Sabine Walter und Jörg Siedler haben früher selbst die Waldheimwochen im Sommer genossen. Später waren sie im Waldheim Möhringen für die Kinder aktiv. Foto: Markmann (z)

Sabine Walter und Jörg Siedler sind die neuen guten Geister im Waldheim Vaihingen. Sie kennen den Ort bereits aus ihrer eigenen Kindheit. Die 41-Jährige hat nun den Hausmeister-Job übernommen, ihr Mann unterstützt sie.

Vaihingen - Von der höher gelegenen Waldburgstraße aus betrachtet wirkt das Gelände des evangelischen Waldheims in Stuttgart-Vaihingen jetzt, da es zu grünen beginnt, idyllisch: Hohe Bäume, eine Rasenfläche von 40 Ar, ein einladender Spielplatz – hier lässt es sich aushalten. Das sieht auch Sabine Walter so. „Für mich ist ein kleiner Lebenstraum in Erfüllung gegangen“, sagt die 41-Jährige. Sie hat im Oktober 2020 die Hausmeisterstelle im Waldheim übernommen. Gemeinsam mit ihrem Mann Jörg Siedler, der sich vor allem um handwerkliche und technische Belange kümmert. Sie sind verantwortlich für alles, was vom Rasenmähen bis zur technischen Wartung anfällt.

„Im Büro war ich immer ein bisschen unglücklich“, blickt die gelernte Zahnarzthelferin zurück und seufzt. Zuletzt war sie in der Buchhaltung eines Steuerberaters tätig. „Mir hat es gefehlt, mit Menschen zu tun zu haben“, stellt sie fest. Entsprechend groß ist die Vorfreude auf das Waldheimleben, das nach Ostern offiziell wieder losgehen soll. Unter Coronabedingungen zwar, aber immerhin doch.

Bestimmter Menschenschlag im Waldheim

„Waldheim bedeutet Gemeinschaft“, erklärt Sabine Walter mit leuchtenden Augen. Sie habe sich als Kind immer schon lange vorher auf die Aufenthalte gefreut, erinnert sie sich. Es sei bei allen Unterschieden, was Beruf oder sozialen Hintergrund angehe, ein bestimmter Menschenschlag, der sich dort ehrenamtlich engagiere. „Es gibt ähnliche Ideale“, pflichtet Jörg Siedler seiner Frau bei. „Angefangen dabei, dass man etwas für andere tun möchte.“

Die beiden wissen, wovon sie sprechen: Als Kinder und Jugendliche genossen sie selbst die Waldheimwochen im Sommer, später waren sie im Waldheim Möhringen für die Kinder aktiv; sie in der Küche, er als Zivildienstleistender und technischer Mitarbeiter. Als es gefunkt hat, kannten sie sich schon lange.

Große Freude über besonderen Lebensmittelpunkt

Ein Einzelfall ist das Paar nicht. „Waldheim-Ehen gibt es häufiger“, gibt Sabine Walter schmunzelnd zu verstehen. „Wir haben hier in Vaihingen Bekannte, die auch dort zusammengefunden haben.“ Dass die Freizeit- und Ferieneinrichtung dann auch noch zum Lebensmittelpunkt wird, ist aber doch etwas Besonderes. Befürchtungen, es könne wegen des Trubels vor der eigenen Haustür zu viel werden, haben die neuen Beauftragten für Haus und Gelände nicht. Siedler ist sich lediglich im Hinblick auf Festivitäten im großen Saal etwas unsicher. Das könne schnell laut werden, konstatiert er und blickt sich im Raum um, der angemietet werden kann. „Ich denke, wenn hier jemand Hochzeit feiert, werden wir einiges mitbekommen“, überlegt er. „Wir wohnen schließlich direkt nebenan.“ „Die meisten Leute werden schon etwas Rücksicht nehmen“, sagt Sabine Walter zuversichtlich.

Zufrieden sind die Neuen auch mit ihrem Arbeitgeber: der evangelischen Kirche. „Wir sind im CVJM Möhringen aktiv“, nennt die Hausmeisterin ein Beispiel für die Anbindung in Glaubensfragen. „Waldheim bedeutet unter anderem, Angebote zu machen, die vermitteln, wie lebendig Gemeinde sein kann. Hier kommen auch Menschen zu einer Andacht, die nicht in einen Sonntagsgottesdienst gehen würden.“ Ihr Partner fügt hinzu: „Ich denke, man kann insgesamt sagen, dass Waldheim eine eigene kleine Welt für sich ist.“ Er arbeitet neben den Hausmeisterdiensten als selbstständiger Zweiradmechanikermeister. „Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen ich ganz abgetaucht bin, solange wir im Sommer für Gruppen da waren“, sagt er. „Erst danach habe ich mich wieder hingesetzt und Nachrichten geguckt. Das war dann der Schritt zurück in den Alltag“.

Waldheime seien „Schätzchen der Gemeinde“

Mit dem Ortswechsel und dem neuen Job einverstanden sind auch die sechs- und neunjährigen Töchter. Allein das große Grundstück vor der Haustür sei ein gutes Argument, ist sich die Mutter sicher. Waldheime seien in gewisser Weise immer auch „Schätzchen der Gemeinde“, sagt sie.

Die sommerlichen Aufenthalte für Kinder sind die prominenteste, aber nur eine Facette dessen, was sich in Waldheim-Einrichtungen abspielt. Ob Projekte wie „Schule im Grünen“ oder Seniorenfreizeit: Die Angebote übers Jahr sind in normalen Zeiten vielseitig. Flexibilität ist gefragt. Und genau das ist es, worauf sich das neue Hausmeisterpaar freut: Begegnungen mit verschiedenen Menschen und Mitwirkung an einem Treffpunkt, der die Vaihinger zusammen bringt.

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