Das Sech-Tage-Rennen in der Schleyerhalle ist passé - wird es eine Neuauflage geben? Foto: dpa

Ex-Rennfahrer Heinz Betz will mit einem neuen Konzept zurück nach Stuttgart.

Stuttgart - Die Radbahn in der Schleyerhalle ist längst abgebaut, das Sechs-Tage-Rennen in Stuttgart Geschichte. Aber womöglich eine, die sich wiederholt. Heinz Betz, einst Rennfahrer und heute Geschäftsführer der Radsportakademie in Bad Wildbad, denkt an eine Neuauflage. Der kommende Samstag soll die Generalprobe sein.

Herr Betz, was haben Bahnradsport und Boxen eigentlich gemeinsam?

Ich finde: einiges. Beide Sportarten sind kurzweilig und attraktiv, beide sind gesellschaftsfähig, bei beiden Sportarten passiert ständig etwas.

Und das reicht, um aus beidem am Samstag ein neuartiges Event zu machen?

Absolut. Diese Idee, die beiden Sportarten zusammenzuführen, schlummert schon länger in meinem Kopf - und am Samstag kommt es in Öschelbronn zu einer echten Weltpremiere. Erst steigt die Sixdays-Night mit Weltklasse-Bahnradfahrern, danach geht es mit spannenden Kämpfen im Ring zur Sache.

Sie sehen das nicht nur als Weltpremiere, sondern auch als Generalprobe.

Das stimmt. Wir wollen sehen: Sind wir auf dem richtigen Weg?

Auf dem Weg wohin?

Auf dem Weg nach Stuttgart, um dort wieder ein Sechs-Tage-Rennen zu veranstalten. Wir wollen den Bahnradsport wieder ins Bewusstsein der Leute bringen.

Mit Verlaub: In Stuttgart schien es nicht gerade so, als würden die Veranstalter mit aller Macht um den Erhalt der Sixdays kämpfen. Haben Sechs-Tage-Rennen wirklich noch eine Zukunft?

Ich bin Radsportler durch und durch, aber selbst über mein Herzblut hinaus glaube ich daran, dass ein solches Event erfolgreich und wirtschaftlich veranstaltet werden kann. Ich bin überzeugt, dass Stuttgart ein gutes Pflaster für ein Sechs-Tage-Rennen ist.

Im Paket mit anderen Sportarten - so wie am Samstag?

Klar, der Bahnradsport hat Probleme. Es fahren nicht mehr viele bekannte Straßenfahrer auch im Winter auf der Bahn, und die deutsche Sixdays-Szene ist auch überschaubar geworden. Deshalb ist mir auch klar, dass man neue Konzepte angehen muss. Es ist ganz wichtig, neue attraktive Programmpunkte zu bieten.

In Stuttgart gibt es nicht einmal mehr eine Bahn.

Ich weiß, aber das muss kein Nachteil sein. Die frühere Bahn musste am Ende auch immer wieder neu aufgebaut werden. Und man kann solche Bahnen auch mieten.

Was die Sache aber wieder teurer macht.

Nicht unbedingt. Noch einmal: Die fehlende Bahn ist kein Problem. Stuttgart ist eine Metropole, da würde es sicher nicht an der fehlenden Bahn scheitern.

Haben Sie den Machern in der Landeshauptstadt Ihre Ideen schon vorgestellt?

Nein, denn wir wollen ja erst einmal den Samstagabend abwarten und ein Gefühl dafür bekommen, wie solch ein Event ankommt. Wenn das aber funktioniert, treten wir ganz schnell in Kontakt mit den Verantwortlichen in Stuttgart.

Wie ist die Resonanz bislang?

Radsportler wie Boxer sind sehr gespannt auf den Abend, die Bahn-Profis hatten sogar die Sorge, nach ihrem Rennen keinen guten Platz am Ring mehr zu bekommen. Die wissen übrigens auch, dass es nur auf neuen Wegen weitergehen kann.

Und wie läuft der Kartenvorverkauf?

Gut. Unser Ziel ist ein gut besuchtes Radstadion, dann sind wir zufrieden. Und wenn die Besucher begeistert nach Hause gehen, können wir sagen: Jetzt gehen wir die weiteren Gespräche an.

Eine andere Frage noch: Kürzlich hat Ex-Gerolsteiner-Teamchef Hans Holczer sein Buch vorgestellt, in dem Sie nicht gerade gut wegkommen. Es ist von massiven Drohungen die Rede. Wie stehen Sie dazu?

Wissen Sie, es liegt in der Natur der Sache, dass eine Autobiografie immer sehr subjektiv ist. Wer Hans Holczer und mich kennt, kann sich sein eigenes Bild machen. Mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen.

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