Die Dauerausstellung des Jüdischen Museums in der alten Jebenhäuser Dorfkirche wird neu gestaltet. Schon Ende des Jahres soll die Eröffnung sein. Foto: StZ/Archiv

Die Dauerausstellung des Jüdischen Museums in Jebenhausen wird umgestaltet. Die Museumsmacher setzen auf moderne Präsentationsformen. Außerdem sollen neue Forschungsergebnisse in die Schau einfließen.

Göppingen - Noch ist alles beim Alten. Doch dem Jüdischen Museum im Göppinger Stadtbezirk Jebenhausen stehen große Veränderungen bevor. Die Dauerausstellung soll überarbeitet und neu gestaltet werden. 235 000 Euro hat der Gemeinderat allein dafür bewilligt. Weitere 52 000 Euro investiert die Stadt in die alte Jebenhäuser Dorfkirche, in der das Museum untergebracht ist.

„Seit der Eröffnung vor 25 Jahren hat sich vieles getan, es gibt neue Forschungsergebnisse und ganz andere Möglichkeiten der Präsentation“, erklärte Karl-Heinz Rueß, der Leiter der Göppinger Museen, einem kleinen, aber interessierten Publikum. Es sei geplant, das Museum Ende Juli zu schließen, so dass die Handwerker und Ausstellungsmacher freie Bahn hätten. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Arbeiten bereits zum Jahresende abgeschlossen sein.

Ein Packen Anregungen

Rueß erläuterte nicht nur die neue Konzeption, er stellte sie auch zur Diskussion und konnte am Ende des Abends einen ganzen Packen Anregungen mit nehmen. So wurde vorgeschlagen, auf einer Karte zu zeigen, wo die jüdischen Bürger in Göppingen gewohnt haben. „Das ist sehr aufschlussreich“, bestätigte Rueß. Andere Diskussionsteilnehmer wollten die alte Ausstellung gut dokumentiert wissen, und Klaus Maier-Rubner von der Stolperstein-Initiative regte an, in der neuen Schau auch zu zeigen, dass die Juden nicht nur Unternehmer waren, sondern auch einfache Arbeiter. In der Summe aber zeigten sich alle sehr einverstanden mit der Überarbeitung der Ausstellung.

Lob gab es auch für die Arbeit der vergangenen Jahre. „Ich finde die bisherige Ausstellung immer noch sehr gut“, merkte ein Diskussionsteilnehmer an. „Das haben viele andere auch gesagt“, bestätigte Rueß. Es sei auch geplant, die Essentials, wie die Gründung der jüdischen Gemeinde in Göppingen, wieder aufzunehmen. Dafür sei im Erdgeschoss Platz vorgesehen. Andererseits hält Rueß es aber für wichtig, den Faden bis zur Gegenwart weiter zu spinnen und neue Formen der Präsentation zu integrieren. So sollen die Texte kürzer und einprägsamer werden. An interaktiven Informations- und Recherchestationen können die Ausstellungsbesucher in Zukunft Geschichte sehr individuell abfragen. Da viele Nachkommen von Göppinger Juden kein Deutsch mehr sprechen, sollen sie sich künftig mit Hilfe von englischsprachigen Audioguides informieren können. Dies hält Rueß für besonders wichtig, da seiner Erfahrung nach das Interesse dieser Menschen an der Geschichte sehr groß sei.

Recherchestationen für Besucher

Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, sollen persönliche Schicksale in der neuen Schau ein größeres Gewicht bekommen. Für sie ist eine Fläche im Obergeschoss der Kirche reserviert, wo auch ein großes Kapitel dem bekannten Rabbiner Aron Tänzer gewidmet werden soll. Mittlerweile seien so viele Biografien Göppinger Juden erforscht, dass eine Auswahl schwer falle. Deshalb können die Besucher an einer Recherchestation die Homepage der Stolperstein-Initiative anklicken, die in jahrelanger Fleißarbeit alle Lebensgeschichten der in der NS-Zeit ermordeten Göppinger Juden zusammengetragen hat. Es gebe auch Überlegungen, sagte Rueß, ein Gedenkbuch mit Kurzbiografien aller Göppinger Juden im Museum auszulegen.

Einen Schwerpunkt will die neue Ausstellung, die wie die bestehende Schau vom Stuttgarter Büro Kurt Ranger Design gestaltet wird, auf die Zeit nach 1945 legen. In den Fokus soll der Umgang mit den NS-Verbrechen, den Tätern und den Opfern gerückt werden. Ein weiteres Kapitel widmet sich der Erinnerungskultur der Nachkriegszeit von den Anfängen bis heute. Alle diese Aspekte sollen im Obergeschoss präsentiert werden, genauso wie eine Zeitschiene an der Empore. Rueß hofft, dass durch diese inhaltliche Ergänzung ein kritisches Geschichtsbewusstsein gestärkt werden kann.

Auch baulich soll sich einiges tun. Eine neue Beleuchtungstechnik soll genauso wie eine neue Vortragstechnik installiert werden. Die angegrauten Wände sollen gereinigt und die marode Holzkonstruktion des Ostgiebels saniert werden. Auf Anregung eines Diskussionsteilnehmers will Rueß auch noch ausloten, ob es nicht die Möglichkeit gibt, die WC-Anlage unter der Treppe zu verbessern.

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