So sieht der neue Hotzenplotz aus Foto: Thienemann-Verlag

Der neue Hotzenplotz-Band vom Thienemann Verlag aus dem Nachlass des Autors Otfried Preußler ist ein echter Hit zum Vorlesen im Kinderzimmer. Die Geschichte ist zwar nicht ganz neu, aber bringt wieder alles, was die Herzen aller Hotzenplotz-Fans höher schlagen lässt.

Stuttgart - Herbei herbei, / Wo auch immer er sei! / Der neue Hotzenplotz, / Er stelle sich ein / ­Hokupokus – so soll es sein!“ Es scheint fast, als habe Petrosilius Zwackelmann gezaubert, so urplötzlich zieht der Stuttgarter Thienemann-Verlag eine bisher unbekannte Räubergeschichte vom 2013 verstorbenen Otfried Preußler aus dem Ärmel.

Bei genauer Betrachtung ist das Säbelrasseln allerdings nicht so spektakulär wie angekündigt. Eine Sensation wäre es gewesen, wenn es sich beim „neuen Hotzenplotz“ wirklich um einen vierten Band gehandelt hätte und man nun endlich erfahren würde, ob er den Räuberhut tatsächlich an den Nagel gehängt hat. Trotzdem ist die Aussage des Autors im dritten Band – „Dies ist die endgültig letzte Kasperlgeschichte von Otfried Preußler“ – falsch. Hat sich doch der große Kinderbuchautor schon vor fünfzig Jahren für ein Theaterstück eine weitere Episode einfallen lassen, die auch als solche publiziert wurde und nun mit dem Titel „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ erstmals in Buchform erschienen ist. Das Ganze ist das Buch zu einem Theaterstück – wie der Fachmann sagt: ein Tie-in – sprachlich solide in Form gegossen von der Tochter Susanne Preußler-Bitsch.

Erst den Räuber anlocken, dann überwältigen

„Die Fahrt zum Mond“, so der Titel der dramatischen Fassung, wurde 1967 und damit zwei Jahre vor Erscheinen des zweiten Bandes, „Neues von Räuber Hotzenplotz“, verfasst. Das erklärt Analogien in der Handlung. Denn beide Geschichten erzählen, wenn auch in Varianten, wie der 14 Tage im Spritzenhaus Eingesperrte ausbricht und Kasper mit Seppel versucht, ihn mit List zu Fall zu bringen.

Dabei wird auf die schon in Band 1 erprobte Taktik zurückgegriffen: erst den Räuber anlocken, dann überwältigen. In der neuen Episode ist es keine Kiste mit der Aufschrift „Achtung, Gold!“, sondern eine selbst gebastelte Rakete. Die Freunde streiten auf dem Weg zur Räuberhöhle lautstark, wer fliegen darf, um Silber vom Mond zu holen. Als Hotzenplotz das hört, stellt er die beiden, verlangt, selbst der Erste zu sein, und glaubt auch noch, dass der Kartoffelsack ein Raumanzug sei. Unversehens ist er in der Zwangsjacke festgezurrt und dem Wachtmeister übergeben.

Der neue Zeichner heißt Thorsten Saleina

Gewohnt souverän baut Preußler den bildhaften Ausspruch „jemanden auf den Mond schießen“ zum zentralen Motiv aus, erzählt im Vergleich zum komplexen Geschehen der dicken Bände aber sehr linear. Genau diese einfache Handlungsstruktur in Verbund mit vielen farbigen Bildern empfiehlt die kurze Geschichte als Vorlesestoff für alle Hotzenplotz-Anfänger.

Thorsten Saleinas Bilder sind malerischer, aber ebenso karikierend wie jene von Franz Josef Tripp, der einst die drei Originalbände „mit der Zeichenfeder aufgespießt hat“ und 1978 verstorben ist. Ansonsten ist aber alles beim Alten: Hotzenplotz gibt sich Mühe, ein guter Räuber zu sein, der Kasper ist schlauer als der Seppel, die Großmutter sorgt für das kulinarische Happy End, Wachtmeister Dimpfelmoser redet geschwollen. Und der kleine, aufmerksame Zuhörer ist stets schlauer als alle Figuren und kann sich trotz aller Aufregung königlich über das „erzählte Kasperltheater“ amüsieren.

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