Seit Ende 2024 gibt es in Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) ein Kindercafé. Inhaberin ist eine junge Mutter, die mit dem Angebot einen Platz für Eltern und deren Kinder schaffen möchte. Wie sie auf die Idee kam und welches Problem sie anfangs unterschätzt hat.
Wer kleine Kinder hat, kennt das Problem: Ein entspannter Besuch im Café ist nur schwer möglich, weil die Kleinen unterhalten werden möchten. Genau dort setzt das Kindercafé „Little Friends“ in Kornwestheim an. Aya Mahmoud betreibt es seit Dezember am Bahnhofsplatz. „Ich habe selbst ein kleines Kind“, sagt die gebürtige Syrerin, die in Kornwestheim lebt. Sie vermisste ein Café, das kleinen Kindern die Möglichkeit zum Spielen gab, während Mama oder Papa einen Kaffee trinken und sich mit Freunden treffen. Also hat sie kurzerhand selbst ein solches eröffnet.
Die 23-Jährige hat einen abgesperrten Bereich in ihrem Café eingerichtet nur mit Spielsachen wie einer kleinen Rutsche, einem Spielteppich und einer Spielküche. Vor allem für Kinder bis vier Jahren eignet sich das. In dem kleinen Café sitzen die Eltern dann nicht weit entfernt an den Tischen und können den ganzen Tag über Süßes, Kaffee oder auch arabische Snacks zu sich nehmen. „Wir machen die Sachen alle selbst und wollen dieses Jahr jetzt auch Pommes und Chicken Wings auf die Speisekarte nehmen“, sagt Mahmoud.
Im Alter von neun Jahren verließ sie ihr Heimatland. Zunächst ging es nach Jordanien, dann nach Dubai und schließlich nach Deutschland. Mit 13 Jahren kam sie hier an und ist heimisch geworden. Sie hat hier – in einer Flüchtlingsunterkunft – ihren Ehemann kennengelernt und später ihr Kind bekommen. „Ich will mit dem Café auch etwas zurückgeben, weil ich hier so toll aufgenommen worden bin“, sagt Mahmoud. Das Little Friends ist ihre erste berufliche Station und derzeit steht sie selbst noch meist den ganzen Tag von 9 bis 18 Uhr hinter dem Tresen.
Sie macht auch noch während des Betriebs wichtige Erfahrungen. So hat sie schnell gesehen, dass es notwendig ist, einen kleinen Beitrag als Eintritt für die Kinder zu verlangen. „Wir haben einfach gemerkt, dass viele Spielsachen schnell kaputtgingen und wir neue anschaffen mussten“, begründet sie die drei Euro Eintritt für Kinder über sechs Monate.
Spielecken in Cafés eher selten
Dass sie mit ihrem Café etwas biete, dass nachgefragt sei, habe sie gleich im Dezember nach der Eröffnung bemerkt, als viele Mütter mit ihren Kindern kamen. Zu Beginn des neuen Jahres habe die Nachfrage etwas nachgelassen, aber die junge Frau bleibt optimistisch. „Wir bieten einfach etwas, das es so hier sonst nicht gibt“, sagt Mahmoud gelassen. In der Tat sind Spielecken nicht alltäglich. Die Kinderfreundlichkeit in Cafés ist dann auch individuell sehr unterschiedlich.
Es gibt neben einigen kommerziellen Anbietern, die das Kundenpotenzial bei Müttern und Vätern kleiner Kinder entdeckt haben, in den vergangenen Jahren vor allem aber auch immer wieder Initiativen, die Elterncafés organisieren. So gibt es im Familienzentrum Marbach jeden Montag von 9.30 bis 11.30 Uhr ein Eltern-Kind-Café, in Ludwigsburg unter anderem immer mittwochs von 9.30 bis 11.30 Uhr ein Eltern-Kind-Café im Stadtteilzentrum Eglosheim. In Ingersheim findet immer donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr und 14.30 bis 17 Uhr im Gemeindehaus Großingersheim das Café Bambini statt, und in Bietigheim-Bissingen gibt es zum Beispiel jeden Dienstag im Jugendhaus 4D von 15.30 bis 17.30 Uhr das Café Miteinander.