Vielen sterbenden Menschen hilft es, einen anderen zu spüren – den Mann, die Ehefrau, die Tochter, oder einen Begleiter in der letzten Zeit, die noch bleibt.. Foto: imago/photo2000

In Gerlingen ist ein Hospizverein geplant. Um Sterbenden und ihren Angehörigen geschulten Beistand bieten zu können, sind zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter notwendig. Nach den Ferien soll eine Werbekampagne starten.

Gerlingen - Wir wollen die Leute nicht erschrecken. Das Sterben gehört aber zum Leben dazu.“ Ulla Schaich redet aus professioneller Perspektive über ein Thema, das viele Menschen verdrängen. Zugleich dürften sich viele wünschen, in vertrauter Umgebung aus dieser Welt zu gehen – und vielleicht auch mit Begleitung. Um das Angebot in der Stadt zu verbessern, soll in Gerlingen ein Hospizverein gegründet werden. Zehn Institutionen sollen mitmachen, die Vorbereitungen sind getroffen. Großes Interesse haben das Altenhilfezentrum Breitwiesenhaus und dessen Heimleiterin Ulla Schaich, sowie der Pflegeverbund mit der Sozialstation und ihrem Leiter Reinhard Ernst. Erste Aufgabe ist es, Ehrenamtliche für die neue Aufgabe zu gewinnen.

„In sehr vielen Kommunen gibt es Hospizvereine, die alle ehrenamtlich laufen“, erklärt Reinhard Ernst. Ein gutes Beispiel gebe es in der direkten Nachbarschaft. In Leonberg arbeitet innerhalb des Pflegeverbunds Strohgäu, dessen Geschäftsführer Ernst ist, die Sozialstation Leonberg. Ernst hat zusammen mit Ulla Schaich in einer Projektgruppe gearbeitet, die im vergangenen Winter die Grundlage für den Ausbau der Hospizarbeit in Gerlingen gelegt hat.

Die bestehende Hospizgruppe könne ohne hauptamtliche Unterstützung den Bedarf nicht mehr decken, heißt es in einer Projektbeschreibung des neuen Vereins. Die bestehend eGruppe habe fünf bis acht Mitarbeiter, sie werde unterstützt von der Petrus- und Lukasgemeinde, berichtet Jürgen Beck-Bazlen. Der neue Verein sei „sicher eine gute Sache“. Man erhoffe sich eine Kooperation, „wir wollen weiter Menschen in Nöten begleiten“.

Verein mit hauptamtlicher Basis

Die in der Projektgruppe vertretenen Initiatoren und die Stadtverwaltung wollen einen von Freiwilligen getragenen Verein schaffen, der eine hauptamtliche Basis hat. Der Pflegeverbund und das Altenhilfezentrum sollen Fachkräfte für Palliativpflege dafür abordnen – als Maximum sind 40 Prozent einer Vollzeitstelle angedacht. Diese Fachkräfte sollen die Einsätze der Ehrenamtlichen koordinieren, die Freiwilligen begleiten und deren Aus- und Weiterbildung organisieren. Die Verwaltung und Abrechnung, so Ernst, könne die Sozialstation übernehmen. Die Anfangsfinanzierung wollen das Altenhilfezentrum und der Pflegeverbund leisten, die Krankenkassen die Kosten des laufenden Betriebs des Hospizdienstes.

So steht es in dem umfangreichen Papier, welches der Sozialausschuss des Gemeinderates verabschiedet hat. Darin sind auch die Institutionen genannt, die für eine Mitarbeit angefragt sind: die Gesellschaft Vielfalt Leben; sie betreut die Wohngemeinschaften im Annemarie-Griesinger-Haus, die Fördergemeinschaft Pflege, die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, das Rote Kreuz und der Verein Kopiloten – er unterstützt ehrenamtlich die Wohngemeinschaft für demenzkranke Menschen. Der Zeitplan habe sich um ein halbes Jahr verzögert, berichtet Ernst: Wegen Corona hätten die nötigen Sitzungen nicht wie geplant im Frühjahr stattfinden können. Nun ist im Sozialausschuss der Startschuss gefallen.

Begleitung sollte früh beginnen

„Wir müssen bewusst Hospizarbeit leisten“, meint Ulla Schaich. Dazu gehöre, ambulant Angehörige zu unterstützen – und ihnen klar zu machen, dass man „Menschen auf unterschiedlichen Ebenen begegnen kann“. Dazu gehöre außerdem, dass die Begleiter „nicht wie die Todesengel gerufen werden“ – sondern dass die Begleitung eines sterbenden Menschen und seiner Angehörigen lange vor dem Endstadium des Sterbens beginne. Und zwar in einer Pflegeeinrichtung wie zuhause. Nur in der „vorletzten Phase“ könne es gelingen, den Sterbenden und seine Wünsche kennenzulernen. Nur so könne man auch die Angehörigen adäquat betreuen und unterstützen. „Manche Menschen möchten auch alleine gehen.“

Von etlichen der angesprochenen Gruppen gibt es positive Signale. So sei das Rote Kreuz „grundsätzlich nicht abgeneigt“, sagt dessen Ortsvereinsvorsitzender Thilo Lang. Der Vorstand der Fördergemeinschaft Pflege hat laut dessen Vorsitzendem Andreas Arzt einstimmig dafür gestimmt. Und auch die Stadtverwaltung wird sich mit den anderen Gründungsmitgliedern des Hospizvereins an der Anwerbung der Freiwilligen beteiligen.

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