Neues Duo im Kultusministerium Eisenmann und Föll wissen ganz genau, was sie tun

Von Josef Schunder 

Ein Bild aus dem Jahr 2003: Susanne Eisenmann, heute Kultusministerin, und Michael Föll, bald Amtschef im Ministerium, waren damals beide im Rathaus tätig – und kannten sich schon lang. Foto: Michael Steinert
Ein Bild aus dem Jahr 2003: Susanne Eisenmann, heute Kultusministerin, und Michael Föll, bald Amtschef im Ministerium, waren damals beide im Rathaus tätig – und kannten sich schon lang. Foto: Michael Steinert

Im Kultusministerium werden im März zwei Christdemokraten zusammenarbeiten, die seit gut 30 Jahren politische Weggefährten sind. Warum tun sie sich zusammen? Was haben sie noch vor? Es gibt diverse Theorien.

Stuttgart - Unter Susanne Eisenmann zu arbeiten, das ist schon fast eine Binsenweisheit, gehört zu den größeren Herausforderungen im Leben. Und Michael Föll hat im Rathaus mit häufigen Vetos gegen Beschlussvorlagen, mit Machtbewusstsein und Detailkenntnissen so manchen Bürgermeisterkollegen und Amtsleiter fast zur Verzweiflung gebracht. Von März an wollen die beiden nun gemeinsam auf einem Feld agieren: als Kultusministerin sowie als Amts- und Verwaltungschef im Ministerium. Die Überraschung darüber, dass Föll zum Land wechselt und nicht in die freie Wirtschaft, war groß. Dabei ging ein wenig unter, dass Eisenmann und Föll nicht nur durch ein paar gemeinsame Jahre als Bürgermeister der Landeshauptstadt verbunden sind.

Was hier auf politischem Feld passiert, ist so ähnlich, wie wenn sich im Privatleben nach vielen gemeinsamen Jahren zwei Menschen das Jawort geben. „Wir wissen, worauf wir uns gegenseitig einlassen“, sagte Föll denn auch unserer Zeitung, „da könnte man sicher nicht in ein paar Monaten sagen, dass man sich das anders vorgestellt habe.“

Sie kennen sich seit den 1980er Jahren

Wann sie sich kennenlernten, wisse er ehrlich gesagt gar nicht mehr, sagt Föll. Es müsse wohl Mitte oder Ende der 1980er Jahre gewesen sein. Sie gehörten der Jungen Union an. Föll zog 1989 in den Gemeinderat ein, Eisenmann in der folgenden Legislaturperiode: 1994. Als Föll 2003 den Fraktionsvorsitz bei der CDU abgab, um Bürgermeister für Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen zu werden, übernahm Eisenmann die Führung der Fraktion. Schon 2005 zog sie ins Büro der Kultur-, Schul- und Sportbürgermeisterin um. Und fortan wirkten die beiden gemeinsam im Bürgermeisteramt, bis Eisenmann, einst Büroleiterin des damaligen Fraktionschefs und Regierungschefs Günther Oettinger, in die grün-schwarze Landesregierung berufen wurde.

Ihr jetziger Schachzug, Föll auf die politische Großbaustelle Kultusministerium nachzuholen, gilt nicht wenigen Beobachtern als brillanter Coup, denn in dem Haus mit einem Zwölf-Milliarden-Euro-Budget und 3000 Mitarbeitern kann sie den erfahrenen, durchsetzungsfähigen, klar strukturierten Föll bestens gebrauchen. Viele glauben, die beiden hätten noch mehr im Sinn: Eisenmann den Job der Ministerpräsidentin – was aber strebt Föll noch an?

Viele meinen, Föll wolle im Staatsministerium „den Murawski machen“

Darüber kursieren diverse Theorien. Die vielleicht populärste ist, er wolle unter einer Ministerpräsidentin Eisenmann die Leitung im Staatsministerium übernehmen – wie der frühere Grünen-Bürgermeister Klaus-Peter Murawski unter Winfried Kretschmann.

Föll wolle „den Murawski machen“ oder irgendwann Finanzminister werden, glauben auch CDU-Stadträte. Föll selbst wiegelt ab. Erstens: „Ein Murawski ist einzigartig. Ein Äquivalent wird es in der Landesregierung nie mehr geben.“ Und zweitens: „Ich habe mich mit Susanne Eisenmann nur über den Posten des Amtschefs unterhalten.“ Den wolle er, weil er im Alter von 53 Jahren „Lust auf etwas Neues“ habe.

Vom Ministerium zurück ins Rathaus?

Dennoch kommt oft Theorie Nummer zwei ins Spiel: Weil Eisenmann nicht mehr die OB-Kandidatur anstrebe, werde Föll in Stellung gebracht. Der Job im Ministerium schaffe Distanz zur Stadtverwaltung. Dadurch könne Föll 2020 bei der OB-Wahl antreten. Bliebe er im Rathaus, würde sich die Kandidatur nach den üblichen Gepflogenheiten verbieten, falls der Amtsinhaber sich wieder bewerbe. In Abwandlung davon ist auch eine dritte Theorie zu hören: dass Föll sich eine „Abkühlphase“ verordnet, damit er später an die Spitze eines Unternehmens rücken könne, an dem die Stadt beteiligt ist.

Gegen die Theorie mit der OB-Kandidatur spricht, dass Föll mehrfach, auch gegenüber unserer Zeitung, beteuerte, das OB-Amt reize ihn nicht; er strebe es nicht an. Einen Wechsel vom Finanzreferat zu einem der Beteiligungsunternehmen, für die er bisher auch zuständig war, schloss er ebenfalls aus. Dabei ging es allerdings um einen direkten Wechsel, keinen auf Umwegen.

Auf die Frage, ob er doch noch für den OB-Sessel kandidieren werde, sorgte Föll am Freitagabend für Klarheit: an den OB-Spekulationen sei „definitiv nichts dran“. Er werde das Rathaus nach dem Wechsel nur noch als Gast betreten – „wenn ich denn eingeladen werde“.

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