Ein neues Gründerzentrum soll ab nächstem Jahr junge Unternehmen nach Leinfelden-Echterdingen locken und damit die Arbeitsplätze der Zukunft am Ort entstehen lassen. Wie ist der aktuelle Stand der Ideenschmiede?
Sie biegen auf die Zielgerade ein: Anfang kommenden Jahres soll es ein sogenanntes Gründerzentrum in Leinfelden-Echterdingen geben. Dort sollen junge Unternehmen optimale Startbedingungen erhalten. Das Ziel ist es, zukunftsträchtige Firmen in der Region zu halten. Während der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses stimmten die Stadträte vorberatend für den nächsten Gemeinderat einstimmig dafür, dass die Kommune einen fünfjährigen Mietvertrag für ein Gebäude im Westen des Gewerbegebiets Echterdingen Nord (Friedrich-List-Straße) abschließt. Anschließend werden noch einige Umbauarbeiten notwendig sein, bevor die ersten Unternehmen einziehen können.
Der Grundsatzbeschluss für das Gründerzentrum fiel bereits im Mai 2023. „Wir müssen das Feld für zukünftige Generationen jetzt bestellen“, erklärte die Wirtschaftsförderin Angelika Goldak. Bedingt durch die Nähe Leinfelden-Echterdingens zu Universitäten und Fachhochschulen gebe es eine rege Gründertätigkeit in der Region. Die räumlichen Angebote an den Hochschulen seien ausgelastet. Im schlechtesten Fall würden die jungen Menschen mit guten Ideen, die ein Unternehmen aus dem Studium heraus gründen wollten, in andere Regionen abwandern. Mit dem Gründerzentrum solle dies vermieden werden. Gleichzeitig könnten damit Unternehmen mit Zukunft am Standort angesiedelt werden. So würden die „Arbeitsplätze von morgen und übermorgen“ geschaffen, betonte Goldak.
Vier Etagen auf 880 Quadratmetern
Der Standort ist auch deshalb optimal, weil er an einem bestehenden Gewerbegebiet liegt. Für die Gründer bietet das neue Zentrum verschiedene Vorteile. Einerseits können Flächen in unterschiedlichem Umfang angemietet werden. Ferner kann Infrastruktur wie ein Sekretariat gemeinsam genutzt werden. Außerdem können Themen wie Beratung und Coaching bei der Planung, dem Aufbau der Firma sowie Unterstützung bei der Kapitalsuche gemeinsam angegangen werden. Hinzu kommt die einfachere Netzwerkarbeit.
Auf vier Etagen sollen auf 880 Quadratmetern Labore, Werkstätten, Büros und Gemeinschaftsräume entstehen. Neben Forschung und Entwicklung soll auch eine Kleinproduktion ermöglicht werden. Auch an Logistikflächen wird gedacht. Über das Raumprogramm sprach Moritz Meidert vom Unternehmen Gründerschiff, das die Stadt beim Aufbau des Gründerzentrums unterstützt. Ein großer Vorteil sei, dass das Gebäude bereits vorhanden ist. „Die Umbaumaßnahmen sind entspannt“, meinte Meidert.
Der Betrieb des Gründerzentrums soll öffentlich ausgeschrieben werden, die Trägerschaft aber bei der Stadt bleiben. Für die Startphase gibt die Stadt 150 000 Euro hinzu. In den kommenden fünf Jahren könnten noch einmal durchschnittlich 200 000 Euro jährlich hinzukommen, anfangs etwas mehr, später etwas weniger. Dass das Gebäude lange leer stehen wird, glaubt Meidert nicht. Er rechnet mit einer Auslastung von 80 bis 85 Prozent in den ersten fünf Jahren.
Zuspruch auch von örtlicher Industrie
Rückenwind bekommt das Projekt auch von der örtlichen Industrie- und Wirtschaftsvereinigung (IWV). Daniel Ludin, der Vorsitzende des Vorstandes, berichtete im Technischen Ausschuss über die schwierigen Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandortes. „Das Kapital wird eng, viele Unternehmen kämpfen ums Überleben“, meinte er. Hinzu komme bei manchen Firmen die schwierige Suche nach einem Nachfolger in der Unternehmensführung. Es müsse eine Ära des Wandels eingeleitet werden. „Wo sind unsere Gründer?“, fragte Ludin rhetorisch. Ihnen müssten gute Bedingungen geboten werden – „damit wieder neue erfolgreiche Unternehmen entstehen können“, erklärte er. Die einstige Innovationskultur, die den Standort erfolgreich gemacht habe, müsse wiederkehren. Das Gründerzentrum sei eine wichtige Einrichtung dafür.
Im Technischen Ausschuss fielen die vorgestellten Pläne auf ungeteilte Zustimmung. „Wir freuen uns sehr, dass es in einem Bestandsgebäude realisiert werden soll“, sagte die Grünen-Stadträtin Barbara Engler. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Klauser hob die Vorteile des unternehmerischen Umfelds des zukünftigen Gründerzentrums hervor. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass die neuen Unternehmer Wohnraum in der Stadt benötigten und das Gebiet im Norden von Echterdingen baurechtlich angepasst werden müsse. „Da haben wir noch viel vor uns“, erinnerte Klauser. Für die CDU wiederholte der Stadtrat Hartmut Raff die Forderung nach weiteren Gewerbeflächen. „Es bringt nichts, wenn die Gründer irgendwann woanders hingehen“, warnte er. Dem entgegnete die Wirtschaftsförderin Goldak, dass sowohl im bestehenden Gebiet Echterdingen Nord als auch im neuen Gebiet Rötlesäcker Flächen für neue Unternehmen entstehen könnten.
Arbeitsplätze für die Zukunft
Name
Bislang firmiert das Gründerzentrum mit dem Titel „Gründerkraut“. Die Meinungen zur Namensgebung gehen aber auseinander, wie die Diskussion im TA zeigte. Während die Grünen-Stadträtin Barbara Engler den Namen gut fand, äußerte der Stadtrat Walter Vohl (Freie Wähler) seine Skepsis. „Das hört sich wie Unkraut an“, meinte er.
Umfeld
In der Umgebung von Leinfelden-Echterdingen gibt es zahlreiche Universitäten und Hochschulen. Neben den Universitäten in Stuttgart, Hohenheim und Tübingen gibt es die Fachhochschulen Esslingen, Nürtingen-Geislingen und die Hochschule Reutlingen. Darüber hinaus liegt der zweitgrößte Forschungsstandort der Fraunhofer-Gesellschaft, das Institutszentrum Stuttgart mit fünf eigenständigen Instituten, ebenfalls direkt vor den Toren Leinfelden-Echterdingens.
Standort
Vor Ort finden die Unternehmensgründer einen starken Wirtschaftsstandort vor. Es gibt Softwaretechnologieunternehmen, Maschinenbau, Holz- und Metallverarbeitung, Elektronik, Verlags- und Druckgewerbe, diverse Dienstleistungen und Handel. Vom Kleinunternehmern über Mittelständler bis hin zur Zentrale von Daimler Truck gibt es eine Vielzahl an Firmen in der Stadt. .