Seit Anfang März 2020 war Alice Cooper nicht mehr auf Tournee. Foto: earMUSIC/Jenny Risher

Rock-Ikone Alice Cooper blickt im Interview auf die bisherige Zeit der Corona-Pandemie zurück. "2020 wird in die Geschichte eingehen als das vielleicht seltsamste Jahr aller Zeiten", erklärt er im Interview.

Alice Cooper (73, "Poison") wurde als Schockrocker berühmt, der in schaurigen Bühnenshows Hinrichtungen inszeniert und sich in Zwangsjacken stecken lässt. Hat bei ihm nun die Altersmilde zugeschlagen? In Pandemie-Zeiten gibt sich der Rocker optimistisch. Rückblickend auf 2020 sagt Cooper im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news: "Die Welt hat an vielen Stellen an einem Strang gezogen, um Menschen zu helfen, die sich nicht selbst helfen konnten. Ich habe eine Menge Zusammenarbeit erlebt."

"Menschen, die keine Masken tragen wollten, trugen Masken. Ich war einer davon - aber ich trug eine Maske", erklärt der Rocker. "Ich glaube, ich habe mir noch nie in meinem Leben so oft die Hände gewaschen. Aber ich habe gesehen, wie die ganze Welt das tat, und ich sagte: 'Gut, lasst uns zusammenarbeiten und dieses Ding besiegen.'" 2020 werde "in die Geschichte eingehen als das vielleicht seltsamste Jahr aller Zeiten".

Seine letzten Konzerte vor dem Lockdown spielte Alice Cooper in Deutschland

"Wenn ein winziger Keim, den niemand sehen kann, die Welt zum Stillstand bringt, dann bekommt man einen ganz neuen Blick auf die Welt", führt der 73-Jährige weiter aus. Im Frühjahr des vergangenen Jahres war der Rocker kurz vor dem ersten Lockdown in Berlin für die Show "Rock Meets Classic". "Als die Show zu Ende war, bekamen wir den Rat: 'Wenn ihr in den nächsten 30 Stunden nicht aus Deutschland raus seid, machen wir die Grenzen dicht.'", erzählt Alice Cooper. "Das war am 7. März und seitdem sind wir nicht mehr auf Tournee gewesen. Das ist jetzt schon ein Jahr her. Es ist sehr merkwürdig."

In gewisser Weise blicke man zurück und denke sich: "Na ja, vielleicht haben wir ein Jahr Pause gebraucht", sagt Cooper weiter. "Aber ich betrachte es immer von der optimistischen Seite her: Die Familien blieben zusammen, mussten zu Hause bleiben und sich zusammenraufen."

Seinem neuen Song "Hanging On By A Thread (Don't Give Up)" verpasste Alice Cooper in der Corona-Pandemie kurzerhand einen neuen Text. Das Lied handle eigentlich von Suizid, der Rocker textete die zweite Strophe jedoch in eine Art Hoffnungshymne um. "Und so schrieb ich die Zeilen: 'Lasst uns nicht vor dem Virus kapitulieren. Lasst uns nicht mehr Opfer dieses Virus sein. Stellen wir uns ihm entgegen wie ein Tyrann und sagen wir ihm, wir sind Menschen. Wir werden noch viel länger hier sein als du. Und du wirst weg sein. Wir werden immer noch hier sein.'"

Damit habe Cooper der Weltbevölkerung die Chance geben wollen, "einmal nicht das Opfer, sondern der Angreifer zu sein". "Seid nicht derjenige, der verprügelt wird, sondern derjenige, der das Virus verprügelt", führt er weiter aus.

"Mehr Attitüde als Alice Cooper, The Stooges oder MC5 gibt es nicht"

Bereits vor der Corona-Pandemie hat der Rocker an einem neuen Album mit dem Titel "Detroit Stories" gearbeitet, das nun am 26. Februar erscheint. Das Album handelt nicht nur inhaltlich von Detroit, es wurde auch dort aufgenommen, die Songs wurden dort geschrieben und alle auf dem Album zu hörenden Musiker stammen von dort.

Zu der Stadt im Mittleren Westen der USA hat Cooper eine besondere Bindung: Der 73-Jährige ist dort geboren. "Detroit ist eine dieser Städte, die oft zur Zielscheibe von Witzen werden", erklärt der Rocker dazu. "Es ist der schlimmste Ort, an den man gehen kann - das stimmt aber nicht. Detroit ist eine harte Stadt. Die meisten der Kids dort, die Rock'n'Roll-Kids und deren Eltern, arbeiten in den Autofabriken und sind nicht so kultiviert wie die Menschen in Los Angeles oder New York. Sie mögen keinen Softrock, sie wollen Hardrock und dass ihre Bands sehr aggressiv sind und Haltung haben. Schauen Sie sich die Bands an, die von dort kommen. Mehr Attitüde als Alice Cooper, The Stooges oder MC5 gibt es nicht."

Detroit sei ein "interessanter, seltsamer Ort", den Alice Cooper mit zehn Jahren verlassen habe. "Danach habe ich in Arizona und Kalifornien gelebt. Aber wenn mich die Leute fragen, woher ich komme, sage ich Detroit, weil es mich in gewisser Weise stolz macht, dort gelebt zu haben und von dort zu sein. Es ist eine harte Stadt, aber es ist eine echte Musikstadt." Detroit sei die "Hardrock-Hauptstadt der Vereinigten Staaten".