Das neue Gewerbegebiet zwischen Marbach und Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg) kann nun doch in vollem Umfang entwickelt werden. Ein großer Betrieb klinkt sich aber fürs Erste aus.
Etliche Gemeinden sind unter anderem wegen der Wirtschaftsflaute ins Trudeln gekommen, Einnahmen aus der Gewerbesteuer teils heftig eingebrochen. Besser gewappnet in solchen Krisen wären zumindest die Kommunen Marbach und Erdmannhausen, wenn sie schon von dem gemeinsamen Gewerbegebiet im Bremental zehren könnten. Auf rund neun Hektar sollen sich hier, unterhalb der Kreisstraße zwischen den beiden Kommunen, einmal Unternehmen ansiedeln können. Doch das Projekt kam in der Vergangenheit nicht recht vom Fleck. Und auch jetzt gibt es nicht nur erfreuliche Nachrichten zu dem Thema.
Ein Nackenschlag dürfte sein, dass sich der Marbacher Spannmittelspezialist Hainbuch fürs Erste von seinen Plänen verabschiedet hat, in dem Areal einen Neubau zu realisieren. „Aktuell sind unsere räumlichen Gegebenheiten ausreichend für uns und wir planen derzeit keine Erweiterung“, erklärt Christina Große Kathöfer, Marketing-Leiterin des Mittelständlers mit weltweit rund 800 Mitarbeitenden. „Potentielle Erweiterungsoptionen möchten wir daher auch erst ausloten, wenn das Thema Erweiterung an sich wieder relevant wird“, fügt sie hinzu.
Selbst wenn sich damit ein großes Unternehmen ausklinkt, wird das Gesamtprojekt nicht zu den Akten gelegt. Der Erdmannhäuser Bürgermeister Marcus Kohler stellt klar, dass das Areal auch entwickelt wird, wenn Hainbuch zunächst nicht mit im Boot ist. Und die gute Nachricht aus Sicht der Kommunen ist, dass der Spatenstich näher gerückt ist – und das Gebiet vor allem vollumfänglich erschlossen werden kann.
Letzteres war zuletzt nicht angedacht. Das Gelände sollte in zwei Abschnitten urbar gemacht werden. In einem ersten Schritt wollte man sich auf eine Fläche konzentrieren, auf der sich neben eben Hainbuch das Marbacher Autohaus Bühler würde ansiedeln können. Danach wäre der restliche Bereich angepackt worden. Ein Vorgehen, das aus der Not heraus geboren worden war. Durch das Gesamtgebiet verläuft nämlich aktuell im Regionalplan eine Grünzäsur.
Dabei handelt es sich um einen rund 350 Meter breiten Korridor, in dem eine Bebauung tabu ist und der ein Zusammenwachsen der Kommunen unterbinden soll. Um auch den zweiten Abschnitt des Gewerbegebiets anpacken zu können, muss der Trennstreifen erst 100 Meter in Richtung Erdmannhausen verschoben werden. Kurioserweise soll er genau dorthin zurückwandern, wo er früher vermerkt war. Verlegt worden war die Zäsur in Richtung Marbach vor mehr als 15 Jahren. Damals stand noch die später verworfene Überlegung im Raum, zwei kleinere Gewerbegebiete zu realisieren, eines direkt an Marbach angrenzend und eines an der Riedstraße in Erdmannhausen.
Für die abermalige Verschiebung der Grünzäsur an ihre ursprüngliche Stelle habe man inzwischen grünes Licht vom Verband Region Stuttgart bekommen, verkündet Marcus Kohler. „Wir können jetzt das Gesamtgebiet entwickeln, auch wenn uns das zwei Jahre Zeit gekostet hat“, sagt der Bürgermeister von Erdmannhausen, auf dessen Gemarkung sich das komplette Gebiet befindet. Momentan führe man Verhandlungen über die Grundstücke. „Wir haben schon welche gekauft“, sagt Kohler. Insgesamt müsse man mit rund 30 Parteien handelseinig werden. „Dahinter steckt ein großer Aufwand.“
Der weitere Zeitplan sehe vor, 2027 die Erschließungsplanung zu machen. 2028 könne dann vielleicht der Spatenstich erfolgen. Kohler berichtet, dass die Firma Bühler nach wie vor ihr Autohaus aus der Rielingshäuser Straße in Marbach raus ins Gewerbegebiet verlagern wolle. Andere Betriebe aus Erdmannhausen und Marbach hätten ebenfalls Interesse bekundet, aber auch Unternehmen aus der ganzen Region.
„Der Bedarf ist da, sonst wäre das Gebiet auch nicht genehmigt worden“, betont der Bürgermeister, der zudem die Bedeutung des Areals herausstreicht. „Für uns als Gemeinde ist das Gebiet wichtig. Wir brauchen dringend die Gewerbesteuer“, erklärt er.