American Stafford Terrier Beji schmust mit seiner Pflegerin. Foto: factum/Weise

Das neue Kreistierheim ist nun bewohnt – 15 Hunde, 25 Katzen und 21 Kleintiere suchen derzeit ein neues Zuhause. Ein Blick hinter die Kulissen des Ende April eröffneten Gebäudes.

Böblingen - Der Mischlingshund Aki hat eine traurige Vergangenheit. Sein früherer Besitzer war Alkoholiker und hatte wenig Sinn für die artgerechte Haltung des Tiers. Die Polizei beschlagnahmte Aki schließlich und brachte ihn in das neue Kreistierheim in Böblingen. Was genau der Hund erlebt hat, weiß die Tierheimleiterin Ute Andok nicht. „Aber die ersten Tage durften wir ihn nicht einmal anfassen“, erzählt sie.

Inzwischen ist Aki seit zwei Wochen im Tierheim, und die Tierheimleiterin kann problemlos zu ihm in sein Einzelgehege gehen, in dem er ein wenig abseits der anderen Hunde untergebracht ist. „Wenn ein Hund so misstrauisch ist, müssen wir sehr geduldig mit ihm sein“, erklärt Andok. Sie sei zunächst hinter den Gitterstäben, aber immer in seiner Nähe geblieben, um ihn an sie zu gewöhnen. Langsam wurde er zutraulicher. „Zu sehen, wie die Tiere sich bei uns entwickeln und schließlich wieder Vertrauen fassen, macht unseren Beruf besonders“, sagt Andok.

Tiere sollen so schnell wie möglich ein liebevolles Zuhause finden

Doch auch wenn sich vor allem die Tiere, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, im Tierheim oft positiv entwickeln, bleibt es das oberste Ziel der Leiterin, sie so schnell wie möglich in einem liebevollen Zuhause unterzubringen. „Eine Familie können wir nicht ersetzen“, stellt sie klar. Abwechslung in den Tierheimalltag bringen Spaziergänge mit den Mitarbeitern oder Ehrenamtlichen.

Aus dem weitläufigen, modernen Gebäude mit großen Außengehegen schallt dem Besucher bereits von Weitem lautes Gebell entgegen. Momentan beherbergt das Ende April offiziell eröffnete Kreistierheim 15 Hunde, 25 Katzen und 21 Kleintiere. Platz gibt es aber für 50 Hunde, 80 Katzen und 100 Kleintiere. Doch schon jetzt ist der Geräuschpegel hoch, was für manche Tiere, die vorher eine ruhigere Umgebung gewöhnt waren, großen Stress bedeutet.

Die Polizei kann auch nachts Tiere in die Quarantänestation bringen

Hinter dem Eingang befindet sich die Quarantänestation, in der jedes neue Tier zunächst einzeln untergebracht und medizinisch durchgecheckt wird. Eine Tierärztin übernimmt diesen Part wie gegebenenfalls auch Operationen und andere Behandlungen. Der Hund Billbo ist mit seinem Herzfehler häufig Patient. An diesem Tag liegt er allerdings wegen einer Zahnbehandlung auf dem Operationstisch.

Auch die Polizei hat für die Quarantänestation einen Schlüssel, um Fundtiere wie Billbo dort nachts abgeben zu können. „Es ist morgens immer spannend zu sehen, ob wir einen neuen Bewohner haben“, sagt die Tierheimleiterin mit einem Schmunzeln.

Wer sich für ein Tier interessiert, wird von den Mitarbeitern beraten

Im Katzenbereich geht es deutlich ruhiger zu als bei den Hunden. Auch hier gibt es Gehege mit Außenbereichen. Durch Glasscheiben können die Katzen beobachten, was auf dem Gang vor sich geht. Im obersten Stock des Gebäudes ist Platz für nachtaktive Tiere und für wilde Katzen, die die ständige Gegenwart der Menschen nicht gewöhnt sind. Denn hinter den Kulissen des Heims geht es ebenfalls turbulent zu. Riesige Waschmaschinen laufen permanent, Fressnäpfe werden ausgespült und desinfiziert, und die Gehege der Tiere gesäubert. Ute Andok ist begeistert von der Funktionalität des neuen Gebäudes: „Die wichtigsten Bereiche sind ebenerdig zu erreichen und überdacht – hier wurde an Mitarbeiter und an die Tiere gedacht.“

Wer sich für ein Haustier interessiert, wird zunächst von den Tierheimmitarbeitern beraten. Wenn die Leiterin kein gutes Gefühl hat, vermittelt sie das Tier nicht: „Wir wollen vermeiden, dass ein Tier nach der Vermittlung noch einmal bei uns landet.“ Manche ihrer Gäste auf Zeit hat sie besonders ins Herz geschlossen, wie zum Beispiel den Hund Aki, der anfangs so verschlossen war. „Ich bin aber nicht traurig, wenn einer meiner Lieblinge vermittelt wird – etwas Besseres kann den Tieren schließlich nicht passieren.“

Tierschutz im Kreis Böblingen:

Kreistierheim:
Das Kreistierheim hat nach zwei Jahren Bauzeit eröffnet. 5,2 Millionen Euro kostete das Gebäude. Das Tierheim wird vom Landkreis mit 400 000 Euro im Jahr unterstützt. Sieben Mitarbeiter sind für die Tiere verantwortlich. Fünf Menschen mit Behinderung von den gemeinnützigen Werkstätten (GWW) unterstützen das Personal.

Tierschutzverein:
In direkter Nachbarschaft befindet sich der Tierschutzverein, der bisher die Fundtiere im Auftrag des Kreises versorgt hat. Nach Unstimmigkeiten trennte man sich. Nun kümmert sich hauptsächlich das ­kommunale Tierheim um Fundtiere. In beiden Heimen werden Pensionstiere angenommen.

Öffnungszeiten : Das Kreistierheim Böblingen in der Herrenberger Straße 210 ist am Montag, Mittwoch und am Freitag von 14 bis 17 Uhr, am Samstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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