Ausstellungskuratorin Margrit Röder (rechts) und Leiterin Alke Hollwedel enthüllen die Vase, die der Ludwigsburger Sammler Günter Leidner dem Stadtmuseum als Leihgabe zur Verfügung stellt. Foto: Simon Granville

Die Vase ist eine Leihgabe des Ludwigsburger Sammlers Günter Leidner. Sie erzählt auch einiges über die Geschichte der früheren Residenzstadt.

Wo bis vor kurzem noch Kaffee- und Milchkännchen standen, hat nun ein besonderes Prunkstück seinen Platz gefunden: Im Ludwigsburg Museum ist seit Mittwoch eine Kelchvase mit Porträts der ersten württembergischen Königin zu sehen. Die Vase ist eine Leihgabe des Ludwigsburger Sammlers Günter Leidner – weitere Objekte sollen folgen.

 

Die Vase wurde im Rahmen des monatlichen Veranstaltungsformats „Museumspause“ enthüllt und den anwesenden Gästen präsentiert. Es handle sich dabei um ein „Unikat“, das Charlotte Auguste Mathilde nicht als Königin, sondern als Privatperson zeige, erklärt Museumsleiterin Alke Hollwedel. „Das ist eine wunderbare Leihgabe mit der Aussicht, dass es eine Schenkung wird.“

Vase zeigt Königin in privaten Momenten

Die Vase soll nun stellvertretend für den Museumsbereich zur Ludwigsburger Porzellanmanufaktur stehen, die von Herzog Carl Eugen 1758 gegründet wurde und bis zu ihrer Schließung 1824 hochwertige Produkte herstellte. Die Vase ist auf zwei Seiten bemalt und zeigt Charlotte Auguste Mathilde in privaten Momenten – auf der einen Seite während sie gerade stickt, auf der anderen während sie gerade malt.

„Die Handarbeit und das Malen waren ihre beiden Leidenschaften“, erzählt Ausstellungskuratorin Margrit Röder. Charlotte Auguste Mathilde, älteste Tochter des englischen Königs Georg III. und zweite Ehefrau des ersten württembergischen Königs Friedrich I., sei in einem sehr guten Haus aufgewachsen. Schon in ihrer Jugend habe sie professionellen Zeichenunterricht bekommen.

Zuschreibung der Vase nicht gesichert

Die Vase entstand um 1800. Aus welcher Hand sie stammt, ist nicht hundertprozentig sicher. Ausstellungskuratorin Röder sieht aber starke Hinweise darauf, dass sie dem Ludwigsburger Obermaler Albrecht Walcher zugeschrieben werden kann. Zum einen sei die Qualität der Arbeit sehr hoch. „Man merkt, dass sie aus professioneller Hand stammt“ – was auf den Chef der Mal-Abteilung der Ludwigsburger Porzellanmanufaktur zutrifft.

Was hinzukommt: Walcher war 30 Jahre lang der private Zeichenlehrer von Charlotte Auguste Mathilde. In dieser Zeit sei ein „sehr enges, vertrauensvolles Verhältnis“ zwischen den beiden entstanden, sagt Röder. Walcher habe die Königin dabei häufig in privaten Momenten gesehen.

Die erste württembergische Königin Charlotte Auguste Mathilde, während sie stickt. Die Handarbeit war eine ihrer Leidenschaften. Foto: Simon Granville

Charlotte Auguste Mathilde ist nicht unwichtig für die Geschichte Ludwigsburgs. Sie war es, die den Ausbau des Schlossgartens zu einem englischen Landschaftsgarten veranlasst hat. Auch durch Spenden für den guten Zweck ist sie der Ludwigsburger Bevölkerung in Erinnerung geblieben, etwa durch das Mathildenstift für arme Kinder. Die Vase mit den Porträts der Königin sei deswegen „ein ganz herausragendes Stück, mit dem man ganz viel Ludwigsburger Geschichte verknüpfen kann“, sagt Röder.

Vase befand sich jahrzehntelang im Haus von Leidner

Sammler Günter Leidner war während der Präsentation selbst anwesend. Für ihn hat die Vase, die sich seit den 1990er-Jahren bei ihm zuhause befand, nun den „idealen Platz“ gefunden. „Ich denke, dass sie hier in besten Händen ist“, sagt Leidner. Erworben hatte er sie bei einer Auktion.

Der 80-Jährige ging schon in jungen Jahren seiner Sammelleidenschaft nach. „Ich lebe mit und für die Kunst“, sagt er. Seine Objekte sind heute weit verstreut, etwa in Berlin in der Gemäldegalerie und im Bode-Museum, in München oder in Karlsruhe. „Deswegen dachte ich mir, dass es naheliegend wäre, auch meiner Heimatstadt etwas zukommen zu lassen.“ Die Sammlung des Stadtmuseums soll im kommenden Jahr um weitere Objekte aus seiner Sammlung bereichert werden.