Nach gut zweijähriger Bauzeit wird an diesem Wochenende das neue Heidengrabenzentrum bei Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen) eröffnet. Zur Einweihung wird rundherum ein Keltenlager aufgebaut. Das erwartet die Besucher.
Die Kelten erwachen am kommenden Wochenende zu neuem Leben: Die Eröffnung des Heidengrabenzentrums am Burrenhof bei Erkenbrechtsweiler wird mit einem großen Fest gefeiert. Während die Besucher im neu errichteten Informationszentrum vor allem digital auf eine Reise in die Vergangenheit gehen können, bietet ein rundherum aufgebautes keltisches Lager zwei Tage lang einen realen Einblick in den Alltag jener Menschen, die vor mehr als 2100 Jahren am Fuße der Schwäbischen Alb lebten. Die ortsansässige Keltengruppe Riusiava präsentiert originalgetreu kostümiert altes Handwerk, verschiedene Kampftechniken und die typische Zubereitung von Speisen.
Einstmals war die stadtartig angelegte Siedlung am Heidengraben – zwischen den heutigen Gemeinden Erkenbrechtsweiler (Kreis Esslingen), Grabenstetten und Hülben (beide Kreis Reutlingen) gelegen – ein bedeutendes Zentrum des keltischen Volkes. Das sogenannte Oppidum soll mit bis zu 20 000 Bewohnern die größte spätkeltische Siedlung auf dem europäischen Festland gewesen sein. Es gehörte zu einem Netz keltischer Städte, das von Frankreich bis Böhmen reichte. Auf einer Fläche von fast 1700 Hektar sind noch die Reste der mächtigen Befestigungsanlagen mit Gräben und Wällen rund um das „Herz“ der Anlage, die Elsachstadt, gut sichtbar und können über weite Strecken begangen werden. Auch eines von insgesamt acht Toren, die den Zugang zur Keltensiedlung regelten, wurde teilweise rekonstruiert.
Dem historischen Erbe verpflichtet
Die Bewohner des Heidengrabens waren ziemlich umtriebig – zahlreiche archäologische Funde belegen weitreichende Fernhandelsbeziehungen bis ans Mittelmeer. Zudem gab es große landwirtschaftliche Flächen für Ackerbau und Viehzucht. Warum das Oppidum dennoch aufgegeben und verlassen wurde, ist allerdings nicht bekannt.
Dem historischen Erbe des Heidengrabens fühlt sich „Riusiava“ verpflichtet. Die rund 20 Living-History-Darsteller legen großen Wert darauf, die Alltagskultur der Kelten so authentisch wie möglich darzustellen. Der Name der Gruppe kommt nicht von ungefähr: Bei dem Oppidum auf der Albhochfläche könnte es sich um die spätkeltische Stadt Riusiava handeln, deren Name durch die antike Literatur geistert – wissenschaftlich belegt ist das jedoch nicht.
Das Heidengrabenzentrum soll – neben dem bereits angelegten Erlebnis-Pfad – das Leben der Kelten sicht- und erlebbar machen. Gut 14 Jahre nach den ersten Planungen war im Juni 2022 mit dem Bau des interaktiven Besucherzentrums begonnen worden. Jetzt ist der mehr als fünf Millionen Euro teure Neubau fertiggestellt. Darin erwartet die Besucher auf über 350 Quadratmetern Fläche eine multimediale Ausstellung, die die zahlreichen Facetten des keltischen Lebens aufgreift. Zum Konzept des Erlebnisfeldes gehört auch ein Aussichtsturm, den der aus den drei Gemeinden bestehende Zweckverband Region Heidengraben unmittelbar neben dem Parkplatz Hochholz errichten ließ. Von der Aussichtsplattform in über 18 Metern Höhe kann man das Gelände gut überschauen.
Das Keltenlager mit großem Verköstigungsbereich kann am Samstag, 8. Juni, von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag, 9. Juni, von 10 bis 16 Uhr kostenfrei besucht werden. Im Heidengrabenzentrum wird hingegen Eintritt verlangt. Um die Besucherströme zu lenken, ist für die Besichtigung an diesem Wochenende ein Zeitfenster zu buchen. Das ist an der Kasse vor Ort möglich.