Soldaten der Bundeswehr bauen im Oktober 2015 in einer Stuttgarter Messehalle Betten für Flüchtlinge auf. Material, das damals knapp war, ist inzwischen teils im Überfluss vorhanden. Foto: dpa

Es ist noch nicht lange her, da galt Deutschland international als Krisenregion. Im Zuge der großen Flüchtlingswelle brach auch beim Inventar der Notstand aus. Das soll sich in Zukunft so nicht wiederholen.

Stuttgart - Das Campingbett „Tigris“ hat für einiges Durcheinander gesorgt. Erst war es nicht da, dann gab’s zu viele davon. Und schließlich sollte es bei Landesbediensteten entsorgt werden. Für schlappe 30 Euro.

Denn das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart musste während der Flüchtlingskrise dieselbe Erfahrung machen wie die meisten Behörden: Wenn Hunderttausende Menschen innerhalb kurzer Zeit ins Land kommen, wird’s schnell eng. Nicht nur in den Unterkünften, sondern auch beim Material. Schlafsäcke, Betten, Hygienesets – all das lässt sich nicht in beliebiger Menge für Krisenzeiten lagern. Also war der Markt schnell leer gefegt, die Kollegen vom RP Freiburg mussten in der Not sogar in China Nachschub bestellen. Die Preise schossen in die Höhe. Und als die Balkanroute dann geschlossen wurde, plötzlich viel weniger Menschen kamen, saßen die Beteiligten plötzlich auf riesigen Beständen. Beim RP Stuttgart entschloss man sich deshalb sogar zum „Teilausverkauf“ von Material an Mitarbeiter.

Nach allem, was man hört, ist das Campingbett Tigris trotz günstiger Preise kein Verkaufsschlager geworden. Diese Art, die Lager etwas zu entlasten, hat auch keine Nachahmer gefunden. Bei der „einmaligen und kurzfristigen Aktion“ seien nur „geringe Mengen gebrauchter Gegenstände oder Restposten“ veräußert worden, sagt Susanne Stehle vom Innenministerium. Die Regierungspräsidien hätten das meiste Material aus den Erstaufnahmen für einen späteren Gebrauch eingelagert. Einiges Überzählige habe man zudem an karikative Einrichtungen abgegeben oder an Kommunen verkauft.

Wie viel Material für den nächsten Notfall vorhanden ist, kann im Moment aber niemand sagen. Das Land will deshalb verhindern, dass es beim nächsten Mal zu ähnlich großen Engpässen kommt. „Wir erarbeiten noch in diesem Jahr ein landesweites Konzept für eine abgestimmte und vereinheitlichte Logistik und Materialhaltung“, sagt Stehle. Dazu seien die vier Regierungspräsidien derzeit dabei, ihre vorhandenen Lagerbestände zu erheben und zu erfassen. Danach will man entscheiden, welche Mengen man in Zukunft als sinnvoll erachtet.

DRK verdoppelt Vorhaltung

Einen Schritt weiter ist bereits das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Der Landesverband Baden-Württemberg hat die Bestände in seinem Zentrallager bei Kirchheim/Teck (Landkreis Esslingen) aufgestockt. „Wir können damit aus dem Stand mindestens 2000 Menschen versorgen – bei jeder denkbaren Krisenlage“, sagt Sprecher Udo Bangerter. Also nicht nur bei Flüchtlingswellen, sondern auch bei Hochwasser oder anderen denkbaren Szenarien. Auch die Transportlogistik ist entsprechend aufgestellt. Vor der Flüchtlingskrise war man beim DRK nur auf 1000 Menschen vorbereitet. Zeitweise mussten die Partnerverbände in den USA und Kanada Material in die Krisenregion Deutschland schicken.

Das soll künftig nicht mehr so schnell passieren. Zu voll sollen die Lager aber auch nicht werden. „Man muss realistisch bleiben: Eine solche bundesweite Lage hat man nicht alle Tage“, sagt Bangerter. Deshalb gehe es vor allem darum, eine erste Phase mit eigenen Mitteln überbrücken zu können, bevor man nachbestellt oder sich bei Partnern eindeckt. Deshalb sind auch dezentrale Vorräte bei den DRK-Kreisverbänden angelegt worden. In Kirchheim lagert dennoch einiges. Dort finden sich jetzt 117 große Zelte samt Beleuchtung und weiterer Technik, 1300 Feldbetten, 476 Etagenbetten, 3140 Schlafsäcke und 2200 Trainingsanzüge in allen Größen. „Dazu sicher noch einige Tausend Liter Duschgel“, sagt Bangerter und schmunzelt.

Beim Land hat man dagegen noch keinen Überblick über die eigenen Bestände. Der soll nun aber bald vorliegen. Wichtig wäre am neuen Konzept nur eines: Es sollte noch vor der nächsten Krise stehen. Damit man beim Campingbett „Tigris“ schon einmal planen kann.

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