Diese Ansicht des Uracher Wasserfalls hat Hermann Drück (1856–1931) aus Vaihingen/Enz gemalt. Foto: Horst Haas

Der Sammler Martin Rath zeigt im Alten Lager in Münsingen 150 Bilder, meist mit Motiven der Alb. Interessant ist nicht nur das Museum selbst, sondern auch das sonst verschlossene Kasernengelände.

Münsingen - Martin Rath kommt rum: Er hat einige Zeit in Südafrika gelebt und ist geschäftlich viel in Südkorea und Japan unterwegs – und doch, oder gerade deswegen, gilt seine Liebe der Heimat, genauer gesagt der Schwäbischen Alb. In den vergangenen Jahren hat der Rechtsanwalt in Reutlingen die vermutlich größte, auf jeden Fall aber vielfältigste Sammlung von Gemälden mit Alb-Motiven zusammengestellt. Es sind mehrere Hundert Bilder, großteils entstanden in der Zeit von 1850 bis 1950. Davon sind jetzt erstmals 150 Exemplare zu sehen, und zwar an einem ganz besonderen Ort, der mit dem neuen Albmaler-Museum endlich dauerhaft zugänglich wird: das Alte Lager bei Münsingen.

Es war ein Zufall, dass sich der 48-Jährige gerade auf dieses Sammelgebiet eingelassen hat. Eigentlich interessierte er sich für afrikanische Kunst, doch bei einer Auktion ersteigerte er ein kleines und unscheinbares Aquarell, das ihm irgendwie gefiel und nicht viel kostete. „Das Bild hat meine Neugierde geweckt“, erzählt Rath. „Ich wollte plötzlich wissen, wie viele Maler von der Alb es überhaupt gab und was sie gemalt haben.“

Zuhause lagerten die Gemälde sogar in der Garage

Irgendwann stapelten sich die Gemälde zu Hause, im Büro, im Keller, in der Garage. Darunter sind Bilder von recht bekannten Künstlern wie Felix Hollenberg (1868–1945) oder Christian Landenberger (1862–1927), die in Gomadingen und Albstadt eigene Museen haben. Aber viele Kunstwerke stammen von Malern, deren Berühmtheit kaum über die eigenen Ortsgrenzen hinaus reichte, wie die von Jakob Plankenhorn (1894–1977): „Er malte nur das, wo er mit dem Fahrrad hinkam“, sagt Rath. Zum Beispiel eine Schafherde am Dreifürstenstein, der Blick des Schäfers geht versonnen hinüber zur Burg Hohenzollern.

Die Qualität der Gemälde ist unterschiedlich, und es sind beileibe nicht nur Landschaften, die Rath sammelt – auch Bilder aus der Landwirtschaft oder dem Straßenbau sind in Münsingen zu sehen, ebenso Porträts, Szenen aus dem Ersten Weltkrieg und sogar ein Damenakt. Der Bezug zur Alb ist über den Maler aber immer da. Manche Gemälde sind im Übrigen Schnäppchen, weil sich kaum noch jemand für dieses Sujet interessiert: Manchmal steht hinten auf der Leinwand noch ein alter fünfstelliger Betrag in D-Mark; heute findet man Bilder bei Internetauktionen teils für weniger als 500 Euro.

Dass sich Rath dieses dennoch nicht ganz günstige Hobby leisten kann, hängt mit seiner zweiten Leidenschaft neben der Schwäbischen Alb zusammen: dem Fußball. Als Rechtsanwalt hat er schon lange Fußballvereine beraten, vor sechs Jahren gründete er mit dem in Stuttgart gut bekannten Musikunternehmer Johannes Graf Strachwitz die Agentur Apertura Sports. Sie vermittelt und berät Fußballspieler vor allem aus dem asiatischen Raum. Aber etwa von der Tuchfühlung mit Thomas Tuchel, dem Trainer des Fußballbundesligisten Borussia Dortmund, erst vor wenigen Tagen erzählt Martin Rath eher beiläufig. Er trägt nicht auf, er wirkt bodenständig und offen, scheint voller Tatendrang und legt eine erfrischende Zuversicht in allen Dingen an den Tag. Das dürfte sein Erfolgsgeheimnis sein bei Klienten, Spielern und Gemäldebesitzern.

Im nächsten Jahr beginnt das Alte Lager zu leben

Und vermutlich auch bei Franz Tress. Der Nudelfabrikant aus Münsingen, der sich allerdings schon aus der Geschäftsführung zurückgezogen hat, erwarb vor einem Jahr das Alte Lager in Münsingen, wohl wissend, dass er sich damit eine riesige Aufgabe aufgeladen hat: Schließlich handelt es sich um ein gewaltiges, überraschend grünes Gelände mit knapp 140 Offiziers- und Mannschaftsgebäuden. Davon sind aufgrund der architektonischen Bedeutung weit mehr als die Hälfte denkmalgeschützt. Bisher war das große Tor des Alten Lagers fast immer verschlossen. Man kam eigentlich nur auf das Gelände, wenn man an einer Führung teilnahm – oder heiratete: Das Offizierskasino ist schon hergerichtet und bildet den eleganten Rahmen für eine Vielzahl von Veranstaltungen.

Mit dem schon noch etwas improvisierten Albmaler-Museum ist das Alte Lager nun täglich außer montags geöffnet. Insofern schlägt der Besucher gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Bei einem Rundgang sei Franz Tress und ihm spontan die Idee zu der Ausstellung gekommen, erzählt Martin Rath. Sein Bruder Thomas hat als freiberuflicher Kaufmann das Büro kurzerhand in das Postgebäude des Alten Lagers verlegt, denn sonst wäre das Museum nicht möglich gewesen: „Es wird sich wohl gar nicht tragen, aber wir haben große Freude daran“, sagt Martin Rath. Die Besucherzahlen in den ersten Wochen stimmen ihn aber zuversichtlich. Teilweise ergäben sich nette Gespräche, und oft könnten Besucher sogar klären, von welchem Standpunkt aus ein bestimmtes Bild gemalt worden sei. Martin Rath und sein Bruder schreiben alles auf, denn bald soll ein Ausstellungskatalog aufgelegt werden.

Im kommenden Frühjahr, so der Plan, wird es dann sowieso lebendig im Alten Lager. Ein Café wird eröffnen, ein kleiner Markt wird Produkte des Biosphärengebiets verkaufen, auch an eine Pension mit 300 Betten ist gedacht. Aber schon jetzt ist es leicht, sich rund um Münsingen einen schönen Tag zu machen: Die ursprüngliche Landschaft des alten Truppenübungsplatzes lädt zum Wandern ein, das Zentrum des Biosphärengebiets mit seiner Ausstellung liegt direkt am Eingang zum Alten Lager, dann lockt ein Rundgang über das Kasernengelände. Und natürlich darf ein Besuch im Albmaler-Museum nicht fehlen.

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