Bild von Stefan Häfner: Mann in schottischem Kostüm Foto: Stefan Häfner, Kreative Werkstatt Diakonie Stetten/Andrea Ebner

Ist Outsider-Kunst mehr als ein Schlagwort? Mit einem vielfachen „Ja!“ antwortet das Festival „Coming In!“ in Nürtingen. An diesem Freitag, 14. Juni, geht es los.

Der Landkreis Esslingen ist eine feste Größe in der Kunstregion Stuttgart. Das bestätigt sich erneut, wenn an diesem Freitag, 14. Juni, in Nürtingen ein Festival zur Outsider Art eröffnet wird. „Coming In!“ ist das Projekt überschrieben, das zehn Kunsteinrichtungen und die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt erarbeitet haben.

Freut sich auf „Coming In!“: Nürtingens Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann Foto: Ines Rudel

Ursprünglich initiiert von dem Stuttgarter Kunstvermittler Tobias Wall, macht „Coming In“ Nürtingen nun zu einem schon vorab überregional beachteten Forum der Outsider-Kunst. „Das Projekt ist gewissermaßen positiv explodiert“, sagt Nürtingens Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann mit spürbarer Begeisterung. Zudem sei „im Rahmen von ,Coming in!’ die Nürtinger Kunstszene nochmals enger zusammengerückt“.

„Coming In!“-Initiator: Tobias Wall Foto: mwk

Was aber ist überhaupt Outsider-Kunst? Als solche sehen die „Coming In“-Verantwortlichen „Kunst, die außerhalb der akademischen Kunstwelt zum Beispiel von Menschen mit physischen oder psychischen Beeinträchtigungen geschaffen wurde“. Eine bewusst offene Skizzierung, die Ausstellungen wie „Farben.Froh.Leben!“ mit Werken aus Offenen Werkstätten (Eröffnung in der Kreuzkirche Nürtingen an diesem Freitag, 14. Juni, um 18 Uhr) ebenso möglich macht wie das Projekt „Weg vom Fenster“ (Ruoff-Stiftung, Schellingstraße 12), in dem der Stuttgarter Maler und Performancekünstler Thomas Putze eigene seelische Tiefen kenntlich macht und zugleich einen „neuen Blick“ auf im Werk spürbare Erschütterungen bei dem Bildhauer und Maler Fritz Ruoff (1906-1986) aufmerksam machen möchte. Zur Eröffnung an diesem Sonntag um 11 Uhr führen „Coming In“-Initiator Tobias Wall und Thomas Putze einen Dialog – auch über Höhenflüge und Einbrüche.

Thomas Putze zeigt in der Ruoff-Stiftung Werke aus der Serie „Am Ruder“, Foto: Thomas Putze

Zentrales Moment zum „Coming In!“-Start ist an diesem Freitag (14 Uhr bis 16.45 Uhr) und Samstag (9 bis 12 Uhr) die Tagung „Kunst im Spannungsfeld von Inklusion und Exklusivität“ an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (Sigmaringer Straße 15/2).

Wiedersehen mit dem „Ikarus vom Lautertal“

Inklusion im besten Sinn zeigt sich in der Schau „In & Out – Revival“ im Kunstverein Nürtingen (Mühlstraße 16). Fünf Tage arbeiteten Menschen aller Generationen und aller Fähigkeiten gemeinsam an Werken für die Ausstellung. Eröffnung ist an diesem Samstag um 16 Uhr. Zuvor dreht sich in der Freien Kunstakademie Nürtingen und im Forum Türk alles um den als „Ikarus vom Lautertal“ bekannt gewordenen Welten-Erfinder Gustav Mesmer. Den Samstag beschließt um 18 Uhr eine Eröffnung in der Sammlung Domnick (Oberensinger Höhe 4): Künstlerinnen und Künstler des offenen Ateliers des Living Museums Alb antworten bildnerisch auf die Werke der Sammlung Domnick.

„,Coming In!’“, sagt Kulturamtsleiterin Susanne Ackermann, „ist eine gemeinsame Kraftanstrengung“. Und so spiegele das Projekt gerade die Idee, „die unterschiedlichsten Menschen mit und über Kunst zusammenzubringen“. „Nürtingen“, summiert Ackermann, „präsentiert sich mit ,Coming in!’ einmal mehr als lebendige und äußerst vielfältige Kunststadt – und das weit über die Stadtgrenzen hinaus“.