Das Einkaufszentrum kämpft aktuell gegen Leerstände. Besonders die anstehende Schließung der Karstadt-Filiale trübt die Stimmung.
Selbst wenn man es draußen nicht so wirklich merkt: Der Frühling ist auf dem Vormarsch. Und damit beginnt auch jene Jahreszeit, in der nach ausgiebigem Frühjahrsputz in Haus und Garten die eigenen Räumlichkeiten optisch aufgefrischt werden. In Leonberg hat die dekobewusste Kundschaft demnächst eine weitere Gelegenheit, sich mit den entsprechenden Accessoires einzudecken. Im Leo-Center öffnet im Juni eine Filiale von Depot Outlet.
Hinter diesem Markennamen verbirgt sich die Gries Deco Company mit Sitz im unterfränkischen Niedernberg. Vor mehr als 60 Jahren wurden im Betrieb von Oskar Gries künstliche Früchte und Christbaumschmuck gefertigt, mittlerweile beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Aussagen gut 5200 Mitarbeiter in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beliefert werden die rund 540 Filialen nach Unternehmensangaben von einem der „größten und modernsten Logistikzentren Deutschlands“ im beschaulichen Niedernberg.
Mehrere Standorte in der Region
Das Filialnetz wurde in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, in der Region Stuttgart ist Depot mit mehreren Standorten in der Landeshauptstadt selbst, in Ludwigsburg, Sindelfingen, Böblingen und Leinfelden vertreten. Nun kommt in Leonberg das Outlet hinzu.
Nachdem auch das Leo-Center nicht erst seit der Coronakrise unter Leerständen leidet und damit sogar für kommunalpolitische Diskussionen gesorgt hat, ist die Centermanagerin froh, dass eine wichtige Lücke in der Shoppingmall geschlossen wird. „Mit Depot Outlet haben wir einen hochwertigen und attraktiven Anbieter bei uns“, sagt Nadine Fensterer, dem sie zudem eine Funktion als Frequenzbringer zubilligt.
Den kann das Einkaufszentrum, das in diesem Jahr 50 Jahre alt wird und nach wie vor eine wichtige Rolle als Nahversorger in der Raumschaft zwischen Ditzingen und Weil der Stadt hat, gut gebrauchen. Viele anspruchsvollere Kundinnen und Kunden beklagen, dass das Leo-Center im Lauf der Jahre an Qualität verloren habe. Die inhabergeführten Fachgeschäfte sind längst den Filialen der zahllosen Ketten gewichen. Im Januar erst hatte die Optiker-Kette Fielmann im Leo-Center ein Geschäft eröffnet. Das war nicht nur auf Begeisterung gestoßen, gibt es damit doch fünf Optiker allein im Center und zusätzlich ein weiteres Fachgeschäft in unmittelbarer Nachbarschaft. Auf uneingeschränkt positive Resonanz ist hingegen die Erweiterung der Bäckereifiliale von Trölsch gestoßen. Das Familienunternehmen aus Münchingen bietet jetzt auch ein Café mit Snacks an.
Noch ein Funken Hoffnung bei Karstadt
Dass nach jetzigem Stand der Dinge in neun Monaten die Karstadt-Filiale schließen wird, macht die Lage nicht einfacher. Das Warenhaus gehört auf vier Etagen von Anbeginn zum Leo-Center und ist für die Betreibergesellschaft ECE der wichtigste Ankermieter. Jetzt aber steht sie auf der Streichliste des Galeria-Konzerns. Betroffen wären in Leonberg mehr als 60 Arbeitsplätze.
Ganz aufgegeben hat Dietmar Weigelt die Hoffnung auf einen Weiterbetrieb noch nicht. „Dennoch lautet der jetzige Status Schließungsfiliale“, sagt der Vorsitzende des Leonberger Betriebsrats. Er weiß, dass hinter verschlossenen Türen noch weiterverhandelt wird. „Aber im Moment ist es ruhig, sehr ruhig.“
Den Hauch einer Chance sieht der Arbeitnehmervertreter, der schon mehrere Krisen mitgemacht hat, in einer möglichen Verkleinerung der Verkaufsfläche: „Das gesamte unternehmerische Konzept läuft darauf hinaus, die Fläche und die Zahl der Mitarbeiter zu reduzieren.“ In Leonberg könnte sich Dietmar Weigelt vorstellen, dass es – wenn überhaupt – um ein ganzes Stockwerk geht.
Unterdessen laufen die Vorbereitungen für den schlimmsten aller Fälle. Der Gesamtbetriebsrat des Galeria-Konzerns hat eine Auffanggesellschaft installiert. „Es geht um Qualifizierung“, sagt Weigelt. Viele der langgedienten Karstadt-Frauen hätten seit 20 oder 30 Jahren keine Bewerbung mehr schreiben müssen. „Die wissen doch oft gar nicht, was man da heutzutage hineinschreiben muss.“
Die Kunden wollen helfen
Der Geschäftsbetrieb geht unterdessen normal weiter. „Die Kundenfrequenz ist gut, viele fragen, wie sie uns helfen können oder wollen für den Erhalt der Filiale unterschrieben“, schildert der Betriebsratschef. „Das tut natürlich gut.“
Doch bevor an Unterschriftenlisten oder andere Aktionen gedacht sei, wollen die Arbeitnehmervertreter erst einmal die weiteren Gespräche und deren Ergebnisse abwarten. „Vielleicht geht ja doch was. Es wäre ein kleines Wunder, aber schau’n mer mal.“