Die Glasbox, die die Unternehmen Kurz und Prezero ausgeliefert haben, fasst 36 Liter. Vielen ist das offenbar zu wenig. Foto: Landratsamt Ludwigsburg/Andrea Würth

Die Frage danach, ob jeder eine Tonne statt einer Box für den Glasmüll bekommt, ist noch nicht ausgeräumt. Ist die Kiste so schlecht?

Ludwigsburg - Dass in diesen Zeiten ein Thema wichtiger wird als Corona – vor der Einführung des neuen Müllsystems war das schier undenkbar. Die Abschaffung von Rund und Flach aber hat es geschafft. Schuld am Ärger vieler Bürger hat die kleine blaue Glasbox, die statt einer normalen Tonne an viele Haushalte im Kreis verteilt wurde. Landrat Dietmar Allgaier appelliert an die Bürger, der Glasbox doch eine Chance zu geben. Tatsächlich gibt es mindestens zwei Gründe für die Box:

 

1 Der Platz Dass auch noch das letzte freie Fleckchen im Vorgarten oder in der Garage von einer zusätzlichen Tonne belegt wird, ist für die Befürworter ein schlagendes Argument für die Box, die 36 Liter fasst und eher einem überdimensionierten Einkaufskorb ähnelt. Ziehen dürfte das Argument vor allem in den Innenstädten im Kreis. Im Grunde war das Platz-Argument überhaupt erst der Anlass für die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL), sie überhaupt in Betracht zu ziehen. Die Sorge, keine Abstellmöglichkeit für eine zusätzliche Tonne zu finden, sei im Vorfeld häufiger geäußert worden, so AVL-Geschäftsführer Tilmann Hepperle.

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2 Die Müllmenge Für einen durchschnittlichen Haushalt müsste der Korb ausreichen – zumindest geht die AVL mit ihren Schätzungen davon aus. Wer den Korb innerhalb von vier Wochen – so oft wird dieser geleert – voll bekommt, kann das Glas direkt in der Wohnung sammeln und sich den andauernden Gang vor die Tür sparen. Diejenigen, die ohnehin regelmäßig ihre leeren Flaschen und Gläser in Containern entsorgen, haben nun ein geeignetes Gefäß.

Unter den Bürgern, für die eine Glasbox bestimmt ist, gibt es offenbar aber sehr viel mehr Kritiker als Fans. Dementsprechend vielfältig sind die Argument:

3 Die Privatsphäre Was geht es meinen Nachbarn an, wie viel ich von meinem liebsten Rotwein am Wochenende getrunken habe? Die Sorge darüber, dass Außenstehende etwas über die Konsumgewohnheiten von Familien oder Singlehaushalten mitbekommen könnten, behagt vielen offenbar gar nicht. Dass die Boxen offen sind und jeder hineinschauen kann, ist ein immer wieder vorgebrachter Kritikpunkt. Übersehen wird dabei aber in der Regel immer: Wer die Zusammensetzung seines Glasmülls für sich behalten will, der kann jederzeit zum Glascontainer fahren und ihn dort – ganz anonym – entsorgen.

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4 Die Schlepperei Da der Korb keine Rollen hat, muss man ihn zwangsläufig tragen. Dass er in gefülltem Zustand ein Gewicht von bis zu 20 Kilo oder mehr erreicht und damit für ältere Personen zu schwer ist, ist gut vorstellbar. Nicht nur Senioren, die nicht mehr so rüstig sind, sondern auch Menschen mit Behinderung dürften damit ihre Probleme haben. Besonders, wenn die Wohnung beziehungsweise der Platz, an dem die Box für gewöhnlich steht, nicht ebenerdig zugänglich ist. Wer in einer Sackgasse oder Straße wohnt, die für Müllautos zu schmal ist, darf sich etwas überlegen, wie er die Box dorthin bekommt, wo sie auch geleert wird.

5 Scherben und Diebstahl Zerbricht etwas in der Glasbox, ist die Sauerei groß und es besteht Verletzungsgefahr. Scherben auf der Straße, auf dem Gehweg, womöglich auch in den eigenen vier Wänden, dieser Kritikpunkt wird oft geäußert. Eine ganze Reihe von Argument zielt auch darauf ab, dass den Mitmenschen einiges zugetraut wird. Beispielsweise, dass die Flaschen und Gläser, wenn sie offen herumstehen, einfach zerdeppert werden und damit Fußgänger oder Tiere gefährdet werden.