Um die Böblinger Museen gibt es seit Jahren Diskussionen, vor allem fehlt ein Ort für die jüngere Stadtgeschichte. Dafür startet nun das Format „Stadtforum“.
Im Sommer 2019 schlugen die Wogen hoch. Ein externes Gutachten hatte die Auflösung des Bauernkriegsmuseums empfohlen und schlug gleichzeitig das neue Format „Stadtforum“ vor. Die Freunde und Förderer des Bauernkriegsmuseums waren entsetzt und protestierten vehement – in einer „Museumskonferenz“ im Böblinger Rathaus ging es hoch her, es wurde gestritten und geschimpft.
Die Überlegung, das Bauernkriegsmuseum zu schließen, verschwand daraufhin in der Schublade – nicht jedoch die Idee des Stadtforums. Und nun, fünf Jahre nach der Präsentation des Gutachtens, steht tatsächlich die Premiere an. Das erste Böblinger Stadtforum beginnt am Freitag, 20. September. Als übergreifendes Thema haben die Verantwortlichen den Klimawandel gewählt. Von September bis in den Januar 2025 wird das „Stadtforum für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ an drei verschiedenen Standorten präsent sein.
Kulturamtsleiter Sven Reisch hat das Projekt von seinem Vorgänger Peter Conzelmann übernommen und will über das neue Format einen offenen Umgang mit stadtgeschichtlichen Themen ermöglichen: „Ich nehme wahr, dass die Menschen in Böblingen mehr über die Geschichte ihrer Stadt erfahren möchten“, sagt Reisch, der das Kulturamt seit Sommer 2023 leitet, „zudem sehe ich es als Aufgabe von Kultur, Diskursräume für die Stadtgesellschaft anzubieten.“ Das Stadtforum solle beides miteinander verbinden. „Und es wird viele Aha-Erlebnisse bieten, zum Staunen, Nachdenken und auch Schmunzeln anregen – davon bin ich überzeugt“, so Reisch.
Im Zentrum steht die Mitmachausstellung „Der Preis ist heiß! – Klimawandel in Böblingen“. Die Stadtarchivarin Tabea Scheible und Lea Wegner, die Leiterin des Bauernkriegsmuseums, haben die Schau zusammengestellt. Es soll darum gehen, wie die Menschen – auch in Böblingen – Einfluss auf das Klima auf der Erde nehmen und welche Herausforderungen dadurch entstehen.
Während im Museum Zehntscheuer der Aspekt der Ernährung thematisiert wird, kommen im Foyer des Neuen Rathauses die Themen Verkehr, Müll und Luft zur Sprache. Im Stile einer „Pop-Up-Ausstellungsfläche“ wird im Rahmen des Stadtforums 2024 außerdem erstmalig die historische Scheune in der Unteren Gasse 9 bespielt. Hier geht es um das Phänomen Klimawandel im Allgemeinen. Die Scheune ist im Besitz der Stadt und seit geraumer Zeit als möglicher neuer Ausstellungsstandort im Gespräch.
Neben den Ausstellungen gibt es bis Mitte Januar auch ein umfangreiches Rahmenprogramm: eine Filmreihe im Kino, thematische Stadtspaziergänge und Führungen bis hin zu Mitmachaktionen für Kinder und Jugendliche. Die Themen der Veranstaltungen reichen von A wie Abfall bis Z wie Zukunftsenergie. Der Eintritt zu den Ausstellungen sowie zu den Veranstaltungen des Rahmenprogramms ist frei.
„Ort der Stadtgeschichte“ in der Unteren Gasse 9
Bereits 2022 hatte der damalige Kulturamtsleiter Peter Conzelmann das Konzept im Gemeinderat vorgestellt und die Umsetzung für Herbst 2023 angekündigt. Nun ist es ein Jahr später geworden. „Aufgrund der mehrmonatigen Vakanz in der Amtsleitung im Frühjahr 2023 kam es zu Verzögerungen im Projektablauf“, heißt es dazu vonseiten der Stadtverwaltung. Man habe sich dazu entschieden, der Premiere ausreichend Vorlaufzeit einzuräumen und die erste Ausgabe des Stadtforums zu verlegen.
Die Scheune in der Unteren Gasse 9 wird im Rahmen des Stadtforums zwar zum vorübergehenden Ausstellungsort, die tatsächliche Zukunft des Gebäudes bleibt aber noch unklar. Man wolle im Rahmen des Stadtforums bewusst diesen besonderen Ort in den Blick nehmen, heißt es vonseiten der Organisatoren, und ihn als „Ort der Stadtgeschichte im Werden präsentieren“.
Bis aber ein dauerhaftes Nutzungskonzept feststeht, wird es noch dauern – und auch die Frage, was genau dort eigentlich hinein soll, ist noch nicht geklärt. Seit Sommer 2022 ist die Stadtverwaltung vom Gemeinderat mit der „Erstellung eines konkreten Raumprogramms“ beauftragt – dabei wird die mögliche Nutzung als Stadtmuseum genauso genannt wie als Stadtarchiv oder gar der Umzug des Bauernkriegsmuseums in die Scheune. Genauere Pläne sollen aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2025 im Gemeinderat vorgestellt werden.
Ob sich dann einige Dauerprobleme beseitigen lassen? Die Städtische Galerie und das Bauernkriegsmuseum teilen sich seit jeher die Galerie Zehntscheuer, worunter beide leiden. Seit Jahrzehnten wird über eine Trennung diskutiert – ohne dass sich jemals eine Lösung gefunden hat. Und während im Fleischermuseum am Marktplatz ein eher experimentelles Programm läuft, hat die Stadtgeschichte nach wie vor keinen Platz.
Das Stadtforum beginnt am 20. September
Vernissage
Die Ausstellung „Der Preis ist heiß! – Klimawandel in Böblingen“ wird am Freitag, 20. September, um 18 Uhr im Museum Zehntscheuer eröffnet . Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Stefan Belz und einer Einführung von Kulturamtsleiter Sven Reisch geben die beiden Kuratorinnen Tabea Scheible und Lea Wegner Einblicke in die Ausstellungskonzeption. Musikalisch eröffnet wird das Stadtforum mit einer Recycling-Drum-Performance der Böblinger Schlagzeugklasse von Klaus Küting.
Programm
Alle Informationen und Termine sind im Programmheft oder unter stadtforum.boeblingen.de im Internet zu finden.
Bilderrahmen gesucht
Für die Ausstellung werden noch ausrangierte Bilderrahmen gesucht, gerne aus Holz, mit und ohne Glas. Die Abgabe ist am Donnerstag, 12. September von 8 bis 10 Uhr beim Stadtarchiv (Neues Rathaus, 1. Stock) oder nach vorheriger Terminvereinbarung unter der Adresse stadtarchiv@boeblingen.de per Mail möglich.