Die Erschließung des Baugebiets in Kleinbottwar kann beginnen. Die Preise liegen bei 690 Euro pro Quadratmeter. Eine große Summe, die aber andernorts sogar überboten wird.
Seit Jahrzehnten bemüht sich die Stadt Steinheim, am Rand von Kleinbottwar Richtung Großbottwar ein Neubaugebiet auszuweisen. Nun können die Pläne in den Scheibenäckern tatsächlich verwirklicht werden. Der Gemeinderat hat jetzt die Auswahlkriterien für Bewerber bestimmt, den Baulandpreis für die städtischen Grundstücke festgezurrt und die Vergabe der Erschließungsarbeiten abgesegnet – und damit die allerletzten Hürden auf dem Weg zur Realisierung des rund sieben Hektar großen Areals aus dem Weg geräumt.
Privater Abschluss für deutlich höhere Summe
Allerdings war es im Gremium umstritten, wie viel Geld die Kommune für die eigenen Bauplätze fordern sollte. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, auf Flächen für Einzel-, Doppel- und Kettenhausbauplätze pro Quadratmeter 690 Euro zu verlangen. Dabei hatte sich die Rathausspitze an den Bodenrichtwerten orientiert. Faktisch ließen sich aktuell aber höhere Erlöse erzielen, sagte jedoch Grünen-Fraktionssprecher Rainer Breimaier. Und der „echte Marktwert“ müsse die Messlatte sein. Breimaier erinnerte daran, dass von privater Seite ein erstes Grundstück für 819 Euro pro Quadratmeter veräußert worden sei. Bleibe man unter solchen Summen, subventioniere man quasi den Bau von Einzelhäusern, und das sei weder sozial- noch umweltpolitisch richtig.
Alle Grundstücke verkauft
Die deutliche Mehrheit in der Runde hielt die Summe allerdings für angemessen, ebenso wie die 480 Euro, die für die städtischen Grundstücke in dem gleichfalls neuen Baugebiet Seewiesen-Erweiterung in Höpfigheim aufgerufen werden. Zum Vergleich: Die Gemeinde Mundelsheim hatte zuletzt pro Quadratmeter im Areal Seelhofen IV für den Quadratmeter 500 Euro verlangt. „Damals war das viel, nach heutigen Maßstäben wäre es fast zu wenig“, sagt Bürgermeister Boris Seitz. Die Grundstücke seien alle verkauft.
An Vorschläge der Gutachter gehalten
So weit sind die Affalterbacher mit ihrem Neubaugebiet Hinter dem Kirchhof noch nicht. „Das Bewerberverfahren läuft noch bis zum 5. Juli um 16 Uhr“, sagt Rathauschef Steffen Döttinger. Zehn Bauplätze vergibt die Gemeinde nach der Auswertung der eingegangenen Unterlagen zum Preis von 640 Euro pro Quadratmeter. „Der Gutachterausschuss Bottwartal hat einen Vorschlag gemacht und eine Bewertung abgegeben. Daran haben wir uns gehalten“, so Döttinger.
Wo das Eigenheim am erschwinglichsten ist
Weitaus tiefer in die Tasche greifen müssen Interessenten, wenn sie in Ludwigsburg in eine Immobilie investieren wollen. In den teuersten Lagen wie im Zentrum oder in der Südstadt seien im Durchschnitt 1200 Euro bezahlt worden, berichtet Olaf Dienelt, Geschäftsstellenleiter des Gutachterausschusses Ludwigsburg und Umgebung, der auch für Remseck und Freiberg am Neckar zuständig ist. Mit den geringsten Ausgaben könne man seinen Traum vom Eigenheim im Freiberger Stadtteil Geisingen verwirklichen, wo der Bodenrichtwert auf 500 Euro festgelegt wurde. Eine Orientierungsgröße, von der die Kommunen aber auch abweichen könnten.
Interessenten sind vorsichtiger geworden
„Insgesamt sind die Bodenrichtwerte zuletzt stark gestiegen“, fasst Dienelt zusammen. In Ludwigsburg seien die Preise Stand Ende 2020 bis 31. Dezember 2021 im Mittel um neun Prozent, in manchen Toplagen sogar um 25 Prozent, in Remseck um sieben und in Freiberg um vier Prozent gestiegen. Damit könnte das Ende der Fahnenstange erreicht sein. „Die Leute sind im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren nun vorsichtiger geworden und lassen sich mit der Kaufentscheidung länger Zeit“, hat der Fachmann beobachtet. Die Baukosten zögen ebenso an wie die Zinsen für Kredite. „Ob sich das dann auch preislich niederschlägt, wird sich zeigen“, sagt er.
Einnahmen fest eingeplant
In Kleinbottwar sind die Beträge aber erst mal fix. Die Grundstücke sollen in den nächsten Wochen ausgeschrieben werden, kündigt Bürgermeister Thomas Winterhalter an. Die Vergabe, bei der soziale und örtliche Komponenten eine Rolle spielen, soll im Laufe des Jahres erfolgen. „Die Einnahmen sind im Haushalt eingeplant“, erläutert er.
Kreisstraße muss gesperrt werden
Anschließend müssen sich die Bauherren in Geduld üben. Denn die Erschließung des Geländes werde rund 24 Monate dauern. Der Spatenstich soll laut Benjamin Humpfer vom Erschließungsträger Geoteck demnächst über die Bühne gehen. „Ich vermute aber, dass eine Bautätigkeit mit erkennbarem Fortschritt wahrscheinlich erst gegen Ende Juli angefangen werden kann“, sagte er im Gemeinderat. Weil bei den Arbeiten auch in die unterhalb des Wohngebiets liegende Kreisstraße nach Großbottwar eingegriffen wird, müsse diese zwischen dem Kreisel und dem Ortseingang rund vier bis fünf Monate komplett gesperrt werden, sagt Thomas Winterhalter. Für Busse werde in dieser Zeit ein Bypass um die Baustelle gelegt.