Der alte Sprungturm wird, anders als bisher geplant, doch abgerissen. Foto:  

Für das Freibadareal am Fuße des Kappelbergs in Fellbach hat der Gemeinderat die Namen für die Straßen festgelegt – und manche Vorschläge auch kurzerhand versenkt.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Heutzutage reden die Strategen in den Rathäusern gern von Alleinstellungsmerkmalen – also Besonderheiten, die nur diese eine Stadt vorzuweisen hat, um der kommunalen Konkurrenz die Rücklichter zu zeigen. Keine Besonderheit ist es beispielsweise, an einer Hauptstraße zu wohnen – denn diese kommt deutschlandweit einfach am häufigsten vor, in 7630 Kommunen, wie das Internetlexikon weiß. Ebenso wenig originell sind Adressen wie Dorfstraße (6988-mal), Bahnhofstraße (4979), Kirchstraße (2893), Schillerstraße (2248), die Goethestraße (2172 Nennungen), Friedhofstraße (1624) oder die Beethovenstraße in 1264 Städten und Gemeinden.

7630 Hauptstraßen gibt es in Deutschland

Ganz klar, exklusiv geht anders. In Fellbach jedoch bietet sich in einigen Jahren die Chance auf eine Wohnadresse, mit der man als Anwohner beispielsweise im Anschluss ans erste Date Punkte sammeln oder die ein Drehbuchauto der Soko Stuttgart gerne als Wohnort eines Zeugen einführen könnte.

Die neue Wohlfühladresse befindet sich ganz im Südwesten Fellbachs, auf dem ehemaligen Freibadareal mit bester Perspektive in Richtung Kappelberg. Kürzlich hat nun der Gemeinderat nach zahlreichen Debatten die entscheidenden Kopfsprünge hingelegt und die bisher nur Planstraße A genannte zentrale Ost-West-Erschließungsachse mit dem Namen Am Alten Freibad versehen.

Badweg schlägt Am Schwimmbecken

Für die Planstraße B wurde die Adresse Am Sprungturm auserkoren, da sie am ehemaligen Standort des Dreimeter-Bretts vorbeiführt. „Der bildhafte und prägnante Name verdeutlich somit auch den aus Richtung Süden nach Fellbach Einfahrenden die stadtfunktionale Vergangenheit des Areals und trägt aktiv zur Adressbildung bei“, heißt es in der Begründung. Eher unspektakulär fällt die Bezeichnung für den zentralen Quartiersplatz aus, der künftig „Liegewiese“ genannt wird. Der neue Platz sei das räumliche Zentrum des Quartiers und diene als Treffpunkt – wie einst die Liegewiese.

Eine engere Abstimmung gab es allerdings bei der Planstraße C, die zur neuen Kindertagesstätte im Wohngebiet führt: Hier kam der Badweg auf 16 Stimmen, das alternativ vorgeschlagene Am Schwimmbecken sammelte nur neun Fans.

Beim Bikini-Atoll ohne Chance

Fast 60 Vorschläge waren zuvor bei einem Straßennamenfindungsprozess im Rathaus eingegangen. Fast noch interessanter als die erfolgreichen Vorschläge sind jene, die durchfielen. So scheiterte der Wellenweg erst kurz vor dem Ziel. Statt Liegewiese wäre als Alternative auch der Anton-Kreidemann-Platz denkbar gewesen: Nach dem Niedergang der Badhäuser ab dem Mittelalter als Konsequenz der Pest- und Cholera-Epidemien war Kreidemann 1798/1799 einer der ersten in Deutschland, der nicht nur auf eine Bürgerinitiative hin in Lübeck ein Freibad mit öffentlichem Zugang errichtete, sondern auch Schwimmkurse nur für Knaben anbot. Er ist somit einer der ersten Pioniere der Freibad-Kultur in Deutschland.

Bereits in der Frühphase aussortiert wurden amüsante, aber offenkundig als nicht ganz passend eingestufte Straßennamen. Dazu gehörten etwa die Seepferdchengasse, die Startblockstraße, Am Wasserrattenweg, Beim Bikini-Atoll, Taucherbrillengasse, Spickerplätzle, Im Tanga oder Am Meerbusen.

Alter Sprungturm muss abgerissen werden

Und höchst bedauerlich ist auch, dass der alte Sprungturm nun anders als ursprünglich vorgesehen nun „wohl leider“ doch nicht im Original im Wohngebiet stehen bleiben kann, wie Christian Plöhn vom Stadtplanungsamt erklärt. Zumindest soll nun am Anfang der Straße „als wichtiges Gestaltungselement ein stilisierter Sprungturm eingeplant werden“.