An der Konrad-Kocher-Schule gibt es bereits einen Bolz- und Spielplatz. Foto: factum/Granville

Läuft alles nach Plan, wird in Ditzingen der lang ersehnte Freizeitplatz für Jugendliche bei der Konrad-Kocher-Schule im Frühjahr gebaut. Die Jugendlichen sind froh – zumal sie sich bisweilen an den „merkwürdigsten Stellen“ treffen müssen.

Ditzingen - Die Ditzinger Jugendlichen haben allen Grund zur Freude: Sie kämpfen seit Jahren für ein Freizeitgelände in der Stadt. Nun sieht alles danach aus, als könnten sie im Sommer einen solchen Platz auf dem Areal der Konrad-Kocher-Schule einweihen. Noch im Dezember will der Gemeinderat die Arbeiten für eine Lärmschutzwand ausschreiben, diese soll im Frühling gebaut werden, bevor die Überdachung und die Freifläche folgen.

Jugendliche: Freizeitplatz ist „dringend nötig“

Der Weg zum Freizeitgelände war und ist steinig. Die Suche nach einer geeigneten Fläche zog sich, und die Anwohner haben nach wie vor Bedenken und Ängste. Sie befürchten vor allem Lärm und Müll. Im Herbst kamen aus der Nachbarschaft ein Einspruch gegen die Baugenehmigung sowie ein entsprechender Antrag beim Stuttgarter Verwaltungsgericht. Doch solange die Behörde den Widerspruch nicht anordnet, steht dem Bau laut Verwaltung nichts im Wege. „Wir können die Arbeiten ausschreiben und vergeben“, sagt der Sprecher der Stadt, Steffen-Michael Eigner.

Die Jugendlichen hören das gern. Sie halten einen Freizeitplatz für „dringend nötig“. Laut Kerria Drüppel können sich Jugendliche auf öffentlichen Plätzen nur bis 22 Uhr aufhalten. „Doch gerade im Sommer brauchen wir einen Ort, an dem wir länger zusammensitzen und auch mal grillen können“, sagt die 19-jährige Sprecherin des Jugendgemeinderats. Derzeit wanderten die Jugendlichen „von Ort zu Ort“, weil sie ständig weggeschickt würden. „Viele sind frustriert, weil sie keine Möglichkeit haben, zum Beispiel ihren Geburtstag zu feiern“, sagt Kerria Drüppel. Mangels Möglichkeiten habe auch sie sich schon an den „merkwürdigsten Stellen“ getroffen: Etwa „tief im Wald“ bei Stuttgart-Hausen, „stockfinster“ sei es gewesen.

Lärmschutz: Theoretisch wäre ein Aufenthalt rund um die Uhr möglich

Auf dem Freizeitplatz für 150 000 Euro dürfen die jungen Leute künftig bis 1 Uhr Zeit miteinander verbringen. Dank der Lärmschutzwand könnten sie sich theoretisch rund um die Uhr dort aufhalten, sagt Steffen-Michael Eigner. „Die Lärmwerte werden nicht überschritten. Ein Aufenthalt rund um die Uhr ist aber nicht gewünscht.“ Der Sprecher der Stadt versteht die Bedenken der Anwohner. Gleichwohl sei der Verwaltung daran gelegen, dass das Gelände gut zugänglich und die Umgebung belebt ist. „Es ist wichtig, dass man im Notfall schnell Hilfe holen kann.“

Ohnehin soll das Freizeitgelände keine „Partylocation“ werden, betont Kerria Drüppel. Die 19-Jährige ist sich sicher, dass sich viele Ängste der Anwohner nicht bestätigen werden. Einige Bedenken nennt sie sogar „unverschämt“. Etwa „die Sorge, dass wir die Gärten vermüllen, ist uns gegenüber nicht fair“.

Erstmals treffen sich Nutzer und Anwohner persönlich

All das kann die 19-Jährige Ende Januar loswerden: Bei einem Treffen tauschen sich Jugendliche und Anwohner erstmals persönlich aus. Dabei soll sich eine Interessengemeinschaft aus Betroffenen und Interessierten bilden, die für einen „gelingenden Betrieb der Anlage“ sorgen soll. So sollen die Beteiligten gemeinsam Regeln zur Nutzung des Freizeitplatzes formulieren oder sich überlegen, wie das Leben auf dem Freizeitplatz begleitet werden kann.

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