Das Polizeimuseum in Dettenhausen beherbergt alles rund um das Thema Polizei - von Uniformen über Abzeichen bis hin zu Pickelhauben. Foto: privat

Der pensionierte Polizist Bernhard Strobel sammelt seit 40 Jahren alles, was mit der Polizei zu tun hat. Seine Sammlung bekommt nun ein eigenes Museum.

Lange Zeit hat Bernhard Strobel warten müssen. Nun kann er seinen umfangreichen Schatz wieder der Öffentlichkeit präsentieren. Der pensionierte Polizeioberkommissar hat eine besondere Leidenschaft: Während andere Briefmarken oder Schallplatten sammeln, ist Strobel auf der Jagd nach Polizeigegenständen jeglicher Art. Von Uniformen über Handschellen bis hin zu Motorrädern ist alles dabei in seiner Sammlung – und die bekommt nun ein eigenes Museum.

 

Am 7. Mai eröffnet das neugestaltete Polizeimuseum in Dettenhausen (Landkreis Tübingen). Im Alten Rathaus, wo bis Ende 2022 der Polizeiposten der Gemeinde untergebracht war, kann fortan die Entwicklung der Polizeiausrüstung vom Ende des 19. Jahrhunderts an erkundet werden. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf Utensilien der deutschen Polizei, es sind aber auch zahlreiche Exponate aus dem Ausland zu sehen.

Früher Polizeiwache und Museum in einem

Für Strobel ist es eine Rückkehr in sein altes Wohnzimmer: 35 Jahre lang hat er im Polizeiposten Dettenhausen gearbeitet. Schon während seiner aktiven Zeit begann der gebürtige Tübinger, eine Sammlung aufzubauen, die er an seinem Arbeitsplatz zeigte. Wer früher also das Alte Rathaus betrat, befand sich in Wache und Museum zugleich.

Ende 2022 zog der Polizeiposten dann aus dem Rathaus aus, kurz vor Strobels Pension. Die Frage, was mit der Sammlung passieren würde, beantwortete der Gemeinderat beantwortete eindeutig: Einstimmig beschloss das Gremium im März 2023 die Einrichtung eines Museums. Die Verwaltung erhielt den Auftrag, ein Konzept zu entwickeln und die Räume renovieren zu lassen.

Kostenschätzung für Museumsumbau konnte eingehalten werden

„Das ist ein Alleinstellungsmerkmal und Werbung für Dettenhausen als Ganzes“, sagt der Bürgermeister Thomas Engesser. Er rechnet insbesondere in der ersten Zeit nach der Eröffnung mit „sehr, sehr großem Interesse“ an der Ausstellung. „Die Qualität der Exponate ist mehr als außergewöhnlich“, sagt Engesser. Eintritt werde man für das Museum – ebenso wie für das gegenüberliegende Schönbuchmuseum – nicht verlangen. Eine Spendenkasse soll zumindest einen Teil der Betriebskosten abdecken. Die zuvor aufgestellte Kostenschätzung von Ortsbaumeister Frank Reinhardt konnte nach Auskunft von Engesser nahezu eingehalten werden. Dieser hatte vor dem Gemeinderatsbeschluss 18 000 Euro veranschlagt, die für den Umbau zum Museum notwendig würden.

Begonnen hat alles mit der Polizeireform in den 1970er-Jahren. Damals wurden die länderspezifischen Uniformen von einer einheitlichen in moosgrün und beige abgelöst. Für Strobel war das der Auslöser dafür, die alten Uniformen der westdeutschen Bundesländer zu sammeln. Als er dann von einem Kollegen auch noch eine Kollektion an ausländischen Polizeimützen bekam, war klar, dass er seine Sammlung ausweiten würde.

Ältestes Exponat stammt von 1893

Nach mehr als 40 Jahren ist einiges zusammengekommen. Strobels Lieblingsstück bleibt aber das älteste in seiner Sammlung: eine Königlich Württembergische Landjägeruniform aus dem Jahr 1893, die der Vater eines ehemaligen Kollegen getragen hatte. „Er hat mir die komplette Uniform mitsamt Pickelhaube vermacht. Das war natürlich toll“, sagt Strobel. Aber auch eine NSU Max aus den 1960er-Jahren, eine NSU Quickly und ein Polizeifahrrad zählen zu seinen persönlichen Highlights.

Bernhard Strobel wird künftig im Polizeimuseum durch seine Sammlung führen. Foto: privat

Wie viele Objekte in seiner Sammlung sind, weiß nicht mal Strobel selbst so genau. Nach seinen Schätzungen dürften es rund 250 bis 300 Kopfbedeckungen sein – von Mützen über Tschakos bis hin zu Pickelhauben –, etwa 70 deutsche und internationale Uniformen sowie einige Hundert Abzeichen. Schon jetzt kann nur ein Teil seiner Objekte gezeigt werden. Es ist aber durchaus möglich, dass die Sammlung weiter anwächst, denn Strobel ist nach wie vor auf der Suche nach neuen Gegenständen. Vor allem im Bereich Polizeitechnik sieht er noch Nachholbedarf, etwa bei Funkgeräten oder weiteren Handschellen. Für seine Pension hat Strobel also noch einiges vor: „Ich bin noch nicht am Ziel meiner Wünsche.“

Polizeimuseum Dettenhausen

Öffnungszeiten
Das Museum kann nach der Eröffnung jeden ersten und dritten Sonntag im Monat besichtigt werden, jeweils von 14 bis 18 Uhr. Strobel wird an diesen Tagen bereitstehen, um durch seine Sammlung zu führen.