Die britische Kette will Marktführer in Deutschland werden und baut besonders auf Stuttgart als Standort. Fünf Hotels sollen es bislang sein, darunter jenes im Europaviertel, das die Sicht auf die Stadtbibliothek einschränkt.
Die britische Hotelkette Premier Inn betreibt ihre Expansionspolitik auch und gerade in Stuttgart weiter. Nach einem ersten Hotel in Feuerbach ist an diesem Freitag das zweite Haus eröffnet worden. Am Flughafen ist inzwischen das Holiday Inn Express übernommen worden, auch die Standorte Zuffenhausen und Sindelfingen stehen auf dem Plan. Und dann gibt es ja noch den Gebäudekomplex mit Hochhaus, das zum Ärger vieler Stuttgarter die Sicht auf die Stadtbibliothek deutlich einschränkt. Dieses Premier Inn Stuttgart City Europaviertel soll im ersten Quartal 2022 eröffnet werden.
Betten vom Hoflieferanten des britischen Königshauses
Auch das Premier Inn Stuttgart City Centre liegt in diesem Baugebiet, allerdings an der Wolframstraße 29 und somit hinter Stadtbibliothek und Milaneo. Es hat 144 Zimmer, die mehr oder minder gleich aussehen und den gleichen Komfort bieten, getreu der Markenbotschaft: „Alles Premium. Außer der Preis“. Sie sind rund 20 Quadratmeter groß, ausgestattet mit Betten vom Hoflieferanten des britischen Königshauses und haben bodentiefe Fenster mit Schallisolierung, schließlich verläuft die Bahnlinie in unmittelbarer Nähe. Oder wie es die Managerin Miriam Saalmann umgekehrt ausdrückt: „Wenn man mit dem Zug nach Stuttgart kommt, kann man unser Hotel schon sehen.“
Ein Zimmer für 55 Euro zu zweit ist durchaus möglich
Saalmann ist als sogenannte Cluster-Managerin für mehrere Häuser zuständig. Zur Eröffnung eines Hotels unterstützt sie das Personal vor Ort und begleitet die zwei Tage Probebetrieb. Seit Freitag nun kann eingecheckt werden, die Preise sind dynamisch, wie Saalmann erklärt. Je früher man bucht und je geringer die Auslastung ist, desto günstiger ist der Preis in diesem Budgethotel. Stichprobe für den 20. August: 55 Euro für ein Zimmer, egal ob einzeln, zu zweit oder zu dritt belegt. Über konkrete Auslastungszahlen äußert man sich im Unternehmen nicht, die Managerin Saalmann sagt aber zum Beispiel über das Haus in Feuerbach, das im Oktober 2020 eröffnet wurde: „Die Platzierung am Markt ist so gelaufen, wie wir es uns gewünscht haben“ – im Rahmen der Möglichkeiten, die die Coronapandemie eben zugelassen hat. Und apropos: „Mit unseren Preisen wollen wir maximal transparent und flexibel sein“, so Saalmann. In Corona-Zeiten sei also eine kostenfreie Stornierung auch noch am Anreisetag möglich.
Trotz Coronapandemie wird weiter in neue Häuser investiert
Warum gerade Stuttgart als Standort so interessant ist, begründet Saalmann damit, dass es viele große Firmen, einen starken Mittelstand und keine zu große Abhängigkeit von internationalen Kongressen wie etwa in Frankfurt gebe. Die Deutschlandchefin von Premier Inn, Inge Van Ooteghem, formuliert es so: „Ein gleichermaßen wirtschaftlich und auch touristisch interessanter Standort wie Stuttgart bleibt trotz der Coronapandemie extrem gefragt und deshalb besonders in unserem Fokus.“ Laut Saalmann sei die Nachfrage in der Landeshauptstadt schon spürbar, wenn auch nicht so sehr wie in den klassischen Ferienregionen.
Aber bei Premier Inn denkt man ohnehin in ganz anderen Zeitdimensionen und Maßstäben, plant sehr groß und auf sehr lange Sicht. Die Hotelkette gehört zum britischen Unternehmen Whitbread PLC, das mit mehr als 29 000 Mitarbeitern führender Hotelbetreiber im Vereinigten Königreich ist. Erst 2016 in Deutschland gestartet, soll Premier Inn mit 300 anvisierten Hotels Marktführer werden. 73 Standorte sind bereits gesichert – zur Verdeutlichung: im Oktober 2020 waren es noch 20 weniger. Das Premier Inn Stuttgart City Centre ist die 29. Eröffnung. Um mehr Planungssicherheit zu haben, sind viele Hotels Eigentum des Unternehmens, im Haus an der Wolframstraße ist man allerdings zur Pacht. Besitzer der neu errichteten Immobilie ist eine Objektgesellschaft der Firmengruppe Schmid im oberschwäbischen Baltringen.