An der Stettener Hauptstraße sollte eine neue Pflegeeinrichtung inklusive Drogerie entstehen. Doch daraus wird wohl erst einmal nichts. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Jahrelange Verhandlungen und immer neue Auflagen – ein Investor hat die Nase voll und will nun doch kein Pflegeheim mehr bauen. Die Filderstädter Firma geizt nicht mit Kritik an der Stadt. Die zuständige Bürgermeisterin weist die Vorwürfe indes zurück.

Stetten - Im Februar 2017 war erstmals im Gemeinderat darüber diskutiert worden. Da war eine Konzeption für die Umgestaltung des Gebiets rund um den Unger­haldenweg in Stetten präsentiert worden. Mit einer Pflegeeinrichtung inklusive Drogerie hatte die Verwaltung auf dem Grundstück zwischen dem dortigen Lidl-Parkplatz und der Stettener Hauptstraße geliebäugelt. „Es liegt dafür bereits eine klare Absichtsbekundung eines Investors vor“, hatte die Baubürgermeisterin Eva Noller verkündet.

Mehr als drei Jahre später ist außer Spesen nichts gewesen. So stellen es die Pflegeheimbetreiber WGfS aus Bernhausen dar. Die Firma, hinter der die Investorenfamilie Amos-Ziegler steht und die bereits mehrere Häuser sowie betreute Wohngruppen auf den Fildern betreibt, hat hingeschmissen und macht das Gebaren der Stadtverwaltung L.-E. verantwortlich. Im Kern geht es um Verzögerungen und ständig neue Auflagen. Der WGfS-Geschäftsführer Daniel Splettstößer sagt: „Enttäuscht sind wir, dass es so lang gedauert hat – ohne wirtschaftlich darstellbares Ergebnis.“

Investor sollte einen Drogeriemarktbetreiber finden

So hatte es einen Architektenwettbewerb gegeben. Da sich das Preisgericht aber im ersten Anlauf nicht einigen konnte, musste alles überarbeitet werden. Die Investoren habe man verpflichtet, das Siegerbüro zu beauftragen. „Da zu einem Bauprojekt letztlich aber auch wesentliche Kenndaten gehören, die Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Erstellung und Unterhalt haben, kam es hier zu größeren Diskussionen“, teilen die Pflegeheimbetreiber WGfS mit.

Außerdem sei der Firma auferlegt worden, die angedachte Drogerie ausfindig zu machen, um das Grundstück überhaupt erwerben zu dürfen. „Ich weiß nicht, mit wie vielen Geschäften ich gesprochen habe“, sagt Daniel Splettstößer, doch weder aus dieser noch aus der Lebensmittelbranche habe es Interessenten für eine langfristige Pacht gegeben. Bis dahin sei wieder „viel Zeit verstrichen, auch die Annahmen zu den geplanten Baukosten waren hinfällig. Somit mussten wieder neue Finanzierungsverhandlungen geführt werden, um der Stadt die gewünschten Finanzierungszusagen vorlegen zu können“, teilt WGfS mit.

Pflegeheimbetreiber hat mehr als 100 000 Euro investiert

Das Fass zum Überlaufen gebracht hat nun ein Thema, dass in der Sitzung des Gemeinderats an diesem Dienstag aufs Tapet kommen wird. In der Schallschutz-Untersuchung zum Bebauungsplan „Änderung Höfer Äcker“ werden gravierende Konsequenzen für ein Pflegeheim an der Stelle aufgeführt. Pflegezimmer sollen demnach möglichst nur in den Westflügel kommen. „Pflegezimmer an der Ost-, Nord- und Südfassade sind mit einer Festverglasung beziehungsweise in der Regel nicht zu öffnenden Fenstern vorzusehen“, liest man. Daniel Splettstößer betont, dass unter den Voraussetzungen ein Bau unattraktiv sei. „Stellen Sie sich vor, dass Sie Ihre Eltern in einem Pflegeheim anmelden, wo man die Fenster nicht öffnen kann“, zudem ergäben sich Bau-Mehrkosten im hohen sechsstelligen Bereich.

Dass solche Details erst nach drei Jahren der Zusammenarbeit auf den Tisch kommen, versteht er nicht. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Stadt das Bebauungsplanverfahren parallel macht.“ Sein Resümee: „Die Vorgaben der Stadt sind nicht erfüllbar.“ Aus den Verhandlungen gehe man mit mehr als 100 000 Euro Kosten heraus – für Planungen, die jetzt Makulatur seien.

Bürgermeisterin spricht von einem „komplexen Verfahren“

Eva Noller bedauert das Aus. „Wir hätten das sehr gern mit WGfS gemacht. Die Situation ist für alle bitter.“ Den Vorwurf der Verzögerung und immer neuer Auflagen will sie indes nicht gelten lassen. „Das hat nicht überlang gedauert.“ Sie spricht von einem „sehr komplexen Vorhaben“. Dass jetzt erst das Lärmschutzgutachten aufgekommen sei, liege daran, dass man ein Verfahren gewählt habe, wonach erst Projekte entwickelt werden und darauf der Bebauungsplan „maßgeschneidert“ wird. „Man hätte anderes entscheiden können“, bekennt sie. Für das Quartier in Stetten betont sie indes: „Wir halten an der städtebaulichen Zielsetzung fest.“ Mit oder ohne Pflegeheim.

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