Eigens für das Böblinger Pianistenfestival stellt die Firma Bösendorfer ihr neuestes Modell zu Verfügung. Der Flügel wiegt circa eine halbe Tonne und kostet 207 000 Euro.
Ein echtes Schwergewicht mussten die Mitarbeiter des von Piano Hölzle in Sindelfingen beauftragten Transportunternehmens am Donnerstagnachmittag auf die Bühne des Württembergsaals wuchten. Der Bösendorfer Flügel Modell 280 VC bringt mehr als eine halbe Tonne auf die Waage. Auch finanziell ist er kein Leichtgewicht: 207 000 Euro muss man für das nagelneue Modell aus der knapp 200 Jahre alten Wiener Klaviermanufaktur hinblättern.
Bisher ist der Flügel – übrigens der erste überhaupt in Deutschland – lediglich eine Leihgabe, die auf die gute Vernetzung des Festivalorganisators Ulrich Köppen in der Klavierszene zurückgeht – insbesondere über die Partnerschaft mit dem Wiener Beethoven-Wettbewerb. „Das Renommee des Böblinger Festivals ist inzwischen so groß, dass die Firma Bösendorfer bereit ist, für die Dauer des Festivals den Flügel umsonst zur Verfügung zu stellen, damit wir ihn einmal ausprobieren können“, sagt Köppen. Es falle lediglich ein sehr kleiner Betrag für Transport und Versicherung an.
Organisator und Kulturamt wollen Resonanz auf den Flügel abwarten
Eine Kaufentscheidung hält sich die Stadt Böblingen beziehungsweise die städtische Hallengesellschaft CC-BS noch offen. „Wir sind dankbar, dass wir durch die Vermittlung von Piano Hölzle für unser diesjähriges Pianistenfestival einen erstklassigen Bösendorfer-Flügel der neuesten Generation zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt Kulturamtsleiter Sven Reisch. So könne man weitere Erkenntnisse für klangliche Potenziale im Württembergsaal sammeln. „Im Nachgang der Festivalausgabe 2025 werden wir unsere Eindrücke sowie die Resonanz der Künstler und des Publikums reflektieren. Weiteres lässt sich erst danach sagen“, betont Reisch.
„Der Flügel ist gut, aber natürlich auch etwas in die Jahre gekommen. Es reißen immer wieder Saiten“, spricht Köppen über den bisher eingesetzten Sauter-Flügel. Das 2007 angeschaffte Instrument habe damals einen Riesenfortschritt gegenüber dem 1996 gebraucht für die Landesgartenschau gekauften Steinway-Flügel bedeutet. Dennoch mehrten sich zuletzt kritische Stimmen.
„Nicht wenige Besucher bemängeln einen etwas aggressiven Klang“, berichtet Köppen und auch für die Vortragenden sei das Instrument eine Herausforderung. „Sie müssen sich, wie bei jedem Flügel, etwas auf ihn einstellen und brauchen daher auch immer einige Spielstunden vor dem Konzert, manchmal auch noch am Tag vorher“, sagt der promovierte Musikwissenschaftler und freie Journalist aus Grafenau.
Warmer und brillanter Klang, technisch „State of the Art“
Der Bösendorfer stelle „die optimale Kombination von einem warmen und farbigen, aber auch brillanten Klang dar“, erklärt Köppen. Außerdem sei das Instrument bei technisch außerordentlich anspruchsvollen Klavierkompositionen in der Mechanik „State of the Art“. Genau dafür steht das Böblinger Festival, weswegen die Pianistinnen und Pianisten sich laut Köppen schon sehr auf das neue Arbeitsgerät freuen würden.
Erster „Testpilot“ am neuen Flügel ist Mihály Berecz. Der gebürtige Ungar eröffnet an diesem Freitag um 20 Uhr das Festival. Bei der Anlieferung am Vortag war er schon vor Ort im Württembergsaal, um den Bösendorfer auszuprobieren. Wie er ihm gefällt? Sein strahlendes Lächeln war Antwort genug.