrument vor. Parallel zeigt sein Klassenkamerad Robin der anderen Hälfte der Jungen und Mädchen seine Trompete, lässt jeden das Blasinstrument in die Hände nehmen und den ungewohnten Griff einmal ausprobieren. Ein Stockwerk tiefer lässt die Kunstlehrerin Katrin Gahlstorf die Schüler der 5c ein großes weißes Blatt mit Farbe füllen. Es darf nach Herzenslust mit großzügigem Strich gemalt, gekleckst und auch gespritzt werden. Aleatorisches Verfahren nennt man die Technik, die sich am Zufall orientiert.

Es steigert die Sozialkompetenz und die Selbstdisziplin

Die Instrumentenvorführung und das Malen im eigens eingerichteten Atelierraum sind Teil des neuen Konzepts der RKR. Seit dem laufenden Schuljahr können sich die Schüler neben dem musischen auch für einen technisch-künstlerischen Zug entscheiden. Das Musik-Profil hat die Realschule schon seit 15 Jahren. Die Ergänzung durch das Technik-Kunst-Profil „ist unsere Antwort auf die Veränderungen in der Schullandschaft“, sagt der Musiklehrer Hans-Jürgen Fuchs. Schule allgemein entwickele sich derzeit massiv. Gemeint sind die vielerorts entstehenden Gemeinschaftsschulen. Die RKR habe sich jedoch bewusst dazu entschieden, Realschule bleiben zu wollen, erklärt er. Mit dem neuen Konzept wolle man sich in der Schullandschaft als Realschule mit Bonus positionieren. In beiden Zügen sollen die Schüler in vielerlei Hinsicht profitieren: in der Sozialkompetenz, der Konzentrationsfähigkeit, der Ausdauer und der Selbstdisziplin, so ist es auf der Internetseite der Schule zu lesen.

Zwei Stunden zustätzlich pro Woche

Für die Jungen und Mädchen bedeutet dies zwei Stunden zusätzlich pro Woche neben dem normalen Unterricht. Für die Lehrer ist es freilich auch Mehraufwand: Man habe zum einen aus dem Pool an Förderstunden, den die Schule zur Verfügung hat, geschöpft und zum anderen bei den Stunden des regulären Kunst- und Musik-Unterrichts gekürzt, um das Angebot stemmen zu können, schildert Fuchs. Ein gutes Jahr Vorarbeit habe man benötigt, um das neue Profil zu organisieren, erklärt er. „Natürlich ist dieser Ansatz auch für uns sehr stundenintensiv. Wir können noch nicht sagen, ob wir in der Lage sein werden, das neue Profil bis zur Klasse 9 hochzuziehen.“ Der große Wunsch dazu ist freilich da. „Das muss sich entwickeln“, sagt der Lehrer.

In der Kunststunde wandern derweil die ersten fertigen Bilder in den Trockenständer, das nächste Papier wird an der Staffelei befestigt. „Nur Mut, einfach drauf mit der Farbe!“, ruft Katrin Gahlstorf den Schülern zu. Die lassen sich das nicht zweimal sagen. „Ich hab einfach losgemalt“, erklärt Melissa auf die Frage, ob sie Scheu vor der weißen Fläche habe. Die Wahl zwischen dem musischen und dem künstlerisch-technischen Zug ist ihr nicht schwer gefallen. „Ich hab schon als Kind gern gemalt, Musik mag ich nicht so gern“, sagt sie. Finn stimmt ihr zu: „Ich war in Kunst immer gut und hab meinen Eltern gesagt, dass ich das gerne machen möchte“, erzählt er.

Aufgeben ist keine Option

Bei der Instrumentenvorstellung löchern die Schüler die beiden älteren Jungs inzwischen mit Fragen: Wie viel kostet ein Schlagzeug, wie reinigt man eine Trompete und aus welchen Teilen besteht die eigentlich? Im ersten Schulhalbjahr bekommen die Fünftklässler des musischen Zugs verschiedene Instrumente vorgestellt, im zweiten Halbjahr beginnt der Unterricht. Ziel ist es, ein Orchester zusammenzustellen. Das geht freilich nicht, wenn zehn Schüler Schlagzeug spielen wollen. „In der Regel klappt das aber ganz gut. Die Schüler geben ein Erst- und Zweitinstrument als Wunsch an“, erklärt Fuchs. Wechseln ist nach getroffener Entscheidung nicht möglich. „Die Kinder sollen lernen, an etwas dranzubleiben und sich durchzubeißen“, sagt er. Aufgeben ist nicht drin.

Mehr Informationen:

MTK-Profil
Seit dem Schuljahr 2014/15 gibt es an der Robert-Koch-Realschule neben dem Musik-Profil auch ein Bildende Kunst/Technik-Profil.

Musik
Wer das musische Profil wählt, lernt ein Instrument und erhält eine musiktheoretische Grundausbildung. Das Instrument wird von den Eltern gekauft. Der Unterricht bei Lehrern der Stuttgarter Musikschule kostet 31,50 Euro im Monat. Von der siebten Klasse an spielen die Schüler im Stufenorchester.

Technik/Kunst
Die Schüler mit diesem Schwerpunkt erlernen grundlegende Arbeitsweisen der Bildenden Kunst und des Handwerks.

Präsentationen
Die Schüler beider Profile bekommen regelmäßig die Gelegenheit, bei Aufführungen und Ausstellungen das Gelernte zu zeigen und zu erläutern.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: